Unternehmensethik

„(…) Güter und Dienstleistungen, die über einen „moralischen Mehrwert“ verfügen liegen im Trend. Das Stichwort dazu lautet Corporate Social Responsibility(CSR). Das heißt, Unternehmen tun Gutes und versuchen durch Öffentlichkeitsarbeit zu kommunizieren, wie sie in ihrer Produktion auf Nachhaltigkeit setzen. Etwa bei Löhnen, beim Rohstoffeinkauf oder Energieverbrauch.

Wissenschaftlich untersucht wird der Zusammenhang von Management und Moral am Institut für Wirtschaftsethik der Uni St. Gallen, dem ältesten Wirtschaftsethikinstitut in Europa. Das Europamagazin zeigt an zwei Beispielen aus der Schweiz, daß Erfolg und Ethik kein Widerspruch sein müssen. Der Unternehmer Robin Cornelius stellt T-Shirts in Indien her und garantiert hohe Sozialstandards, Umweltmaßnahmen und Transparenz. Für dieAlternative Bank Schweiz“, kurz ABS lautet das Motto „Gewinn ja, aber keinen Profit um jeden Preis“. Branchen wie etwa die Atom- oder Rüstungsindustrie sind daher für Geldanlagen tabu.

 Video zum Beitrag     Autor: Matthias Ebert

Die Grundidee ist einfach: weg vom Maximieren der Saläre und Bezüge (Boni, Pensionen, Fringe Benefits…)

Wirtschaftswissenschaftler und -ethiker sind sich längst einig, dass der Selbstbedienungs- mentalität bei einigen Topmanagern der Regel geschoben werden soll. Dabei geht es nicht primär um die Höhe der Vergütungen, sondern um die Verteilungsgerechtigkeit.

„Manager, die für sich Millionengehälter verlangen, haben sich durch die Forderung im Grunde bereits disqualifiziert“

Ulrich Thielemann das „wirtschaftsethische Gewissen“ an der HSG 

Das Relikt aus der New Economyzeit der 90-er Jahre leitete die Steigerung der Topgehälter vom vorher etwa 30-fachen zu einem Facharbeiterlohn, auf das 200- bis 300-fache, in einigen Fällen auf das 1500-fache! Die „Giganten“  unterlagen dem Irrglauben, die Wert- schöpfung der Unternehmen alleine erzeugt zu haben. Diese schon schizophren anmutende Haltung hat sich bis heute nicht geändert.

Der Vizedirektor Ulrich Thielemann verlässt das Institut für Wirtschaftsethik an der Uni St. Gallen!

„(…) Als Wirtschaftsethiker fordert er, dass man sich von der Gewinnmaximierung – nicht vom Gewinnstreben – verabschiedet.  «Wenn ich jedoch den Studierenden an der HSG sage, Gewinnmaximierung sei unter gar keinen Umständen rechtfertigungsfähig, dann antworten sie mir: wird uns doch den ganzen Tag beigebracht.» Mehr => Tagblatt

Dem „Störefried“ Ulrich Thielemann bekam seine Kritik am Bankgeheimnis nicht gut! Als es um die Neubesetzung des Lehrstuls für Wirtschaftsethik ging, wurde er nicht einmal zur Probevorlesung eingeladen… Das frühe Ausscheiden hat offensichtlich damit zu tun, dass die Uni St.Gallen eine andere Wirtschaftsethik (=> Slalomethik) wünscht. Diese soll sich weniger in öffentlich wirksame Debatten einmischen. Möglich ist, dass Dozenten erwünscht sind, die die Praktiken der Marktwirtschaft weniger im Grundsatz hinterfragen – eine Wirtschaftsethik, die mehr nebenbei läuft und keinen übergreifenden Ansatz verfolgt. In St. Gallen sind offenbar Volksbildhauer am Werk, die sich mit Gedanken wie: „Weg von der Gewinn- maximierung“ oder „Betrachtung des Menschen als Profitfaktor“ bzw. „Verdinglichung des Menschen als Profiterzeuger“ schwer tun. Somit ist man an echt ethischem Verhalten gar nicht interessiert. => „Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing“ gilt auch hier. Falls der Wirtschaftsethik zu viel Gewicht beigemessen wird, könnte es sein, dass gewisse Studenten sich die Schizophrenie der Gewinnmaximierung auf Kosten von allem anderen wo anders holen – Der Name der Uni könnte darunter leiden, wenn eine gewisse Nachfrage plötzlich nicht mehr da ist.

„(…)  “Wir reden heute viel von Ethik, meinen damit aber oft nur ein Instrument, um zum Beispiel Probleme in einer Firma zu vermeiden: Wie weit kann man gehen, dass es gerade noch koscher ist? Das ist für mich ‘Slalomethik’ nach dem Motto: Moral ist, was legal ist. Doch nicht alles, was legal ist, ist auch moralisch. Nur den Mindestlohn zu zahlen, ist zwar legal, kann im Einzelfall aber unmoralisch sein. Ich meine vielmehr eine Ethik, die auf ein paar wenigen Grundsätzen beruht, im Wesentlichen auf vier: auf der Kultur der Gewaltfreiheit und der Ehrfurcht vor allem Leben, auf der Kultur der Solidarität und einer
gerechten Weltwirtschaftsordnung, auf der Kultur der Toleranz und Wahrhaftigkeit, auf der Kultur der Gleichberechtigung, der Partnerschaft von Mann und Frau. Das sind Standards, die auch in allen Hochreligionen begründet sind. Es sind Grundregeln, die von vielen eingehalten werden, die aber ein paar wenige nicht zu kennen scheinen.”  => Mehr in „persönlich“: Interview mit Pater Niklaus Brantschen

Ethik bedeutet Verhalten. Sie beginnt bei jedem einzelnen Menschen, ist also eine Charakterangelegenheit!

Früher erschienen:

08. 07. 2010: Ethik, Moral oder Mischmasch moralicher Ethik?

17. 02. 2009: Wir haben uns selbst entmündigt

04. 01. 2009:  Die Ethik des Profits

25. 10. 2007: Ethische Normen

02. 05. 2007: Moral und Ethik

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