Gesundheitswesen: Renditen und Speck

VW hat sich mit Abgasmanipulationen (der eigentliche Skandal) in eine Ecke manöveriert und steht mit dem Rücken zur brennenden Wand. Nun wollen die neuen Manager sich des Schicksals des Ueli Rotach entledigen.

Ob die Geschichte wahr ist oder nicht, ist weniger wichtig, sie symbolisiert.

VW gedenkt, sich nun mit der Entlassung von 30’000 Mitarbeitenden zu sanieren.

Auch ohne Skandal hätte VW längst eine Speckabschmelze in Gang setzen müssen. „(…) Völlig außer Reichweite für VW bleiben die Gewinne pro Fahrzeuge bei Toyota. Im reinen Autogeschäft (ohne Finanzdienstleistungen und andere Aktivitäten) erzielt Toyota 9,7 Prozent Gewinn-Marge oder 1.862 Euro Gewinn pro verkauftem Fahrzeug. Fast drei Mal mehr als VW nach den ersten neun Monaten.

Die Erkenntnis: VW hat auch ohne Abgasskandal zu viel Speck angesetzt. Daraus folgt, was die Weisen der Dakota-Indianer schon wussten: Wenn du bemerkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab!

Das was VW jetzt angeht, haben in der Industrie schon „zig“ Unternehmen durchlaufen. Es ist immer das Gleiche: Laufen die Kosten aus dem Ruder, muss saniert werden. So geht man mit der Zeit – Sonst geht man mit der Zeit. So läuft es in der „freien“ Wirtschaft.

Doch nicht alles was glänzt ist Gold! Rudolf Strahm (SP) blickt durch: Sonntagsliberale: „Nur am siebten Tag predigen sie Wettbewerb“ Denn wie könnte jemand auf die Idee kommen, in der Schweiz herrsche Kaufkraftabschöpfung wie in der DDR?

Also doch mehr Planwirtschaft in der viel besungenen freien Schweiz?

Betriebe saniern kennen planwirtschaftlich organisierte Staaten höchstens aus den Büchern, sofern diese nicht auf dem „Index“ sind. Staatlichen und öffentlich rechtlichen Betrieben, eben auch in der freien Marktumgebung hängt ein starker Hauch von Planwirtschaft an. Sie werden weniger oft respektive selten bis nie entspeckt!

Spare Seife, aber wie?
Spare Seife, aber wie?
 Die Schweiz rühmt sich, eines der besten Gesundheitswesen der Welt zu haben. Es ist kaum dem freien Markt unterworfen, da es keinen konkurrierenden Markt gibt! Es ist gleichzeitig auch eines der teuersten. Bezüglich Kostenentwicklung hat es sich zur Krake entwickelt. Die Kosten wachsen seit langer Zeit überproportional zum BIP.

Gesundheitswesen Schweiz: Der um die 70 Milliarden Franken schwere Gesundheitskuchen wird nach strengen „Regeln“ alljährlich verteilt. Kaum einer der Nutzniesser ist bereit, etwas von seinen Pfründen abzugeben. Freilich wurde die Pharmaindustrie dazu verknurrt, ihre Produkte, die sie im Ausland zu viel tieferen Preisen verkauft, hier günstiger anzubieten. Doch darf sie nach wie vor mit einem künstlich hohen Euro-Kurs von Fr 1,2 rechnen! Parallelimporte sind blockiert. Die Kaufkraftabschöpfung in der Schweiz ist enorm. Bezahlen muss es der Bürger mit seinen Beiträgen an die Krankenkassen, mit Eigenleistungen (Franchisen, Selbstbehalte) und mit den Steuern.

Das Ausgabenniveau in der Schweiz ist hoch und das Wachstum hat sich beschleunigt

VW wird beispielsweise u.a. mit Toyota verglichen. Vergleichen wir das Schweizer Gesundheitswesen mit jenem von Singapur einmal mehr. „Das Schweizer Gesundheitswesen ein Sanierungsfall!wurde bereits beschrieben. Passiert ist nichts Einschneidendes.

Der Stadtstaat ist der Schweiz in vielerlei Hinsicht ähnlich: Kleinstaat, hohes Volkseinkommen, hohe Bevölkerungsdichte, unterschiedliche Kulturen und eine Vielzahl von Einwanderern. Es gibt auch im Bereich der Gesundheit Gemeinsamkeiten. Was auffällt: Gute Versorgung – aber kein Bett zu viel – In Singapur kommen 2 Spitalbetten auf 1000 Einwohner, in der Schweiz sind es deren 4.6, Faktor 2,3. Diese geringe Bettendichte kann aus zwei Gründen aufrechterhalten werden: Eine kurze Aufenthaltsdauer und eine im Vergleich zur Schweiz massiv geringere Hospitalisierungsrate. Während hierzulande pro 1000 Leute rund 166 Spitalfälle registriert werden, zählt Singapur nur gerade 91 Fälle Faktor 1,8. Auch wenn man berücksichtigt, dass die demografische Alterung in Singapur der Schweiz etwa 10 Jahre hinterherhinkt, scheint der Unterschied trotzdem beträchtlich. Hier mehr dazu!

(…) Da Singapur sich ausdrücklich nicht als Wohlfahrtsstaat versteht gibt es auch keine allgemeine Gesundheitsversorgung. Die Singapurer sind privat versichert, wobei Ärztetarife je nach Versicherungsaffiliation geregelt sind. Zahnversorgung ist in der Regel vom Versicherungsschutz ausgenommen. Trotz oder vielleicht gerade wegen der Privatfinanzierung sind die Singapurer mit 13 privaten und 10 öffentlichen Krankenhäuser und mehrere Spezialkliniken auf höchstem Niveau. Dadurch ist das Gesundheitssystem Singapurs als regionales Zentrum bekannt und hoch angesehen. …)“

Politiker und Gesundheitsexperten der Schweiz schielen stets nach Rosinen für ihre Zwecke in Singapur! Bei all ihren Anstrengungen gewinne ich den Eindruck, dass es weniger um die Entlastung der Menschen im Allgemeinen, als viel mehr um die Sicherung von Pfründen (lukrativer Posten nach einer Abwahl oder nach dem „natürlichen Austritt“ von Ämtern) im Speziellen geht. Ergo muss man den Kaufkraftabschöpfern das Wort reden. Die vielen Kleinen fallen eh nicht ins Gewicht, mögen die Mächtigen denken. Sehen wir uns doch einmal einige Daten im Vergleich mit Singapur ein weiteres Mal an:

Bevölkerungsdichte 2015

Schweiz 8,287 Mio Faktor 1,49

Singapur 5,535 Mio

Anteil d. Bevölkerung unter 15 Jahre: CH: 14,8 %, SGP: 15,5% (2015)
Anteil d. Bevölkerung über 65 Jahre: CH: 18,0 %, SGP: 11,7% (2015)

Pro Kopfeinkommen (Durchschnitt)

Schweiz 73.768 EUR Faktor ca. 1,58

Singapur 46,497 EUR

BIP pro Einwohner

Schweiz 80’603 US Dollar Faktor: 1,53

Singapur 52’888 US Dollar

Gesundheitsausgaben, gesamt (% des BIP), Ländervergleich für:

Schweiz: 11,7% Weltrangliste 7 (2014) Faktor ca. 2,4

Singapur: 4,9% Weltrangliste 143! (2014)

Gesundheitsausgaben pro Kopf (US $)

Schweiz 9.674 (2014) Faktor: 3,5!

Singapur 2.752 (2014)

Ärztedichte / 10’000 Einwohner 2013

Schweiz 40, Faktor 2

Singapur 20

Spitäler

Schweiz: 189 Faktor: 8,2 mit total 37636 Betten, Faktor 2,18 und 152 433 Vollzeitbeschäftigten, Faktor …. Quelle: Gesundheit: Taschenstatistik 2015

Singapur 23 mit total 31 auf 10’000 E = 17200 Betten und …. Vollzeitbeschäftigten

Selbstmorde (pro 100.000 Einwohner)

Schweiz: 11,3 (2013) Faktor ca. 1,1

Singapur: 10,3 (2006)

Vertragszwang mit Krankenkassen)

Schweiz: Total,

Singapur: Es gibt für Ärzte keine Gebührenordnung. Jeder Arzt legt sein Honorar selbst und frei fest. Wer zu teuer ist oder ein schlechtes Renomé hat, wird vom Markt aussortiert.

Wer in Singapur erkrankt, wird durch Hausärzte und Krankenschwestern behandelt, die entweder in den 18 staatlichen Polikliniken oder in den rund 2.400 Privatkliniken beschäftigt sind. Sie sind die erste Anlaufstelle für Patienten, die dann – wenn nötig – zur Behandlung durch Fachärzte in eine Klinik überwiesen werden. Zur Grundversorgung gehören die ambulante medizinische Behandlung, die Nachsorge nach einem Krankenhausaufenthalt, Impfungen, Screening, gesundheitliche Aufklärung, Diagnostik und Arzneimittelversorgung. Etwa jede fünfte Grundversorgung erfolgt nach Angaben des Gesundheitsministeriums durch die Polikliniken, 80 Prozent durch Privatkliniken. Die zahnärztliche Behandlung findet entweder in einem öffentlichen Krankenhaus oder Zahnzentrum oder in einer privaten Zahnklinik statt. Es besteht eine freie Arzt- und Krankenhauswahl. Ärzte in Singapur müssen sich an keine staatlichen Gebührenordnung richtet, wodurch jeder Arzt die Höhe seines Honorars frei individuell festlegen kann.

Lohnkosten: Im Vergleich hat Singapur sehr tiefe Lohnkosten. Der Grund dafür: Singapur beschäftigt sehr viel ausländisches Personal, welches zu sehr niedrigen Löhnen arbeitet. Der Anteil von Hilfspersonal ist wesentlich grösser als in der Schweiz. Der Durchschnittslohn für eine Pflegefachkraft beträgt in der Schweiz 73358 Fr.-/Jahr (Deutschland 31’800.- EUR; Österreich 34616.- EUR)

Nun kommt ein weiterer Versuch vom Novartis-CEO Jimenez zur Diskussion, um die Medikamente zu vermarkten. Seine Behauptung: «Ein Viertel der Kosten für die Gesundheit ist unnütz» Das Rezept von Novartis: den Nutzen seiner Medikamente aufzeigen. Das neue Herzmittel Entresto etwa soll die Hospitalisierung der Patienten vermeiden und deswegen einen Kostenvorteil haben. Und: Medikamente sollen vermehrt ihrer Wirkung entsprechend bezahlt werden. Nützt eine Arznei nichts, gibt es Rabatte. Wirkt sie, gibt es mehr Geld für Novartis.

Wer es noch nicht gemerkt hat: Es wird letztlich wohl eine akademische Frage sein, ob und wie das Medikament wirkte! Dem Patienten wird stets bewiesen, dass es eine Wirkung gab, besonders dann, wenn gleichzeitig mehrere Medis zum Einsatz kommen. Mit „personalisierten“ Medikamentenpreisen lässt sich eine weitere rote Nase verdienen.

Ich gehe davon aus, dass personalisierte Medikamente nicht die

Paracelsus
Paracelsus – „Habe die Summe der Bücher ins Feuer geworfen, auf das alles Unglück mit Rauch in Luft aufstieg…“ – „… nichts ist ein Gift – nur die Dosis macht Gift zu Gift…!“ Paracelsus verbrannte in einer Nacht anno 1927 in Basel öffentlich alle Handschriften der klassischen Medizin – wohl Schriften von Galen und Avicenna – Q

Zukunft ist. Ich gehe weiter davon aus, dass es dem Anbieter gelingen muss, wirksame Mittel auf den Markt zu bringen. Und ich erwarte, dass der Arzt, welcher Mittel und Medikamente verschreibt genügend darüber weiss und die Zusammenhänge versteht. Eigene Erfahrungen und solche aus dem Bekanntenkreis lassen diesbezüglich grosse Fragezeichen offen. Nur wer die Ursachen kennt, kann geeignete Medikamente verschreiben.

Nanoroboter - als Hinweis auf den technischen Fortschritt in der Medizin, Q
Nanoroboter – als Hinweis auf den technischen Fortschritt in der Medizin, Q

Es kommt in der Schweiz äusserst selten vor, dass ein Arzt, eine Arztpraxis oder ein Spital in Konkurs gerät. Dies ist ein Indiz dafür, dass das Gesundheistswesen mehrheitlich planwirtschaftlich funktioniert. Die Ärzteschaft wie das übrige Personal sind praktisch gesehen Staatsangestellte. Sie brauchen sich vor dem kalten Gegenwind, der in der Privatwirtschaft weht, kaum zu fürchten.

Für Betriebssanierer gäbe es viel zu tun! Aber sie müssten vielleicht zuerst verstehen, mit wem sie es zu tun hätten und  wo anzusetzen wäre. Wenn ich bei Gelegenheit meine Beobachtungen mache und für mich so etwas wie ein vereinfachtes Multimomentverfahren anwende, kommen erstaunliche Ergebnisse zu Tage! Die Erkenntnis: Es gibt schweizweit ein riesiges Sparpotential, ohne dass die Leistung oder die Qualität vermindert werden müsste! Es ginge darum, endlich die Hausaufgaben zu machen!
Es bleibt der Leserschaft überlassen nachzurechnen wieviel bei der Reduktion der oben genannten Faktoren um 2- 3 Zehntel (die Suizidrate soll dabei ausser Acht gelassen werden) zu Gunsten der Schweiz herausschauen würde. Und, da wir zu viele kleine Spitäler haben, ist weniger Politik und mehr Betriebswirtschaft gefragt – unabhängig davon, ob ein Gesundheitsdirektor wieder gewählt wird aber nicht doch nicht auf Kosten der Regionen, damit ein ruinöser Investitionswettbewerb (läuft derzeit auf Hochtouren) die Mengenausweitung fördert, damit die Grossen Zentren, Privatkliniken und Unispitäler Umsätze bolzen müssen, um die falsche Anreize „Boni“ auszahlen zu können!