Es gibt nicht viele berühmte, alte Piloten

Es gibt alte Piloten und es gibt kühne Piloten, aber es gibt keine alten, kühnen Piloten.“ zugeschrieben wird dies Andre Kostolany

Ob es wirklich Kostolany, der Spekulant, als erster in die Welt setzte mag fraglich sein! Viel eher trifft dies für den Flieger Lee

Lee E. Hamilton, 1949 in his contract airmail pilot’s uniform.

E. Hamilton zu: Er soll gesagt haben: „Sei kein Show-Man. Sei niemals zu stolz, um zurückzukehren. Es gibt alte Piloten und kühne Piloten, aber keine alten, kühnen Piloten!“

Es mag sein, dass, wer viel arbeitet, viele Fehler begeht. Und es mag sein, dass derjenige, der weniger arbeitet, weniger Fehler macht. Und es trifft durchaus zu, dass befördert wird, wer keine Fehler macht. Aber da wären die Fehler im System der Organisation zu suchen! Grosse Organisationen lassen solche Dummheiten durchaus zu. In der Fliegerei gilt: Fehler können vorkommen. Fehler wiederholen ist verpönt!

HB-YMN, „Experimental“ Erstflug: 12. 6. 2007 erstmals geflogen (Foto Wettstein, Ausschnitt)

„Es waren nicht meine Grenzen“ hat der Pilot einmal ausgesagt, nachdem er mit seiner Long-Ez Südamerika umrundet hatte oder nach dem er von seinem Trip nach Südafrika zurück kehrte.

In der fliegerischen Ausbildung galt zu unserer Zeit der Grundsatz, dass man Fehler begehen darf, dass man diese nicht wiederholen dürfe. Solange unter Aufsicht geflogen wird, soll Fehler machen gestattet sein, um sich nicht selbst zu blockieren. Irgend wann muss man die Feinheiten des Flugzeuges spüren. Man muss fühlen, wie die Tragflächen in die Luft greifen. Und mittels der systematisch geübten Selbstkritik wird der Jungpilot daran gewöhnt, sich eigene Aufgaben zu stellen. Dann endlich, wenn er die „Wings“ bekommen hat, also brevetiert ist, hat er sein Handwerk erlernt. Ab diesem Zeitpunkt spätestens gilt „Nullfehler“-Toleranz – oder das Ziel: fehlerfreie Arbeit

Am Montag den 23. Juli 2007 gegen 11.30 Uhr hat es nur kurz nach dem Start ca 3 km südlich des Flughafens  Basel Mülhausen gekracht.

Das Kleinfugzeug vom Typ Express 2000 ER Kitplane hat ein max. Abfluggewicht von 1700 kg. Vom Bazl wurde für eine eine „over wight condition“ eine Gewichtserhöhung auf 2450 kg bewilligt. Doch am Start waren es schliesslich 2006 kg, weit mehr als nachträglich zugelassen! Das offenbar nicht flugfähige Flugzeug   stürzte schliesslich in ein Wohnhaus in der Roggenburgstrasse, drei Kilometer südlich des Flugplatzes. An Bord sass „HG“ Hans Georg Schmid, mehrfacher Weltumflieger, Ex Swissair Kapitän und zweifellos ein  erfahrener Long-Range-Piloten.

Um ein Kleinflugzeug mit höchster Abflugmasse (geschätzte Überlast von etwa einer Tonne; (1700 Liter Benzin sind eine Menge!) bei relativ hoher Temperatur erfolgreich zu starten, braucht beste Bedingungen. Am Tag des Geschens war es schwül-warm. „Faule“ und daher relativ wenig tragfähige Luft. Die Motorleistung ist wegen der Flugplatzhöhe und der relativ hohen Temperatur ebenfalls reduziert. Und die Startrichtung 16 führt in Basel gegen ansteigendes Gelände (Jura). Bei der leichten Föhnlage sind am nördlichen Jura deswegen nicht gerade Aufwinde zu erwarten!
Für das Flugzeug lag einn Sonderbewilligung vom vom BAZL vor.

HB-YMN ist für eine Abflugmasse von 1700 Kg zugelassen. Das warr aus dem Luftfahrtsregister des BAZL ersichtlich. Der Motor Lycoming IO-580 B1A soll eine Startleistung von gegen 315 PS entwickeln (Normalathmosphäre in Meereshöhe).

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Erstflug am 12. Juni dieses Jahres war und wenn man beachtet, dass die Sonderbewilligung erst vor kurzem erteilt wurde, deutet alles auf Zeitknappheit hin. Dass ein Experimentalflugzeug wie ein Prototyp zu behandeln ist, steht ausser Frage. Somit kann angenommen werden, dass die Systeme und das Flugverhalten mit verschiedenen Lasten etc. kaum ausgetestet war. Der Grundsatz : „Wenn es pressiert, ist es schon zu spät!“ gilt wohl nicht mehr. Und wenn der Entscheid gefällt wurde, als die Presse anwesend war und es wegen dem was später folgt, jetzt sein muss, wird der Druck auf den Piloten unermesslich gross. Waren es diesmal die eigenen Grenzen, die überschritten wurden?

Ein erfahrener Fluglehrer sagte mir mal nach einer „jugendlichen Eselei“: „Es gibt viele berühmte, und viele alte Piloten, aber es gibt wenig berühmte alte Piloten!“ Ich begriff. In der Tat ist es mir gelungen, der „Naturselektion“ zu entkommen. In der Fliegerei versteht man darunter jene Umstände, die einen Piloten „ins Gras beissen“ lassen.

HG Schmid oder einfach „HG“ englische Aussprache, wie wir ihn nannten, war schon seit seiner Jugend von einem enormen Fernweh begleitet. Und er wusste immer, was er tun wollte, oft auch gegen die allgemeine Meinung. Dass er unternehmungslustig und risikobereit war zeigte auch ein Vorkommnis aus früher Zeit. HG wurde, als er im Segelflugzeug HB-309, Moswey IIa im Föhn über dem Muotatal war, von den Winden überrascht und zwar derart, dass er auf der Ibergeregg „gelandet“ wurde. Glück im Unglück war im Spiel, selbst die nach der Demontage weggeblasene Tragfläche landete sanft im weichen Schnee…

Moswey II a HB 309, Baujahre: 1037-1939 bei Scherler in Biel. Foto: Attila (Moritz) Ziermann +
Moswey II a HB 309, Baujahre: 1937-1939 bei Scherler in Biel. Foto: Attila (Moritz) Ziermann +

Das Flugzeug gehörte lange Jahre der SG Solothurn. Es hatte ein speziell hohes Capot, damit der Steinbruchbesitzer, „Röbu“ Ankersmitt seinen Hut, den Südwester, auch im Flugzeug tragen konnte. Das Flugzeug kam anfangs der 60-iger Jahre nach Nidwalden. Albert Camenzind und ich waren die Eigentümer. Später wechselten die Besitzer mehrmals. Heute fliegt der „Mösu“ in den USA.

Den fliegerischen Weg von HG könnte man kurz so beschreiben: vom Segelflug via Swissair zur Rekordfliegerei.

Als Flieger hat man gewisse Vorstellungen über mögliche Ursachen. Es wird jedoch Aufgabe der Flugunfalluntersuchung sein, die Ursachen zu ermitteln.

Die Welt ist um einen berühmten Piloten weniger, er hätte gut und gerne älter werden können. Wie es sich unter Fliegern gebührt, werden wir, die „alte Garde“, zum Gedenken einen Gognac trinken und das Glas an der Wand zerschmettern… Sein Abgang hat damit zu tun, dass er dem Wahn unterlag, zur „Crew“ der berümtesten Piloten zu gehören

Adieu Hansjörg, flieg weiter!

Herbie

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