Kategorie-Archiv: 07 Arbeitswelt

Ausländische Arbeitskräfte, auf Kosten von anderen…


Bei guter Konjunktur werden die Fachkräfte knapp. Fähige Leute wandern auch auf andere Gebiete ab. Das ist auch im Gesundheitswesen zu beobachten. Man ist auf ausländische Fachkräfte angewiesen. Einige ganz schlaue Arbeitgeber gehen nun darauf über, ausländische Arbeitskräfte nur dann einzusetzen, wenn diese schon mindestens ein bis zwei Jahre in der Schweiz und in der Branche tätig waren. Das ist doch nichts anderes als schmarotzen auf Kosten anderer!

Warum soll nicht jeder Arbeitgeber seinen Beitrag dazu leisten, dass ausländische Arbeitskräfte unsere Gegebenheiten kennen lernen? In anderen Fällen wird doch sehr schnell von Solidarität geredet!


Kaffeepause


Mitarbeiter von Format übertreiben nie… auch nicht am Automat!

 

 

( – andere holen sich mehrmals pro Stunde einen Espresso – )

Spass bei Seite: „Viele, kleine Pausen erhöhten die Konzentration und Arbeitsleistung“ ein Plädoyer für Pausen


Dicke Luft im Betrieb?


Dann hilft eigentlich nur eines: Der Arbeitgeber verdient sie nicht, ziehen Sie aus! Bevor Sie aber übereilig einen Entschluss fassen, versuchen Sie zu kämpfen! Vielleicht können Sie wegen persönlichen Umständen nicht ohne weiteres den Arbeitgeber wechseln. Abhängigkeit macht die Sache nicht einfacher!

Wie merkt man die «Demotivatoren?

  • Man gibt Ihnen die Ziele höchstens schlecht formuliert oder gar nicht bekannt.
  • Die Einführung in die Abläufe und in die Aufgabe ist mangelhaft.
  • Informationen werden Ihnen vorenthalten.
  • Ratschläge sind unverbindlich oder gar ironisch.
  • Man lässt Sie «ins offene Messer laufen», indem Fehler nicht zur rechten Zeit. angesprochen werden. Der Misserfolg ist programmiert!
  • Man reitet auf dem Misserfolg herum, indem dieser besonders betont wird.
  • Kritik erfolgt unangemessen oder undifferenziert oder unbegründet.
  • Lob und Belohnung sind Fremdwörter.
  • Sie werden gegängelt. Es wird versucht die Leistung via Kritik zu steigern.
  • Es wird Angst vor Arbeitsplatzverlust erzeugt.
  • Sie bekommen Aufgaben, die eindeutig unter Ihrem Niveau sind. Das Interesse an Arbeitsabläufen wird negiert.

Wenn dem Chef auffällt oder wenn Mitarbeitende Sie darauf ansprechen, oder wenn Sie gar selber feststellen, dass Sie

  • schweigsamer geworden sind als früher
  • Sie sich an Besprechungen und Rapporten kaum mehr zu Wort melden
  • Sie die Anordnungen nur noch schemenhaft und ohne Interesse befolgen
  • Sie unkonzentriert und ungenauer arbeiten als früher
  • es Ihnen egal ist, ob etwas funktioniert oder nicht
  • Sie Arbeit einfach annehmen, auch wenn es zuviel ist
  • Sie das Gefühl haben, nicht zum Team zu gehören

dann ist Handeln angesagt. Was ist zu tun? Da bekanntlich jeder Fall anders ist, gibt es keine Patentrezepte. Aber es gibt allgemeine Hinweise.

Hat die vorgesetzte Person entsprechende Beobachtungen gemacht oder Hinweise bekommen, müsste sie im Interesse des Betriebes und wegen der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers handeln. Falls der Verdacht auf Mobbing besteht, ist subtiles Vorgehen angebracht.

Liegt das Problem auf Mitarbeiterstufe, dann suchen Sie zuerst, diplomatisch zwar, aber selbstbewusst und konsequent das Gespräch. Warten Sie nicht lange mit der Konfliktbewältigung! Wenn dies nicht fruchtet, ist ein Gang zur direkt vorgesetzten Person erforderlich. Im Extremfall wäre der Schritt in die nächste Hierarchiestufe angezeigt (beim Chef, des Chefs).

Sexuelle Belästigung muss sofort abgestellt werden!

Gibt es Ärger mit der vorgesetzten Person, ist das Vorgehen in etwa gleich. Bei Misserfolg muss aber die nächste Hierarchiestufe angegangen werden.

Ist Mobbing im Spiel, dann wird es anspruchsvoll. Erst gilt es, stufengerecht vorzugehen. Je nach Situation ist ein Gespräch mit einer Vertrauensperson angezeigt. Zuerst stellt sich die Frage: «Was ist Mobbing?«

Mobbing und Recht: Rechtlich ist Mobbing nicht geregelt. Aber Betroffene sind nicht recht- und wehrloslos.

Es lohnt sich zu kämpfen. Aber es gibt Grenzen. Und versuchen Sie, so lange wie möglich  ohne Rechtsanwalt auszukommen! Am Schluss stellen Sie fest, dass kein befriedigendes Resultat vorliegt, Sie aber hohe Rechnungen des Anwaltes begleichen müssen. Recht und recht haben seien «zwei Paar Schuhe», hat mir ein bekannter Anwalt gesagt. Das verfügbare Geld ist immer gleich viel, aber es wechselt den Besitzer (Anwalt).


Schwieriger Chef?


 

Sie sind am kürzeren Hebel, schlucken und leiden. Wenn die innere Balance lange und stark gestört ist, können sich psychosomatische Krankheiten einstellen. Gestörte Leistungsbereitschaft, Qualitätsdefizite, sehr viele Absenzen (Absentismus) und längere Krankheitsausfälle sind die Folge. Die Kostenstruktur wird belastet. Das ist einleuchtend, wird aber oft zu wenig bewusst, weil diese Kosten heute noch gar nicht oder zu rudimentär erfasst werden. Auch ist man sich über die Folgen wie Fluktuation, Frust, Innere Kündigung, die allerdings auch eine persönliche Gefahr darstellt, usw. kaum im Klaren.

Absenzen betreffend Unfall und Krankheit müssen erst einmal systematisch erfasst werden (Absenzenmanagement). Regelmässig wiederkehrende Kurzabwesenheiten sind durch die Vorgesetzten zu hinterfragen und, falls nicht plausible Erklärungen vorliegen, mittels direktem Gespräch zu eliminieren. Bei längeren Abwesenheiten kommt der Wiedereingliederung von Verunfallten und Kranken in den Arbeitsprozess eine grosse Bedeutung zu.

Aus den Mitarbeitergesprächen erkannte Defizite bei den Mitarbeitenden, wird meist ein Massnahmenkatalog erstellt und durch gezielte Schulung behoben.

Wenn aber die Vorgestzten Defizite aufweisen, wird oft lange kaum etwas unternommen. Es wundert nicht, dass Überlegungen angestellt werden, wie man als Mitarbeiter einen Vorgesetzten führen kann (und soll). Wir kennen alle die Killerphfrasen der Chefs. Wird mal eine gute Idee vorgetragen, muss sie gleich zerstört, «gebodigt», werden. Nicht immer ist jedoch der Chef als wichtigster Verbündeter der Verursacher von Frust und Unzufriedenheit. Mitarbeitende sollen sich korrekt in die Begebenheiten einordnen.

Ganz fies ist es allerdings, wenn Vorgesetzte mobben! Und in der eindeutigen Mehrheit sind es diese , die Mobbing betreiben! Die Haupttäter die den täglichen Stoss in den Abgrund betreiben sind nach einer Studie des seco von 2002:

Vorgesetzte 51,3%
Kollegen: 16,0%
Mitarbeiter : 13,0%
Andere: 6,7%
Mehrere: 13,0%

Es wäre also relativ klar, wo der Hebel angesetzt werden müsste! Mir ist keine Statistik bekannt, die aufzeigt, wie gering die Fluktuation beim Kader im Verhältnis zum «Fussvolk» ist. Aber man braucht kein Hellseher zu sein, um zu behaupten, dass die Kader wesentlich geringere prozentuale Zahlenwerte aufweisen würden.

Das Gesundheitswesen ist ein guter Nährboden für die Betreibung von Mobbing! Nirgends wird soviel gemobbt wie dort!

Mobbing im Gesundheitswesen, insbesondere im Pflegebereich ist keine Seltenheit. Eine Studie des kaufmännischen Verbandes Zürich und des Schweizerischen Beobachters ergab, dass Mobbing in Heimen und Spitälern der Schweiz öfter vorkommt als in der Privatwirtschaft.
Nachdem immer offensichtlicher wird, dass Pflegende an ihren Arbeitsplätzen derart schikaniert werden, dass sie nicht mehr fähig sind, ihre Arbeit zu erledigen, kündigen und krank werden, gewinnt das Thema an Brisanz.
Doch was ist es eigentlich genau – «Mobbing»? Gibt es nicht überall, wo Menschen zusammenarbeiten, Streit und Ärger?

Daraus folgt, dass es hier auch überdurchschnittlich viele Vorgesetzte geben muss, die mobben! Die geschätzten Kosten sind immens. Offenbar gelingt es nicht, die richtigen Vorgesetzten zu finden, oder sie so zu entwickeln, dass sie fähige Chef’s sind, die ohne Mobbing auskommen. «Die richtige Person am richtigen Platz» hat weiterhin seine Berechtigung. Es betrifft nicht nur die «Führung an der Front» sondern auch die oberen Führungsetagen bis hin zur Spitze der Pyramide. Und will man von seinen Mitarbeitenden eine Leistung, so brauchen diese einen Platz an der Sonne!


Führung an der Front


Es gibt Abteilungen / Stationen, die im Vergleich leistungsfähiger sind, die trotzdem eine gute Stimmung verbreiten und in denen sich Mitarbeitende wohl fühlen. Neue Mitarbeitende werden respektvoll behandelt, sorgsam eingeführt und es herrscht gegenseitiges Vertrauen, Respekt und gegenseitige Unterstützung. Kritik ist sachlich und konstruktiv. Hier kommt die Theorie Y von Douglas McGregor klar zum Ausdruck.

Wir kennen den umgekehrten Fall. Neue haben die innere Kündigung schon nach zwei Wochen verinnerlicht. Im Team herrscht «Zoff», Intrigen werden gespielt, geführt wird via Zuträgerei und Manipulation. Der Wechsel (Fluktuation) ist überdurchschnittlich. Kritik wird auf der Basis von «man hat gehört…» geübt und wenn jemand eine Konfrontation mit den aussagenden Personen verlangt, lässt man ihn ins Leere laufen. Hier wirkt der Teufelskreis von Theorie X von McGregor

Die Vorgesetzten hüten ihr Büro wie der Teufel eine arme Seele. Aber eigentlich tun sie so geschäftig, weil sie sich verstecken. Denn draussen ist Alltag und man sollte seinen Beitrag leisten, z. B. aktiv mitarbeiten (Abläufe überprüfen, den Mitarbeitenden ein Umfeld schaffen, damit sie ungestört im «Kerngeschäft» tätig sein können, Qualitätsstandards und deren Einhaltung überprüfen, die Befindlichkeit der Mitarbeitenden spüren, das Wohl der betreuten Bewohnenden fördern, periodisch Facts festhalten damit bei der Mitarbeiterbeurteilung sachlich fundierte Kritik möglich ist, usw. Im Büro ist’s halt doch schöner. Man ergötzt sich an neu gekreierten Powerpoint-Folien, beschäftigt sich mit dem lesen von Sitzungsprotokollen und bereitet die Mitarbeitergespräche /-beurteilung vor und tut so, als ob mehr subjekive Elemente schliessliche objektivere Aussagen ergäben – als ob eine Sau vom häufigeren Wiegen und Messen fetter würde….

Sie stehen als vorgesetzte Person an der Front. Sie repräsentieren ihre Abteilung und ihr Unternehmen. Die Kunden, die Mitarbeitenden und die Gesprächspartner messen Sie nicht an Ihren objektiven Produkten, an ihrem objektiven Angebot, sondern am Eindruck, den Sie hinterlassen.

Wenn formell zwar Führungskompetenz übertragen wurde, muss es noch lange nicht bedeuten, dass auch die umfassende Führungskompetenz vorhanden ist.

Die idealen Voraussetzungen:

Persönliche Kompetenz:

  • Integrität
  • Autonmie der Persönlichkeit
  • Frustrationstoleranz
  • Konstruktive Einstellung

Fach-Kompetenz:

  • Fundierte Fachkenntnisse
  • Fundierte Erfahrung

Führungskompetenz:

  • Fähigkeit zu planen
  • Fähigkeit zu organisieren
  • Fähigkeit zu entscheiden
  • Fähigkeit zu motivieren
  • Fähigkeit zu motivierend zu kontrollieren

Formale Kompetenzen, Übereinstimmung von:

  • Aufgabenbereich
  • Kompetenzbereich
  • Veranbtwortungsbereich
Daraus folgt: Es sind die einfachen Angelegenheiten, die zu beherrschen sind – so einfach ist das!
  • Wer von seinen Mitarbeitenden einen positiven Output (Beitrag) erwartet, muss vorher einen entsprechenden Input (Investition) leisten (seriöse Einführung). Wer mehr in seine Mitarbeitenden investiert, bekommt das Vielfache seines Einsatzes zurück. Die Einarbeit eines Mitarbeiters ist also nicht einfach ein Kostenpunkt, sondern eine wertvolle Investition. Es ist daher kaum zu rechtfertigen, dass man während der Einarbeitszeit einen tieferen Lohn bezahlt (Honorierung und P-Motivation).
  • Die Gesamtkompetenz von Vorgesetzten sollten periodisch durch eine neutrale Instanz beurteilt werden. Warum? Vorgesetzte sind Mitglied des Führungsteams. Beurteilung in eigener Sache schadet der Transparenz. Also, schaffe man Mehrwert durch klare Verhältnisse!
  • um die Ziele zu erreichen ist die fehlerfreie Erfüllung der Aufgabe primär. Das Fördern des Zusammenhaltes von Arbeitsgruppen ist mindestens ebenso wichtig. Aus dieser Sicht, wäre die massvolle Anwendung des «Blocher-Prinzips« oft angezeigt. Massvoll deshalb, weil die einseitige Priorisierung der Auftragserfüllung zu sehr nach Befehl und Gehorsam oder Zuckerbrot und Peitsche riecht.
  • Die berühmten drei «Z» in der Führung: Zeigen wie; Zusehen, Zusammenstauchen, haben längst ausgedient, genau so wie die drei «K»: Kommandieren, Kontrollieren, Korrigieren.
  • Der oder die beste Vorgesetzte ist jene Führungsperson, der es gelingt, die gesteckten Ziele mit best zufriedenen Mitarbeitenden zu erreichen. sonst gilt: «Als wir die Ziele aus den Augen verloren, verdoppelten wir die Anstrengungen»; Mark Twain

 


Ziel: fehlerfreie Arbeit

Zero – Defects (Z-D); Nullfehler Management

Wer viel arbeitet, macht viele Fehler. Wer wenig arbeitet macht wenig Fehler. Wer keine Fehler macht, wird befördert. Autor unbekannt

Man sehe sich, um sich zu vergewissern, die «Überständelager» seines Betriebes an. Und man überprüfe eine längere Zeit die Entsorgung des Ausschusses (Fehlleistungen) auf Art und Menge, oder man sehe sich die Estriche oder Keller von Spitälern an, wo meist die falsch eingekauften Produkte auf den Abtransport in den Osten warten…

Wären wir alle perfekt(er), es gäbe weniger Papierkörbe, weniger Reisswölfe, weniger Ausschuss und somit weniger unnötiger Verbrauch an wertvollen Rohstoffen und Arbeit.

Vom Anstand, eine Arbeit fehlerfrei zu erledigen

Wie viele Fehler oder wieviel Ausschuss ist bei der Erledigung einer Arbeit zulässig? Flugzeuge stürzen gelegentlich ab, das falsche Bein wird amputiert, oder tot nach ärztlichem Kunstfehler, Autos stossen zusammen, Schiffe sinken und verursachen grosse Umweltschäden, ein Staudamm bricht – was ist eigentlich zulässig und wie werden Risiken vermindert?

Zitate sinngemäss nach Joseph M. Wallner:

Fehlerfrei zu arbeiten ist (trotz der Erkenntnis, dass Irren menschlich ist) keine Hexerei, sondern Frage primitiven Anstandes.
In der Industrie hat sich die sonderbare Gepflogenheit eingebürgert, dass es «zulässig» ist und als durchaus normal gilt, einen bestimmten Anteil an Ausschuss zu erzeugen, das heisst also, einen Teil seiner Arbeit aus Faulheit, Unachtsamkeit, Gleichgültigkeit usw. falsch zu machen. Wenn die Ausschussquote in den letzten Jahren auch stark zurückgeschraubt wurde, so ist es immer noch unverständliche Tatsache, dass man einem Mitarbeiter (selbst einem Facharbeiter, der viele Jahre gelernt und mehrere Prüfungen abgelegt hat) trotz seines Berufsstolzes einen gewissen Prozentsatz fehlerhafte Arbeit, die entweder kostspielige Nacharbeit verursacht oder gar verschrottet werden muss, zubilligt.

Die Aussage gilt nicht nur für den Mitarbeiter in der Produktion eines Industriebetriebes sondern generell für die Erledigung der meisten Berufstätigkeiten, vom Hofarbeiter bis zum Generaldirektor.Beispiel Gesundheitswesen Schweiz: Dieses wird Jahr um Jahr teurer und zwar wesentlich über dem nationalen Wachstum. Und die Volksgesundheit wird deswegen im Vergleich kaum besser! Offenbar treibt ein kaum steuerbares Schiff so vor sich hin nach dem Motto : «Als wir die Ziele aus den Augen verloren, verdoppelten wir die Anstrengungen» (Marc Twain)

Was würden Sie sagen, wenn die Grosszügigkeit des «Sich Irrens» einem Piloten, einem Chirurgen, oder einem Buschauffeur zu einem festgelegten Prozentsatz zugesprochen würde? Wie gerne würden Sie in ein Flugzeug steigen oder sich einer Operation unterziehen, wenn Sie wüssten, dass etwas 10% der Flugzeuge abstürzen würden und zehn Prozent aller chirurgischen Eingriffe einen tödlichen Ausgang hätten? Oder wenn man Ärztliche Kunstfehler als von Gott gegeben zu betrachten hätte (Anm.odh)

Was wäre wenn:

  • Die Ehefrau etwa 10% des Haushaltsgeldes gedankenlos verpulvert oder verliert?

  • Der Zahnarzt etwa 10% seiner Arbeiten fehlerhaft ausübt, so dass der Zahn entweder unbrauchbar würde oder dauernd schmerzen würde, gar nicht daran zu denken, dass der Zahnarzt das fadenscheinige Recht hätte, in einem bestimmten Umfang die falschen Zähne zu ziehen.

Von den Mitarbeitenden im Hausdienst bis zum Chef de Cuisine, vom Service im Restaurant bis zum Piloten verlangen wir eine Leistung, die von vorneherein fehlerfrei und perfekt ist.

Hinter keinem dieser Berufe steht eine kostspielige Fertigungsprüfung, die laufend überwachen muss, dass die Fehlerquelle den zugestandene Prozentsatz nicht überschreitet.

Wo immer im Leben man Waren oder Leistungen erwirbt, verlangt man eine einwandfreie Qualität und eine absolute Leistung.

Es ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, dass der Mensch gelegentlich Irrtümern unterworfen ist; aus diesem Grunde missglückt dann ab und wann eine Operation, stürzt gelegentlich ein Flugzeug ab und manchmal im Leben irrt sich ein Oberkellner zu seinen Ungunsten. Alle an solchen Missgeschicken beteiligten Menschen haben sich jedoch von vorneherein bis zum äussersten bemüht, keine Fehler zu machen. Wenn trotzdem etwas daneben ging, so war es das Unvermeidliche, das in den Rahmen dessen fällt,, wonach der Mensch irrt, solange er strebt. Während sich einst Könige aus Verzweiflung über ihre eigene Unvollkommenheit in ihr eigenes Schwert stürzten und während Unternehmer infolge eines einzigen Fehlers oft an den Rand des Bankrotts geraten, stellt sich ein Angestellter in der Industrie mit offensichtlich stolzem Bewusstsein an seinen Arbeitsplatz, nimmt es hin, dass hinter ihm ein Fertigungsprüfer steht, der die Qualität seiner Arbeit zu prüfen und zu sortieren hat und gestattet ihm nicht einmal ein Wort der Kritik, solange der Schund, den er herstellt, einen gewissen Prozentsatz nicht überschreitet. Diese Zustände sind in verschiedenen Ländern und innerhalb der Länder in den einzelnen Unternehmungen mehr oder weniger krass, aber man ist ihnen überall begegnet, in den USA, in Europa und in Lateinamerika.

Man weiss, dass, zum Beispiel Schimpansen nicht viele Jahre, sondern oft nur wenige Wochen brauchen, um ein gewisses Kunststück zu erlernen und dass sie es dann zeitlebens nicht mehr vergessen und fast immer fehlerfrei
ausführen.

  • Warum begehen Menschen Fehler?

  • Warum muss man in der Industrie eine gewisse Ausschussquote in Kauf nehmen?

  • Warum braucht man eine kostspielige Fertigungsprüfung, wenn ein Facharbeiter, der Ausschuss produziert, genau weiss, dass ein gewisser Teil seiner Produktion unbrauchbar ist und sie trotzdem unter die brauchbaren Teile mischt?

  • Warum werden Fehler überhaupt gemacht?

Die Gründer des Z-D-Programms haben drei hauptsächliche Gründe genannt, warum Fehler überhaupt entstehen:

  1. Ungenügende Ausbildung oder mangelnde Fachkenntnisse für die auszuführende Arbeit

  2. Ungeeignete Betriebsmittel(Maschinen, Werkzeuge) oder Methoden

  3. Mangelnde Aufmerksamkeit, Interesselosigkeit

Auf die ersten beiden Punkte hat der Mitarbeiter wenig Einfluss, es ist Sache des Unternehmers, den richtigen Mitarbeiter auszuwählen (Personalselektion), ihn richtig auszubilden (Unterweisung) und ihm die notwendigen Einrichtungen und Arbeitsunterlagen zur Verfügung zu stellen.. Der Unternehmer kann Punkt drei ebenfalls dadurch beeinflussen, dass er die Qualität, die der Mitarbeiter erzeugt, massgebend bewertet, so dass sie in seinem Einkommen zum Ausdruck kommt (Leistungsprämien).
«Zero-Defects» ist lediglich ein Schlachtruf; es befasst sich nicht mit pekuniärer Vergütung. Der ZF-Gedanke rüttelt an dem Gewissen jedes Mitarbeiters und nimmt ihn beim Wort, was seinen Berufsstolz und seine berufliche Ehre anbelangt.
Auf der Tatsache, dass sich nirgendwo im Kosmos ein Lebewesen ein Recht nehmen kann, einen festgelegten Prozentsatz an unbrauchbarer Arbeit abzuliefern, beruht die Theorie des «Zero-Defects»- Programms, das sich in zahlreichen amerikanischen Industrien erfolgreich durchgesetzt hat.

Zero-Defects – Ein Schlachtruf alleine genügt nicht!

  • Die Qualität eines Erzeugnisses oder einer Dienstleistung ist stets wichtiger als je zuvor .

  • Die Kosten dieser Qualität muss so tief wie möglich sein. Ausschuss und Fehlleistungen haben keinen Platz.

  • Nur gut motivierte Mitarbeitende sind auf die Dauer leistungsbereit und qualitätsbewusst und daher bereit, die entsprechende Verantwortung am Produkt oder an der Dienstleistung zu tragen.

  • Auch Unterlieferanten müssen dem Z-D-Gedanken folgen. Man muss ihnen einfach klar machen, dass man nicht bereit ist, Geld für das Aussortieren unguter Ware zu bezahlen.

  • Motivieren ja, Gängeln (Demotivieren) nein! Nur echt motivierte Mitarbeitende sind bereit, am Karren in die gleiche Richtung zu ziehen! Fühlen sie sich manipuliert, spielen sie nicht mehr mit.

«(…) Obwohl uns die Kunstgriffe des Manipulierens immer geläufiger werden, gibt es keinen anderen, erkennbaren, geschweige denn wünschenswerten Weg zu vernünftigen menschlichen Beziehungen als den der Aufrichtigkeit, Ehrenhaftigkeit und der gegenseitigen Achtung…)» (Philip R. Kelly, American Cyanid Company)

  • Trotz «Z-D»: Fehler müssen toleriert werden, weil Irren eben menschlich ist. Wird aus Fehlern gelernt, kommt man weiter.

  • Verpönt ist es jedoch, die gleichen Fehler zu wiederholen.

  • Es versteht sich von selbst, dass auch «geistige Arbeit» dem Z-D-Konzept unterworfen sind. Da wo es noch nicht geschehen ist, werden sich auch Bürokräfte daran gewöhnen müssen, dass der Schreibtisch ein Arbeitsplatz ist – auch wenn es sich bald um einen virtuellen Arbeitsplatz handelt.

Der Mensch als Mittel. Punkt!


Wer die Credos, Betriebsideologien (-«philosophien»), Leitbilder, Unternehmensgrundsätze ….liest, findet diese Behauptung so nie. Dort steht es anders geschrieben. Z. B.:

  • «Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt»

Am Beispiel von «BEGO» lesen wir u.a.:

  • Wir handeln nach dem Prinzip: Was für das Unternehmen gut ist, ist auf Dauer auch für jeden einzelnen Mitarbeiter gut.
  • Wir achten die Würde jedes Mitarbeiters und Partners. Klarheit und Wahrheit, Toleranz und Fairneß in der Zusammenarbeit sind unsere Basis für Erfolg, Harmonie und Freude an der Arbeit.
  • Wir fördern die persönliche Entwicklung, Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und das Verantwortungsbewußtsein unserer Mitarbeiter und bauen dabei auf ihren Stärken auf: Wer fordert, der fördert.

Leitsätze werden von Zeit zu Zeit neu definiert…!

Wie sind solche Standpunkte aus der Sicht von gemobbten Mitarbeitenden zu sehen?

Wie empfinden es Entlassene, die wegen Reorganisation, aus (oft vom betroffenen Unternehmen selbst verschuldeten) wirtschaftlichen Gründen, oder aus einer «Organisationsentwicklung» (die man von aussen ins Unternehmen bringt, um die «schmutzige Arbeit» zu erledigen), abgebaut oder einfach auf die Strasse gestellt werden?

Wenn es sich um ein Mitglied des Kaders handelt, stellt man eine Begleitung durch einen Psychologen in Ausssicht, der nach der Bekanntgabe des «Todesurteils» bereits vor der Türe wartet und gar im gleichen Unternehmen angestellt ist (Kostenminimierung)!

Oder der Betrieb bietet ein kostspieliges Outplacement an. Dass dabei nicht der Mitarbeitend im Mittelpunkt steht, sondern dass es um die «Gewissensberuhigung» des Arbeitgebers geht, kann man im Firmenprospekt nachlesen. Dies wird besonders dann deutlich, wenn es sich um eine mitarbeitende Person handelt, die um die 60 Lenze zählt und wo die Statistik der Beraterfirma bezüglich Altersgruppe/ Berufsgruppe eine Erfolgsquote von gegen Null ausweist!

Nutzen für den Arbeitgeber: Anerkennung bei der verbleibenden Belegschaft für das soziale Engagement der/den Entlassenen gegenüber, Vermeidung von Imageschäden, Wahrnehmung der Kommunikation gegenüber Belegschaft, Kunden, Medien, Lieferanten und der betroffenen Branche, Erarbeitung eines Sozialplanes sowie die interne und externe Unterstützung der freigestellten Menschen. XY hilft dem Arbeitgeber, Personalprobleme bei Organisationsveränderung verantwortungsbewusst zu lösen und der freigestellten Person , sich neu auszurichten. XY gibt dem Arbeitgeber die Gewissheit und das Gefühl, der oder den entlassenen Personen eine faire Chance gegeben zu haben…
Nutzen für den Arbeitnehmer: XY hilft dem Arbeitnehmer, den Trennungsschock rascher zu überwinden. Durch die Karrierebilanz und die persönliche, berufliche Zielsetzung wird eine positive und vielleicht längst nötige Veränderung ausgelöst. Die erarbeiteten professionellen Bewerbungsunterlagen und die erlernte Kommunikationstechnik können über eine Stellensuche hinaus nutzbringend verwendet werden.

Jedes Unternehmen kann in die Lage kommen, sich von Mitarbeitenden trennen zu müssen. Die Frage ist, wie man so etwas tut oder es menschlich und sozialverträglich tut.

Die Methode mit der Brechstange: Die Konzernleitung oder der Verwaltungsrat, allenfalls ein Regierungsrat bestellt einen berühmten «Betriebssanierer». Dieser weiss, dass jeder Betrieb mit der Zeit etwas «Speck»ansetzt. Das heisst, dass man sich einen etwas zu grossen Personalkörper leistet, oft wird von einem überproportionalen «Wasserkopf» gesprochen. Nach ein paar Jahren, besonders in guten wirtschaftlichen Zeiten, kann man ohne grosse Anstrengung und ohne die Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu schädigen, etwa 10% der Belegschaft abbauen. Das könnte das Unternehmen selber bewältigen. Aber der Sanierer wird es tun. Er ruft das Kader zusammen, informiert, dass die Firma ohne Personalabbau nicht weiter existieren könne. Der «Wasserkopf» müsse abgebaut werden. Er meint z.B., dass der nichtproduzierende Teil der Belegschaft zu reduzieren sei. In der Folge werden einige Kriterien festgelegt. Danach wird das obere Kader an die Arbeit geschickt. Es wird innert Kürze erwartet, dass eine Personalliste «IST/SOLL» vorgelegt wird. Das obere Kader wird vom unteren Kader die Namen der Personen, die zu entlassen sind innert Kürze, quasi mit dem Termin «sofort» verlangen. Abbau z.B. 15%. Danach wird die Personalabteilung die blauen Briefe (Kündigungs­schreiben) schreiben. Das Kader wird erneut aufgeboten, um die wichtige Korrespondenz in Empfang zu nehmen um diese danach sofort den Betroffenen auszuhändigen. Diese haben nichts dazu zu sagen. Sie werden lediglich informiert und vor nackte Tatsachen gestellt. Bildlich gesprochen.: während die Organisationspyramide die Spitze oben hat, steht die Informationspyramide auf dem Kopf. Deswegen entsteht dort der Eindruck vom Management by Helikopter – Jemand Fremder kommt schnell und mit viel Lärm angeflogen, wirbelt viel Staub auf und verschwindet wieder.

In einer zweiten Runde wird der Betriebssanierer auch die obere Ebene ausdünnen. Dann werden die strategischen Ziele angegangen, allenfalls auch mit neuen Leuten. Ist dieser Prozess abgeschlossen, kann der Sanierer wieder gehen, die Rechnung schreiben, «zurücklehnen» und sich auf einen neuen Auftrag konzentrieren. Seine Effizienz wird sich unter den Firmen schnell herumsprechen.

Die sozialverträgliche Methode: Am verträglichsten ist jener Weg der gar nicht beschritten werden muss. Das würde bedeuten, dass der Betrieb seine Hausaufgaben laufend ausübt. Dazu gehört auch (Fürsorgepflicht des Arbeitgebers) dafür zu sorgen, dass «Marktfähigkeit» der Mitarbeitenden jederzeit erfüllt ist.

Aber da schon viele Geschäftsleitungen sich anhören mussten, dass die Fehlentwicklung auf Ihrem Mist gewachsen ist, wird es nicht zu vermeiden sein, dass von Zeit zu Zeit neue Besen zum besseren Kehren eingesetzt werden müssen. Es gibt viele Möglichkeiten, den anspruchsvollen Weg verräglich zu gestalten:

  • Ausnützung der natürlichen Fluktuation
  • Man legt Kriterien fest:
    • Junge Mitarbeitende, mit intakten Chancen auf dem Arbeitsmarkt
    • Doppelverdiener vor Alleinverdiendende
    • Ledige vor Verheirateten und Alleinerziehenden
    • «Freiwillige» die im Rahmen der Karrierenetwicklung ihren nächsten Schritt vorziehen
    • Frühpensionierung
    • Verlängerung der Kündigungsfrist
    • Klärung von finanziellen Härtefällen
    • Klärung der Marktfähigkeit der möglich betroffenen Mitarbeitenden
  • Erarbeitung eines Sozialplanes unter Einbezug der Vertragspartner

Die «Brechstange» ist wahrscheinlich sehr effizient, geht man vom ökonomischen Prinzip aus. Sie schafft aber viel Unsicherheit und auch Leid.

Die sozialverträgliche Methode ist anspruchsvoller und dauert länger. Vermutlich ist jedoch die Akzeptanz grösser. Für die kurzfristige Steigerung des Aktienkurses an der Börse ist sie wahrscheinlich weniger geeignet, weil es zu wenig schnell geht.

Die Betriebssanierer sind so effizient und erfolgreich, dass sie selbst vor der Hölle keine Angst haben müssen. Die bereits verstorbenen Kollegen hätten dort ganze Arbeit geleistet: Es sei so gut und umfassend rationalisiert, dass man keine weiteren Sanierer mehr brauche!

 


Über die einfachen Arbeiten


Sogenannt niedrig qualifizierte Arbeit wird laufend in Billiglohnländer (Offshoring) ausgelagert. Im Kampf um Marktanteile hat jener Produzent die Nase vorn, der bei vergleichbarer Qualität und Leistung, den günstigeren Preis anbieten kann. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle.

Die Transporte sind billig, weil «subventioniert». Aktiengesellschaften haften nur mit dem Aktienkapital, nicht für den möglichen Schaden, den sie anrichten können!

Die Energie ist billig, weil «subventioniert». Umweltkatastrophen wie jene der Exxon Valdez tragen die Bürger der betroffenen Gebiete, kaum angemessen jedoch die Transportfirmen oder die Energielieferanten. Ein AKW muss eine Haftung von 1 Mia Fr. tragen! Ein GAU würde vielleicht einige 100 Mia Fr. kosten, die wiederum die Gesellschaft zu tragen hat!

Die grossen Geschäftsrisiken tragen die Geschädigten. Pleiten von Grosskonzernen oder Finanzinstituten werden auf die Kunden, den Staat und somit den Steuerzahler abgewälzt.

AKW’s werfen vergleichsweise billigen Strom auf den Markt. Der anfallende hoch radioaktiver Atommüll muss für einige hunderttausend Jahre gehütet werden. Die Kosten dafür wird auf die Gesellschaft abgewälzt. Dadurch wird erneuerbare Energie (Wind-, Solarenergie) benachteiligt.

Was rentiert wird kapitalisiert, alles andere sozialisiert.

Henry Ford I setzte die «wissenschaftlichen Betriebsführung» nach Frederic Winslow Taylor hinsichtlich der Arbeitsteilung in die Praxis um. Seine systematische Personalpolitik, war sehr im sozialmechanistischen Denken verhaftet. Sie hat sich teilweise bis heute erhalten; wenn weniger bei uns, bzw. in den hoch entwickelten Industriestaaten, so doch in «Billig-Lohn-Ländern.

Taylor war vom homo oeconomicus, einem rein rationalen Wesen, welches aus mehreren unveränderlichen Eigenschaften besteht, geprägt. Ziel dieses Menschen sei, mit möglichst geringer Anstrengung möglichst viel Geld zu verdienen. Lediglich die Angst vor dem Hunger und die Habgier vermöchten ihn zum Handeln zu bringen.

Einige bemerkenswerten Aussagen aus Ford’s Personalpolitik:

Einstellung und Einführung von Personal: Unser gesamtes Personal wird sowohl für die Fabrik, wie für die Büros durch verschiedene Angestelltenabteilungen verpflichtet. Wie bereits erwähnt, engagieren wir niemals einen Sachverständigen. Ebenso muss jeder auf der untersten Arbeitsstufe anfangen – bisherige Erfahrungen gelten bei uns nichts.

Gestaltung der Arbeitsplätze: Für die meisten Menschen ist das Denken-Müssen eine Strafe. Ihnen schwebt als Ideal eine Arbeit vor, die keinerlei Ansprüche an den Schöpferinstinkt stellt.
Wenn ein Mann ausserstande ist, seinen Lebensunterhalt ohne Hilfe einer Maschine zu verdienen, ist es dann recht, ihm die Maschine zu entziehen, nur weil die Bedienung eintönig ist? Sollen wir ihn lieber verhungern lassen?

Anlernung und Ausbildung: Zum Lernen der verschiedenen Beschäftigungsarten sind folgende Zeiten erforderlich: 43% sämtlicher Arbeiten erfordern nicht über einen Tag Lehrzeit, 36% einen bis acht Tage, 6% ein bis zwei Wochen, 14% einen Monat bis zu einem Jahr, 1% ein bis sechs Jahre.

Informationswesen: Die eine Abteilung braucht durchaus nicht zu wissen, was in der anderen vorgeht. Sache der leitenden Persönlichkeiten, die den ganzen Arbeitsplan entwerfen, ist es, darauf zu achten, dass sämtliche Abteilungen folgerichtig auf ein gemeinsames Ziel hin arbeiten. Versammlungen zur Herbeiführung eines guten Einvernehmens zwischen den einzelnen Persönlichkeiten oder Abteilungen sind gänzlich überflüssig.

Behandlung und Führung der Mitarbeiter: Unsere Organisation ist so bis ins einzelne durchgeführt und die einzelnen Abteilungen greifen so ineinander, dass es völlig ausgeschlossen ist, den Leuten auch nur vorübergehend ihren Willen zu lassen. Ohne die strengste Disziplin würde völliges Chaos herrschen…. Die Leute sind da, um gegen einen möglichst hohen Lohn, eine möglichst grosse Menge Arbeit zu schaffen.
Wem unsere Arbeit nicht zusagt, muss gehen.
Persönliche Fühlungsnahme gibt es bei uns kaum: Die Leute verrichten ihre Arbeit und gehen wieder nach Hause – eine Fabrik ist schliesslich kein Salon.

Entlohnung: Die Lohnfrage schafft 9/10 der psychischen Fragen aus der Welt, und die Konstruktionstechnik löst die übrigen.
Fühlt der Arbeiter dagegen, dass sein Tageswerk ihm nicht nur die Lebensnotdurft, sondern darüber hinaus noch die Möglichkeit gewährt, seine Kinder etwas lernen zu lassen und seiner Frau Vergnügen zu schaffen, dann ist ihm die Arbeit ein guter Freund, und er wird sein Bestes hergeben.

Aufstiegsregelung: kaum mehr als 5% all derer, die um Lohn arbeiten, sind gleichzeitig bereit, die mit Lohnerhöhung verbundene erhöhte Verantwortlichkeit und Arbeitsmenge auf sich zu nehmen.
Die bei weitem überwiegende Maiorität jedoch will dort bleiben , wo sie hingestellt ist: sie will geführt werden. Sie will, dass man in jeder Beziehung für sie handelt und ihr die Verantwortung abnimmt. Daher besteht die Hauptschwierigkeit trotz des grossen Angebotes nicht darin, die Beförderungsberechtigten, sondern die Beförderungswilligen herauszufinden.
Ich glaube, in dem grossen Siebungsprozess unserer Fabrik landet jeder zum Schluss dort, wo er hingehört.

Diskussion:

  • Der homo oeconomicus gehört der Vergangenheit an. So sollte man meinen. Bestimmt ist er noch nicht ausgerottet. Würde man Arbeitsgestaltung und Produktionsmethoden weltweit vergleichen, dann würde man dem homo eoconomicus mehr als vermutet begegnen. Es si an die aktuelle Diskussion über die PC-Produktionen in Fern-Ost erinnert(Fastenopfer): Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen.
  • Heute stellt man den Menschen in den Mittelpunkt – Oft meint man jedoch den Menschen als Mittel, Punkt. Das kommt besonders bei einer Entlassung zum Ausdruck.
  • Ohne Sachverständige kommt man heute nicht mehr aus. Immerhin erwartet man, liest man die Stellenoinserate aufmerksam durch, umfassende Fachkenntnisse sowie grosse Selbständigkeit. Loyalität wird zwar kaum erwähänt, aber Illoyalität gegenüber dem Arbeitgeber ausserhalb des Arbeitsplatzes (Verrat von Geschäftsgeheimnissen, Arbeit in der Freizeit für ein Konkurrenzunternehmen) wäre gar ein Grund zu einer fristlosen Entlassung. Wehe aber dem, der eine selbständige Entscheidung trifft! Loyalität und Selbständigkeit können sich ausschliessen!
  • Aufgabe, Verantwortung und Kompetenzen sind sehr oft nicht genügend aufeinander abgestimmt. Dass jemand eine riesige Arbeit zu bewältigen hat, und dabei bei praktisch Null Kompetenz am Schluss noch die gesamte Verantwortung tragen darf, ist keine Selltenheit.
  • Die Erfahrung neuer Mitarbeitender ist wichtig, wird aber oft zu wenig genutzt.
  • Betriebe sind auch heute noch keine Salons. Aber an der Zitrone wird wacker gedrückt. Der Druck wird allmählich unerträglich. Ob es den gut verdienenden Topmanagern auch so ergeht?
  • Die Maschine soll dem Menschen angepasst werden, was aber oft nicht getan wird! Man automatisiert, wo es sich rechnet, sonst findet man in Fernost Menschen die anstelle von Maschinen eingestzt werden…
  • Innerbetriebliche Information hat einen hohen Stellenwert. Es wird allerdings auch übertrieben. Es ist nicht wichtig, dass viel, sondern dass viel richtige Information fliesst.
  • Es wird viel für die Entwicklung der Kadermitarbeitenden sowie von Spezialisten getan. Ob man genügend für die basis tut?
  • Auch in hoch entwickelten Ländern gibt es Menschen, die für die Ausführung einfacher Arbeiten geeignet sind und bereit wären, dies zu tun oder dies gar wünschen, weil sie darauf angewiesen sind. Was wird aus ihnen, wenn die Produktion ausgelagert wird?

«(…) Jüngst wurde zum Beispiel durch einen Bericht in der britischen Zeitung Daily Mirror auf die Situation bei der Herstellung der Apple iPods aufmerksam gemacht. iPods werden von dem taiwanesischen Kontraktfertiger Foxconn in Shenzhen/ China produziert. Die Bezahlung der überwiegend weiblichen jungen Fabrikarbeiterinnen liegt illegal unterhalb des – eh schon nicht für die Sicherung des Lebensunterhalts reichenden – Mindestlohns, extreme Überstunden und 7-Tage-Wochen sowie die Nicht-Einhaltung von Arbeits- und Gesundheitsschutz sind dort die Regel. Foxconn ist jedoch kein Einzelfall: Vielerorts findet High-Tech-Produktion unter Sweatshop-Bedingungen statt. Dies ist die zweite Seite der Medaille, wenn über Exportsteigerung und technologische Spill-Over-Effects in Entwicklungs- und Schwellenländern debattiert wird. Denn ohne Zweifel sind es nicht mehr nur die entqualifizierten arbeitsintensiven Produktionsschritte, die nach Asien verlagert werden. Der deutsche Kontraktfertiger Infineon fertigt zum Beispiel neu eingeführte Halbleiterchips zunächst an seinem Forschungsstandort in Dresden. Die Massenfertigung findet dann aufgrund des Copyright-Schutzes in den USA statt und wird nach ca. zwei Jahren nach China verlegt. Die Verlagerungsstrategien werden von der Suche nach geringen Produktionskosten angetrieben. Denn in der Computerbranche sind derzeit die Gewinnmargen in der Produktion relativ gering und der Wettbewerb ist enorm – weshalb die beständige Suche nach neuen Niedrig-Lohnstandorten zur vorherrschenden Unternehmensstrategie im Produktions- und Montagebereich wird. Unterschiedliche Regionen werden weltweit zueinander in Konkurrenz gesetzt. Längst wird nicht mehr nur der Leiharbeiter in Deutschland mit seinen Kollegen in Singapur oder Malaysia verglichen, sondern der Standortwettbewerb hat den „globalen Süden“ erreicht. 2001 fanden in Zuge der Krise der New Economy starke Verlagerungsbewegungen von Osteuropa und Mexiko nach China statt. Heute gehen die ganz Mutigen bereits nach Vietnam. Mittels der permanenten Androhung zur Verlagerung drücken Unternehmen nicht nur Umwelt- und Arbeitsstandards, sondern eine realisierte Verlagerung kann auch in einer Region heftige Strukturkrisen auslösen…)»
(10.08.06: Sarah Bohrmann; Die Autorin Sarah Bormann ist Diplom-Politologin und Projektreferentin bei WEED e.V.

  • Die Auslagerung von einfachen Arbeiten in Billiglohnländer führt dazu, dass dort Arbeitskräfte ausgebeutet werden. Sie bekommen für Ihre Arbeit kaum existentsichernde Löhne. Hilfwerke werden sich den mittellosen Menschen annehmen müssen. Sie sammeln in «hoch entwickelten» Ländern Geld für die Unterstützung. Und die wirtschaftlich starken Nationen werden von Zeit zu Zeit Schulden erlassen. Indirekt subventionieren man dadurch die Ausbeutung.
  • Müssten dort mindestens existenzsichernde Löhne bezahlt werden die auch den Zugang zur Gesundheitsversorgung sowie die Absicherung für das Alter beinhalten würden, könnten viele Arbeiten nicht mehr ausgelagert werden, sehr zur Freude heimischen Gewerbes.


Arbeitsgestaltung


Arbeitnehmende stellen dem Arbeitgeber während längerer Zeit ihre volle Kraft zur Verfügung. Je nach Beruf und Tätigkeit kommen ca. 4 1/2 Jahrzente zusammen. Arbeitgeber sind in der Pflicht, würdige Arbeitsbedingungen zu schaffen und die Arbeit sinnvoll zu gestalten.

Man stelle sich vor, jemand müsste sich damit abfinden, immer die gleiche Maschine zu bedienen oder die gleichen Arbeitsgänge zu wiederholen. Er würde zu einem lebendigen Roboter, beraubt von seinen Kenntnissen und Fähigkeiten, beraubt von der Möglichkeit sich zu entfalten, beraubt von seinem Selbstvertrauen, seiner Selbstachtung, seiner inneren Zufriedenheit und seiner inneren Freiheit.

Das Fliessband, die Karrikatur des Taylorismus

Es gibt genügend Beispiele von negativen Ergebnissen langzeitig monotoner Arbeit. Da war jener ruhige, fleissige, ungelernte Mitarbeiter, der ca. 30 Jahre lang im gleichen Raum, die gleiche Maschine «fütterte». Seine Aufgabe bestand darin, das Rohmaterial zuzuführen, den Ausstoss in Kisten zum Abtransport bereit zustellen, kleine Störungen zu beheben, bei grösseren Störungen den Reparateur zu rufen, die Maschine regelmässig zu schmieren und sauber zu halten sowie den Arbeitsplatz sauber zu halten. Man verlangte von ihm Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit und Loyalität.
Als die Produktion einer neuen weichen musste, bekam der Mann ernsthafte Zustände. Er konnte nicht mehr schlafen, wurde von Zukunftsängsten begleitet und hatte gar suizidale Gedanken. Er fürchtete sich vor etwas Neuem, weil er es sich nicht vorstellen konnte, dass er noch etwas neues zu lernen in der Lage war. Als man ihm eine andere Arbeit in einer anderen Halle des gleichen Betriebes anbot, weigerte er sich, diese anzunehmen. Er erklärte, dass es ihm egal wäre, was er tun müsste, aber von seinem derzeitigen Arbeitsort (Gebäude) würde er sich nicht entfernen… Seinen Vorgesetzten ist es gelungen, ihn vorübergehend im alten Raum zu beschäftigen. So hatte er Gelegenheit, sich langsam an die Veränderung zu gewöhnen. Schliesslich fuhren Baumaschinen auf, um das Gebäude abzureissen. Inzwischen war der geplagte Mann doch bereit zu wechseln. Er schaffte es schliesslich, eine vorerst einfache Ersatztätigkeit zu übernehmen. Sein Vorgesetzter wollte die gleiche Erfahrung nicht ein zweites Mal erleben. Er erweiterte das Aufgabengebiet sukzessive. Statt einer eintönigen, einfachen Tätigkeit ergab sich eine vielseitige, die statt einer einzigen, mehrere Operationen umfasste und die auch eine Kontrollfunktion beinhaltete. Neben der Aufgabenerweiterung trug er nun auch eine Verantwortung bezüglich Quantität und Qualität. Am Ende des Prozesses konnte der Mitarbeiter in eine höhere Lohnstufe eingereiht werden. Selber hat er später die Veränderung positiv beurteilt. Es ist ihm auch bewusst geworden, dass er lange Jahre «verloren» hatte. Er blieb seinem Arbeitgeber jedoch treu und erlebte die Pensionierung in guter Verfassung!

Montone Arbeiten findet man nicht nur in der industriellen Fertigung. Im Back-Office, in der Administration, in der Verwaltung, in der Grossküche, in der Grossbäckerei usw. findet man den tayloristischen Geist immer wieder.

Wenn niedrig qualifizierte Arbeit in Billiglohnländer transferiert werden, verschiebt man menschenunwürdige Arbeit und die daraus resultierenden Probleme. Diese Arroganz gegenüber anderen Menschen aus anderen Kulturen wäre weit geringer, wäre das ökonomische Prinzip zwingend mit einer humanen und einer ökologischen Komponente verbunden. Im Endeffekt würde es sich lohnen Arbeiten im eigenen Land zu behalten. Weniger Transsporte mit geringerem Verbrauch von natürlichen Resssourcen wäre eine Folge.

Was lernen wir?
Die Rationalisierung der menschlichen Arbeit zieht vielfach eine Verarmung des Arbeitsinhaltes nach sich. Die Nachteile sind hinreichend bekannt. Mit einfachenMassnahmen kann eine wesentliche Verbesserung erreicht werden.

  • Mehr individuelle Freiheit (jedoch nicht so, dass man sich verloren vorkommt). Jeder ist für sein Tätigkeitsgebiet sein eigener «Chairman». Man wird nicht dauernd kontrolliert, Anweisungen erfolgen nur ausnahmsweise
  • Abwechslung bei der Arbeit; Vermeidung von Monotonie und Ermüdung
  • Möglichkeit, bei der Arbeit zu lernen; eigene Ziele zu setzen, Kontrolle der Zielerreichung, daraus Verbesserung künftigen Verhaltens
  • Hand-in-Hand-Arbeit; Gegenseitige Unterstützung im Team, Respekt vor einander
  • Sinnvolle Tätigkeit; Erkennen des Beitrages an Betrieb und an die Gesellschaft (Konsum). Die Arbeit ist so, dass sie von einem Roboter nicht erledigt werden könnte.
  • Entwicklungsmöglichkeit (Platz an der Sonne); persönliche Weiterentwicklung ist möglich, Die Existenz sichernde, materielle Sicherheit ist gegeben, die Arbeit führt auf die Dauer nicht auf ein Abstellgeleise.