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Landjäger

Es gibt zwei Bedeutungen: a) Der Dorfpolizist; b) eine rechteckige Trockenwurst.

Landjäger der Dorfpolizist. Ältere Leute verwenden diesen Ausdruck noch für Polizisten oder noch eher, Dorfpolizisten. In früherer Zeit, an die ich mich noch erinnere, führten die Polizisten so genannte «Landjäginen» durch, wobei sie fremde Bettler verjagten.

Älplerchilbi, Butzi, Bräntli

Im Kanton Nidwalden hatte jede Gemeinde ihren Dorfpolizisten. Als Hüter der Gesetze entwickelten sich einzelne „Früchchten“ zu eigentlichen Landvögten. So war „Sigi“ im damals kleinkarierten Beckenried eine sehr zweifelhafte Person, die ein eigenartiges Rechtsempfinden entwickelte. Die Mehrbesseren und Gemeindemunis, in Basel würde man vom Daig reden, von Beggried schützten ihn, wie andere fragwürdige Typen auch. Offenbar brauchte man solche krummen Typen, die den „Herren“ die Schmutzarbeit abnahmen.

Einige Müsterchen: Sigi wohnte neben dem Schützenhaus. Anlässlich eines Feldschiessens, schoss er von seinem Haus aus auf eine der gestellten Scheiben um sein Können zu überprüfen! Die Geschichte hatte kurze Beine. Sie kam schnell aus! Als die Feldmusiker einst im Rössli die Polizeistunde nicht einhielten, sah jemand, dass Sigi durchs Fenster sah. Die Musikanten liessen sich nicht lumpen. So musste einer nach dem anderen mal. Anstatt auf dem WC, erledigten sie ihr Geschäft in einen Busch. Dumm für Sigi, er hielt sich dahinter versteckt. Den Schwingern erging es ähnlich. Sigi versteckte sich an bekanntem Ort, doch ehe er es merkte wars geschehen. Vier kräftige Arme packten den Wicht und warfen ihn kurzum über die Seemauer. Schwimmen war angesagt! Auf dem Weg zu seinem Haus nahm er meist den Weg von der Allmend her. Dort war auch das Haus des zweiten Dorfarztes. Sigi soll dort oft abgestiegen sein, wenn der Herr Doktor auf Patientenbesuch war. Eines Tages ergoss sich ein breiter Sägemehlstreifen von Doktors Haus über die ganze Allmend bis zu Sigi’s Haus! Es waren die Schwinger, das war unschwer auszumachen, die an der Quelle zum Sägemehl waren und die noch eine offene Rechnung auf ihre Art beglichen. Meiner Tante nahm er ein Bussgeld für zu schnelles Fahren ab. Sie, die nie etwas falsch machte! Es leuchtete ihr nicht ein. Er aber habe mit der Stoppuhr geprüft. Sie konnte den Gegenbeweis nicht erbringen. Später wurde er dann in Begleitung von zwei Kollegen in Stans aufs Rathaus geführt, zeitgleich als der Landrat seine Sitzung beendet hatte. Er soll Bussgelder in die eigene Tasche gewirtschaftet haben…. Das war das Ende des „Tschuggers“ in Beckenried, der an sich ein guter Fahnder gewesen sein soll.

In Emmetten war es der Lanjäger Würsch. Seine Uniform wich zu den üblich bläulichen ab. Sie hatte einen Grünstich. Der Schnuitzli hatte es u.a. mit Widerern zu tun. Immerhin schaffte er es auf‘ s „Bräntli“ einer Älplerchilbi. Auf dem Bräntli eines Butzis (wilder Mann, wilde Frau) war jeweils das Jahresereignis als Karikatur dargestellt.

So gäbe es wohl in jeder Gemeinde etwas über die Landjäger zu berichten. Etwa über den Lanjäger Wyrsch in Buochs, zu dessen Kreis auch Ennetbürgen gehörte. Er kontrollierte die Polizeistunde im Schlüssel. Die Segelflieger hatten „überhockt“. Einige konnte er nicht erfassen, sie schlichen durch den Nebenausgang ab. Einer davon, öffnete den Heckdeckel des VW Käfers, NW Nr. 104 und hängte den Zündverteiler ab. Landjäger Wyrsch musste zu früher Stunde den Heimweg nach Buochs zu Fuss antreten… In anderen Kantonen war es wohl ähnlich. In Obwalden soll ein besonders tüchtiger Polizist bei seinen Kollegen in Giswil einen Alkoholtest durchgeführt haben, nachdem sie dort im Restaurant das „Jahresendessen“ hatten und das Los ihn zum Dienst verknurrte.  Obwalden, siehe: 150 Jahre Kantonspolizei Obwalden

Landjäger

b) Landjäger, die Trockenwurst

Passend zur Wandersaison ist das Wort der Woche der «Landjäger». Diese geräucherte und luftgetrocknete Wurst ist kein zu Fleisch verarbeiteter Polizist (früher «Landjäger» genannt), sondern es liegt wahrscheinlich eine Umdeutung aus «lang tige» vor. Das Dialektwort «tige» (eigentlich identisch mit hochdeutsch «gediegen») bedeutet im Schweizerdeutschen «getrocknet, gedörrt, geräuchert». Eine andere, ebenfalls von «tige» ausgehende Umdeutung zeigt sich bei der durchaus tigerfleisch-freien, aber ebenfalls geräucherten «Tigerwurst». (Idiotikon).

Der Landjäger ist ein feinkörniger Salami-Spezialität. Natürlich, ursprünglich aus Italien. Die Zusammensetzung: Rindfleisch und Speck. Sie erhalten ebenso vor dem Räuchern durch Pressen einen eckigen Querschnitt. Als Würzmittel sind Nitritpökelsalz, Rotwein, Kümmel, Pfeffer, Koriander und Knoblauch.

Landjäger eignen sich nicht nur für ein Znüni, Proviant für eine Wanderung, oder allgemein für eine Zwischenverpflegung, sondern man kann sie in eine Rösti einbringen oder eine Pizza damit mitbelegen. Hörnli mit Landjäger ist eine weitere Möglichkeit. Unter Chefkoch finden sich fast 80 Rezepte um die Landjäger!

Der inzwischen zum abscätzigen Begriff „Tschugger“ hat sich mit der Zeit entwickelt. Die Tschugger waren jedoch die Eskorte von Patriziern, die sich in  Tschugg im Seeland seit langem nieder gelassen hatten.

„(…) Den Berner Patriziern ist es wohl auch zu verdanken, dass die Polizei im Volksmund als „Tschugger“ betitelt wird. Die kräftigen Tschugger wurden einst von den Berner Patriziern, welche in Tschugg in ihren Sommerreisdenzen logierten, als Wächter und Leibgarde mit nach Bern genommen. )“ So wird es auch in der Bethestaklinik in Tschugg erzählt.

Die Tschugger kommen bestimmt von Tschugg. Ob die Bezeichnung für Landjäger und Polizisten mit Tschugg etwas zu tun hat ist nicht eindeutig belegt. Andere wissen es besser:  „(…) Die volkstümliche Meinung, der Ausdruck Tschugger für ‚Polizist‘ gehe auf das Seeländer Dorf zurück, ist nicht haltbar. Sprachwissenschafter vermuten, er stamme von hebräisch chockar ‚er hat gespäht‘.[5] Tschugger wäre damit über das Jiddische ins Rotwelsch und von da ins Schweizerdeutsche gelangt, wo er ‚Polizist‘ und/oder aber ‚Schwein‘ bedeutet.[6] Ausserschweizerische Belege für das Wort Tschugger finden sich in den Mundarten Deutschlands: Schu(c)ker für ‚Landjäger‘ oder Schogger, Schocker in der Pfalz für ‚Polizist‘.)“ (Wikipedia).

Ich ziehe Landjäger in der Küche einem Uniformierten eindeutig vor!