Pensionskassen in der Schweiz: Die ganz große Enteignung


 

Offenbar vorübergehend müssen PK’s Renten zahlen, die nicht vorfinanziert sind. Vorfinanziert wären sie schon, hätte die Politik nicht die Spielregeln geändert, ohne gleichzeitig auch kompensierende Massnahmen zu ergreifen.

Für die Milliardenspritze kann eine weidwunde UBS 12,5% Zins bezahlen. Staatsfonds und anderen Investoren aus dem Ausland können bis 9% Zins bezahlt werden. Für Pensionskassengelder kann (will) man keine genügenden Zinsse bezahlen. Stinkt da nicht etwas zum Himmel?

Es ist unbestritten, dass wir neben einer soliden Arbeitslosenversicherung unbedingt auch eine intakte  Altersvorsorge brauchen. Dazu braucht es eine wirksame Industrie. Diese wiederum ist infolge der Finanzkrise selber in Schwierigkeiten. Die Finanzindustrie wird für ihre verursachten Schäden nie eine Gegenleistung erbringen. Dazu sind die Akteure zu arrogant und kaum einsichtig oder lernfähig. Ausserdem werden sie sich am globalen Geschehen orientieren, so wie sie dies mit ihren Gehältern tun. Aber sie waren sich nicht zu schade, neben den Märkten auch noch die Staaten auszurauben…

Der Industrie könnten genügend Impulse vermittelt werden:

Sanierung der Wasserversorgung, Förderung der Fotovoltaik (Solarzellen) und Warmwasserkollektoren für Hausbesitzer. Bau von Windkraftwerken, Kleinwasserkraftwerken, Bausanierungen, Aufforstungen (natürliche Wasserreservoirs) usw.

Letztlich jedoch muss in Forschung und Entwicklung investiert werden. Schliesslich werden die Ideen bezahlt. das Nachdenken braucht gleich viel Zeit, ob es für eine Stück oder für eine Gross-Serie gebraucht wird …. die auszuführende Arbeit überlässt man gerne jenen, die für den Stundenlohn arbeiten… Daher: mehr Denkfabriken bitte!

Wegen der höheren Lebenserwartung sollen die Menschen länger arbeiten. Wie soll dies vor sich gehen, wenn Leute ab 55 auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt sind? Es scheint ein grosser Sozialisierungsprozess in Gang gesetzt zu werden. Die Frage bleibt: Wer profitiert von der Kapitalisierung der frei werdenden Rssourcen?

Übrigens: die längere Lebenserwartung in der Schweiz nach 50 ist nicht ein Thema seit der vorletzten Krise. Aber die Erkenntnisse wurden nicht frühzeitig genug umgesetzt. Immerhin haben PK’s vor einiger Zeit für Langlebigkeit der Rentner Rückstellungen zu äufnen.

Diagramme: Interpharma; Gesundheitsindikatoren

Lesenswert:

Darin analysiert ein Expertenteam die vergangene und zukünftige Entwicklung der Lebenserwartung in der Schweiz und in anderen industrialisierten Ländern.
bazonline.ch/schweiz/

„(…) Wer lange lebt, ist länger krank. Wer sich gesund fühlt, ist zu wenig untersucht. Langfristig sind wir alle tot. Wer früher stirbt ist länger tot.

PK’s geben z. B. Darlehen an Arbeitgeber um ihr Kapital zu verzinsen. Bei einem Beispiel aus der Praxis ist folgendes ersichtlich: Darlehen 2008: Fr. 9,5 Mio (Vorjahr 10,5 Mio) bei einem Zinsertrag von Fr. 2’83’475 (Fr. 3’013’990 ) beträgt der Zinssatz  also 2,984% ( 2,97%). In Anbetracht der Tatsache, dass die PK einen Zins von über 4% erwirtschaften müsste, handelt es sich offenbar um ein „Geschenk“ an die Arbeitgeber! Es sind Arbeitgeber, die ihre Mitarbeitenden hier versichert haben und die ein Interesse daran haben müssten dass die PK gut funktioniert!

Die PK orientiert sich am gesetzlichen Mindestzinssatz. Daher ist es wichtig, was der Bundesrat entscheidet! Dieser betrug:

2004 2,25%

2005 2,50%

2006 2,50%

2007 2,50%

2008 2,75%

Der versicherungstechnische Zins für das Vorsorgekapital der Rentenberechtigten betrug:

2004 4.00%

2005 – 2008 3,5%

Der Deckungsgrad betrug

2004 106,34%

2005 110,50%

2006 112,10%

2007 112,29%

2008  98,51%

Die Situation sieht günstig aus. Dafür mussten jedoch die Wertschwankungsreserven aufgelöst werden.

Der Immobilienerfolg ergibt für beide Jahre 4,8%. Die Mieter bezahlen also mehr als die Arbeitgeber!

Wir erinnern uns an die Zeiten, wo Pensionskassen auf dem Hypothekarmarkt aufgetreten sind, nach dem Motto: „Pensionskasse sucht Land, Kosten und Lage sind unwichtig.“

Es wurde also auf der grünen Wiese zu teuer gebaut. Um die Wohnsilos zu füllen, musste man Konzessionen bei der Miete machen. Resultat: Die Rentner mussten die Investitionen ein zweites Mal bezahlen. Spätestens bei der ersten Revision eines Objektes fehlte das Geld!

„(…) Bis zum 30. Juni müssen die von der Finanzkrise getroffenen Pensionskassen mitteilen, ob sie Sanierungsmassnahmen ergreifen und, wenn ja, welche. Die gängigsten Vorgehensweisen sind geringere Verzinsungen der Altersguthaben und Zuschüsse der Arbeitgeber.

feb. In diesen Tagen steigt bei vielen Arbeitnehmern die Spannung, ob ihre Pensionskasse Sanierungsmassnahmen ergreift. Bis zum Stichtag 30. Juni müssen die Vorsorgewerke, die von dem Crash an den Finanzmärkten im vergangenen Jahr gebeutelt wurden, die Aufsicht über geplante Sanierungsmassnahmen informieren. Rund jede achte Schweizer Pensionskasse dürfte per Ende 2008 einen Deckungsgrad von 90% oder weniger ausgewiesen haben. Eine Unterdeckung besteht, wenn die Kassen nicht genug Vermögen für ihre Vorsorgeverpflichtungen zur Verfügung haben. Kassen mit Deckungslücken von 10% oder mehr sollten laut herrschender Meinung Sanierungsmassnahmen ergreifen. Wenn die Altersstruktur der Vorsorgeeinrichtung nicht gut ist, gilt eine Lücke in dieser Grössenordnung als erheblich. …)“ Ganzer Artikel in der NZZ =>: …Pensionskassen informieren über Sanierung…

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One thought on “Pensionskassen in der Schweiz: Die ganz große Enteignung”

  1. Seit die 4%ige Verzinsungsklausel, die übrigens jahrzehntelang nie irgendwelche Probleme bereitete, gekippt wurde – fing der Schlamassel an. Die Verwaltungskosten steigen ins unermeßliche (da ja auch der shareholder value bedient werden muss) und jetzt jammert man schon wieder, die Zinsen müßten runter um die PKs zu sanieren. – Das ist Volksverarsche und Enteignung der Arbeiter – purer Sozialdarwinismus! – Sauerei!

    Gruß
    Carolus Magnus

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