Vier-Augen-Prinzip


Wenn man über Zero Defects redet, geht man vom primitivsten Anstand, eine Arbeit fehlerfrei zu erledigen aus. Da hat mich der Finanzblogger daran erinnert, dass es im Strassenverkehr oft Situationen gebe, wo etwas mehr primitiver Anstand und fehlerfreie Erledigung der „Arbeit“ von Nöten wäre.

Über vierzig Jahre aktive Fliegerei haben mich gelehrt, auf mich selber Acht zu geben. Und im Strassenverkehr, wo man sich im Gegensatz zur Fliegerei meist nur mit zwei, statt wie dort mit drei Dimensionen begnügen muss, ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich zu nahe kommt, wesentlich grösser.

Mit dem Fahrstil eines Bekannten, der jeweils sehr direktiv durch die Strassen fährt, habe ich nichts am Hut! Einmal auf die Gefährlichkeit hingewiesen lautete die Antwort: „Die anderen haben auch zwei Augen im Kopf“. Diese Art von Vier-Augen-Prinzip zu praktizieren könnte fatale Folge zeitigen.

Da ist es mir lieber, davon auszugehen, dass ich mich im Strassenverkehr in einer sehr komplexen Situation befinde. Und für einmal ist es besser anzunehmen, dass alles was passiert, sachlichen Abläufen folgt und, dass man an die übrigen Verkehrsteilnehmer keine hohen Ansprüche stellt. Und oft, wenn man annimmt, der andere handle auf eine bestimmte Weise, wird man vom Gegenteil überrascht. Im Cockpit, wo im Teamwork gearbeitet wird und wo die Abläufe definiert sind, ist die Anwendung des Vier-Augen-Prinzips sinnvoll. Im Strassenverkehr gelten andere Gesetze. Von Team keine Spur, jeder gegen jeden wäre schon träfer. Nach über viereinhalb Jahrzehnten ohne nennenswerten Schaden (eben habe ich ein Holz angefasst!), kann ich mit Genugtuung feststellen, das richtige Gemisch an direktivem und rezeptivem teils variabel, teils konstant, ja integrativem und separativem Verhalten gefunden zu haben. Sich selber auf die Schulter klopfen? Mit nichten! Es ist weiterhin „aufpassen“ angesagt. Vorsicht sei die Mutter der Porzellankiste. Aber übertriebene Vorsicht ist ebenso schädlich wie zu wenig davon.



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