Börsianer


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Vergangenheit

Ich stimme zu, dass die Vergangenheit so zu belassen ist, wie sie war. Es wäre sinnlos, sich mit „ich hätte besser“, oder „hätte ich nur“ oder gar „wenn ich damals nur hätte“ zu stark zu beschäftigen. Zu ändern gibt es daran sowie so nichts. Aber: Erfahrungen aus der Vergangenheit darf man ruhig respektieren. Kinder brauchen auch Erfahrungen. Sie verbrennen sich die Finger kaum ein zweites mal. Und Bewährtes darf man ruhig in aktuelle Betrachtungen einbeziehen. Nicht Bewährtes hingegen lässt man besser sein, ausser die Vorzeichen hätten sich geändert.

„Glücklich ist, wer vergisst, was ohnehin nicht zu ändern ist!“

Zukunft

Theoretisch kann eine Spur bis zum Anfang zurück verfolgt werden. Du kennst aber die Richtung des nächsten Schrittes nicht. Du wirst mir entgegnen, dass du aus der Vergangenheit in die Zukunft schliessen möchtest und, dass wenigstens der Trend einer bisherigen Entwicklung für die nächsten Tage, Wochen oder zu vermuten sei, so wie die Nacht auf den Tag folgt. Du magst recht haben.

Von der Zukunft und der Zukunftsforschung wird die Lösung der Probleme erwartet. Es gibt Menschen, die erwarten das Paradies auf Erden und andere erwarten die Erlösung.

Mit dem Drang nach Veränderung und der zukunftsgläubigen Neu-Gier will der Gegenwart und der Realität entflohen werden. Leere, Langeweile und Unzufriedenheit sind die Motivation dazu. Es gibt genügend Verführer, die mit satten Gewinnversprechungen, an die sie wegen den zu erwartenden Boni bald selber glauben, Gutgläubigen das Geld aus den Taschen ziehen. Die Verführten wiederum glauben gerne, dass ihnen jemand zu grossen Geschenken verhelfe und sie schlagen alle Risikowarnungen in den Wind. Wer glaubt, die Zukunft zu kennen, überschätzt sich masslos. Er gehört zu den Kaffeesatzlesern, Wahrsagern, Sterndeutern, Pendlern und Oraklern. Wer mit Wahrscheinlichkeiten operiert, braucht sehr gute Annahmen um Trends erkennen zu können. Sicher gelingt es mit geeigneten Simulationsmethoden subjektive Annahmen etwas zu objektivieren. Aber erst die Realität zum Zeitpunkt X lässt rückblickend die falschen Annahmen erkennen. Wäre alles so einfach es gäbe keine Casinos und Lotterien!

(„…) „Analysten liegen mit ihren Prognosen oft schlechter als die Wettervorhersage“, lautet das vernichtende Urteil von Wolfgang Gerke vom Lehrstuhl für Bank- und Börsenwesen der Universität Erlangen-Nürnberg. Gerke beruft sich auf eine Untersuchung zu Prognosen aus dem vergangenen Jahr; 2000 seien sogar „eher mehr Fehlprognosen“ abgegeben worden. Mehr im Managermagazin …Analysten: „Oft schlechter als Wettervorhersage… 

Für mich bedeutet die unmittelbare Zukunft die rollende Aktualisierung der Gegenwart.

Gegenwart

Worauf es ankommt ist die Gegenwart und die Realität. Die Realität ist das Mass der Dinge! Das Leben findet jetzt und hier statt. Auch als Börsianer und als Analyst und als Vermögensverwalter kommst du nicht an der Realität vorbei. Wer die Realität missachtet, richtet sich zu Grunde. Verbleibst du bei den verpassten Chancen oder träumst du von visionären Entwicklungen, dann läuft die Gefahr mit, dass du am aktuellen Geschehen vorbei „träumst“.

Jede realitätswidrig oder egozentrisch motivierte Haltung führt zu konflikthaftem Verhalten gegenüber anderen. Und gleich danach folgt die Kompensation: der Misserfolg wird von Enttäuschung, Verärgerung, Beleidigtsein und Unzufriedenheit begleitet.

Die Immobilienkrise in den USA kam doch gerade wegen der Nichtbeachtung der Realität zustande.

So wie die Segelflieger sich längst eine Thermikbrille wünschen, gönne ich dir als Börsianer einen abgeklärten „Börsenblick“ durch ungetrübte Gläser. Falls du es nicht genau sehen kannst, dann schau von unten durch eine noch volle Weinflasche. Wenn du es noch immer nicht sehen kannst, liegt es daran, dass man Weinflaschen zuerst öffnet, dann den Inhalt geniesst und danach kommt der klare Blick von selbst. Und wenn nicht, dann ist das Erlebnis immer noch angenehmer als Lesen im Kaffesatz.

Für mich bedeutet die Gegegenwart das rollende Verlassen der Vergangenheit. Man stelle sich eine Kugel vor, die auf der Zeitachse Richtung Zukunft rollt. Die Richtung ist immer gleich. Jede Position stellt die gerade jetzt stattfindende Gegenwart dar und schon ist der Moment vorbei…

…Wie lange dauert die Gegenwart… lesen Sie bei info3.

Die Aufmerksamkeit für einen „Reiz“, etwa für die Länge einer Ferszeile oder den Abschnitt einer Melodie, jeweils etwa 2-3 Sekunden dauern kann. Das ist subjektives Empfinden. Subjektives, psychisches Empfinden ist immer nur Gegenwart. Und wenn wir etwas von gestern „zurück holen, dann erinnern wir uns an jene Zeit in der Gegenwart. Wer zuviel in der Vergangenheit grübelt oder auch die Zukunft als Illusion formt, kann sich gefährden.

Für die Qualität der erlebten Zeit gibt es keine Messwerkzeuge. Stunden des Glücks oder der Leere ist mit Millionen von Jahren alten Steinen nicht vergleichbar.

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„Yesterday is history 

Tomorrow is mystery 

Today is a Gift „


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