Long life learning; – am Beispiel der Schreibmaschine

(ergänzt am 23.11.17 odh)

Smith Premier Nr. 5
Die Schreibmaschine, im Bild eine Smith Premier Nr. 5 von Stephan Marti, ist, je nach Betrachtungsweise, nun etwa 200 Jahre alt. Die Bedienung musste man einmal lernen. Das reichte für das ganze Leben. Seit es den PC gibt, wird periodisch in neue Hardware und Programme investiert. Die Begründung liegt in der rasanten Entwicklung der Chip-Herstellung bzw. der integrierten Schaltkreise.
    Das führte bisher dazu, dass man ein Textprogramm mehrmals lernen musste. Die Industrie hat sich das gut ausgedacht. Man schafft „Wachstum“ indem man die Verbraucher in regelmässigen Abständen etwas lernen lässt, was sie eigentlich schon einmal gelernt haben…. Unter „long life learning“ (lebenslanges Lernen) habe ich verstanden, stets Neues dazu zu lernen – Wissen zu erweitern und zu vertiefen.
    Offenbar bemühten sich die Menschen auch schon zu früherer Zeit um eine besser lesbare Handschrift oder noch mehr darum, die Repetition von Geschriebenem effizienter zu gestalten. Heute ist die Zeit der „Zuchtschrift“, als man noch mit Haar- und Schattenstrich zu schreiben hatte, endgültig vorbei. Nur wegen einer schönen Handschrift wird niemand mehr „Gemeindeschreiber“! Trotzdem würde es nicht schaden, wenn die persönliche Handschrift etwas besser gepflegt würde.
   Die Ursprünge der Schreibmaschine sind nicht genau bekannt. Erste Hinweise auf eine Maschine stammen aus dem Jahr 1682. Die erste wirklich gebaute Schreibmaschine stammt wohl vom Italiener Pellegrino Turri aus dem Jahre 1808. Wer sich für die Entwicklung und die Geschichte interessiert, lese dies im Link nach.
Manch einer hat sich schon nach der Logik der Tastenanordnung gefragt. Ergonomische und mechanische Gründe waren Gründe dafür. Die Anordnung der Tasten wurde u. a. so gewählt, damit sich die Typenhebel möglichst wenig in die Quere kommen und dabei verklemmen. Müsste heute eine Tastatur entworfen werden, sähe diese bestimmt anders aus.

Eine Schreibmaschine kann auch etwas besonderes darstellen. So wird z.B. erst 1885 der Antrag der Bundeskanzlei im Berner Bundeshaus an den Bundesrat für den Kauf einer ersten Schreibmaschine durch den Vorsteher des Departementsvorstehers des Inneren visiert. Der Antrag der Bundeskanzlei vom 10. 07. 1885 zum Ankauf einer zweiten Schreibmaschine wird von Bundesrat Deucher zur Annahme empfohlen. Die Schreibmaschine tat ihren Dienst bis in die 80-er Jahre des 20. Jahrhunderts, als Kopiergeräte und EDV Einzug hielten.

 Episode: Als die Kugelkopf-Schreibmaschinen von IBM im Einsatz waren, passierte es einmal, dass der i-Punkt auf dem Kugelkopf verloren ging. Die Mitarbeiterinnen erledigten das Schreiben von Pflichtenheften für den Personalvoranschlag zu Handen der Oberbehörde in Bern in 3-, 5- und z. T. in 7-facher Ausführung. Sie haben es erraten: es ist in einem Betrieb des Bundes passiert. Das war eine riesige Arbeit. Eines Tages kam ein grosses Paket vom „Pentagon“. Es war aber nicht der Entscheid über die Beförderungsmassnahmen enthalten, sondern sämtliche Pflichtenhefte kamen zurück! Die Feinheit: ein pedantischer Beamter (in hoher Position) entdeckte den fehlenden i-Punkt. Korrekt und genau wie er die Erfüllung der Pflicht verstand, „bohrte“ er, offenbar mit sichtlicher Befriedigung, mit einem feinen Filzstift den kleinen Punkt in Rot über jeden „i“! Allerdings war es ihm irgendwann selber zu blöd. Denn auf den Kopien brachte er die Korrektur nicht an. Aber er wünschte, dass der ganze „Bettel“ nochmals geschrieben werde.

Die Sache wurde nicht nochmals geschrieben. Er, der auf hohem Ross in einer Konzerntintenburg sein Unwesen trieb bekam jedoch in „homöopatischen Dosen“ (nicht schriftlich) eine kleine Lektion in Geografie verabreicht. Darin wurde ihm erklärt wo Gersau liegt. Und dann bekam er noch eine weitere Erklärung darüber, was man in der Innerschweiz unter„Gersauern“ (schildbürgern) versteht. Die Angelegenheit hatte kein Nachspiel…!

„(…) Mit Fasnacht („Gerfaz“-Figur), Mittefastenfeuer, Sennengemeinde auf „Holzbüöl“, Sennenkilbi mit „Tschämeler“ (Wildmannen), Klausentricheln und Klausenumzug kennt G. ein vielfältiges Brauchtum. Noch heute erinnern Ausdrücke wie „Gersauern“ oder „Gersauerstückli“ an die Eigenart G.s und ihrer Einwohner zur Zeit ihrer Republik. Sie gehören, wie etwa die Taten der Leute von Merligen, in das Kapitel der Schildbürgerstreiche. .)“

Am Beispiel der Schreibmaschine kann man also auch sehen, dass die Kompetenz für die Beschaffung einer Neuheit in einer organisatorischen Hierarchie hoch angesiedelt ist. Die Erosion geht aber schnell vor sich. Ein Internetanschluss im privaten Haushalt ist heute Standard! Rund um den PC herum kann man kaum mehr ein „Königreich“ aufbauen…!  Vielleicht sind die TV-Geräte auch schon bald passé. Jedes I-Phon ähnliche Gerät wird mit einer Art Beamer ausgrüstet sein. Dann kann man auch in der Skihütte grosses Kino geniessen…

2 thoughts on “Long life learning; – am Beispiel der Schreibmaschine”

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