Der Pfeifenraucher

Wem ist er noch nicht begegnet, jener, mit dem Güllensauger in der Mundecke, der sich mit der Hand am Pfeifenkopf festhält und Zug um Zug die Umgebungsluft verpestet?

Mit grosser Andacht bringt er mit billigstem und stinkendem Tabak für sich sein „Rauchopfer“ dar und „beglückt“ damit seine Umgebung mit seiner rauchenden Dreckschleuder wie eine alte Dampflok.

HG 3-3 Nummer 1067 mit Dampfsonderzug in Richtung Brünig-Hasliberg, ca. 1956. Foto- Slg. SVEA

Die Kirchen wurden früher mit Weihrauch vom Mief befreit, den Nachtlagerer hinterlassen hatten. Es wäre kaum jemanden in den Sinn gekommen, dafür Tabakrauch zu verwenden.

Der Süchtige hat nur noch den Pfeifenkopf als Halt…

„(…) Er hält sich am Pfeifenkopf fest, stochert in seinem Kultinstrument, stopft und zündet an, bevor er sich zu einer Stellungnahme bequemt, sucht für sein Selbstgefühl einen festen Halt. Seine Unsicherheit wurzelt in der Angst vor Weite und Verlorenheit. Er hat Angst vor dem Verlust an Einfluss oder Geltung gegenüber der Umwelt. Besonders peinlich ist ihm deshalb, was er als gesellschaftliche Zurücksetzung oder als Blamage auslegt. So wie er sich an der Pfeife festhält, ist es ihm ein Bedürfnis, sich an irgend eine solide Sicherheit, an einen Glauben (Gott, Geld oder Gesellschaft) anzuklammern, um harmonische Ruhe zu finden. Der Geborgenheitsdrang, der Hang zur friedvollen Sicherheit führt die Kinderhand zur Mutterbrust, die Männerhand zum Peifenkopf.)“

Gelegentlich gelingt es ihm, einen Kollegen als Anklammerungsobjekt zu gewinnen. Dem klebt er an wie eine Klette. In der Gemeinsamkeit finden sie Stärke. Nun sind sie nicht mehr zu halten. Nicht selten mutieren sie zu mentalen Umweltverschmutzern. Sie verhalten sich ähnlich wie jene, nach dem man ihnen eine Uniform verpasst oder ihnen ein Schiesseisen in die Hände gedrückt hat. Sie sind jetzt wer! Fiat lux… Uriella lässt grüssen.

„(…) „Du darfst nicht“ ist des Moralisten Zaunpfahl mit dem er sich das Territorium seines „Über-Ichs“ absteckt. Hinter seiner Lustbarrikade sucht er Sicherheit und unangefochtene Behaglichkeit. Was „du darfst“ zeigt er nie auf. Vernunft und Lust stehen im Widerspruch. Stehen Vernunft und Gefühle in gegenseitiger Durchdringung. Sind beide übereinstimmend, entsteht Überzeugung die zur Entscheidung und zur Handlung befähigt. Dieser Zustand der „Reife“ ist dem Neurotiker fremd. Er kann sich nicht entscheiden.

Der reife Mensch handelt tatsächlich und realitätsangemessen. Weil Gefühl und Vernunft, weil persönliches Bedürfnis und ethische Verantwortung übereinstimmen, lebt er in Harmonie, fühlt sich glücklich und ist in angemessener Weise erfolgreich.

Stellen hingegen ein dummer Verstand und ein unsensibles Gefühl Forderungen, geraten sie unter sich in Widerspruch und erzeugen Angst. Die Folgen sind schwerwiegend. Der Widerspruch von Vernunft und Gefühl ist ein Widerspruch in sich selbst und gegen sich selbst. Er verunmöglicht die Selbstverwirklichung als ethische Verantwortung gegenüber sich selbst und beeinträchtigt die Offenheit, Ehrlichkeit, die soziale Solidarität gegenüber den Mitmenschen.

Zitate aus: Aus: „Signale der Persönlichkeit; Charakterologie der kleinen Laster“ von Prof. Dr. Max Lüscher

Pfeifenrauchern sagt man ja nach, dass sie etwas anders sind als die meisten anderen Menschen. Darüber wird in der Kleinen Typologie der Pfeifenraucher geschrieben. Um von ihren Ängsten abzulenken, versuchen die Pfeifenraucher mit vielen Argumenten von Ihrem „kleinen Laster“ abzulenken. Man sehe sich im Tabak Pfeifen-Kompendium um. Sie sagen von sich: Pfeifenraucher sind Genussmenschen. Aber: Auch Peifenraucher leben gefährlich. So lange mich der blaue Dunst nicht erreicht, ist es mir egal, ob einer eine Pfeife raucht oder nicht.

Abhilfemöglichkeit, wenn es bis zum Himmel stinkt…

Ergo interessiere ich mich nicht, ob eine Pfeife aus Bruyère-Holz, Sepiolith (Meerschaum), Ton oder anderen Hölzern wie Kirschbaum oder Olivenbaum gefertigt ist. Es ist mir auch gleichgültig, wenn seine Hütte wie ein kalter Aschenbecher stinkt, solange ich da nichts verloren habe und so lange der Dampf in seiner Hütte bleibt… So gesehen, übe ich Toleranz gegenüber den „Güllensaugern“ und „Geborgenheitslutschern“.

Allfällige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind rein zufällig! 🙂

Es kommt vor, dass sich solche Elemente in nächster Nähe befinden. Daher: Vorsicht vor dem lieben Nachbar