Die Börsen feiern – Spanien drängt sich unter die Haube


Man sollte nur in Firmen investieren,
die auch ein absoluter Vollidiot leiten kann,
denn eines Tages wird genau das passieren.
Warren Buffett
 
 

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…) Die angekündigten Milliardenhilfen der EU für Spanien verhelfen den Börsen weltweit zu Kurssprüngen. Der SMI notiert am Mittag rund 1 Prozent im Plus. Vor allem Bankentitel profitieren. Mehr…

Ob „Feiern“ etwas mit Arroganz zu tun hat? Oder geht es den Börsianern etwa so wie Kindern, wenn der Lastwagen neues und mehr Sand in den Sandkasten bringt?

  • Tagesanzeiger v. 12. 6. 12:
„(…) Die Rendite für zehnjährige spanische Staatsanleihen kletterte auf 6,783 Prozent und erreichte somit den höchste Stand seit Einführung des Euro. Die Angst der Anleger vor einer Eskalation der Euro-Krise nimmt zu. Mehr… 

„(…) Wien. Nächster Halt Rom: Die Modalitäten der 100 Milliarden Euro „schweren“ spanischen Bankenrettung sind im Detail noch nicht einmal fixiert, da taucht schon der nächste Rettungskandidat im Visier der Märkte auf: Italien. Diesmal wird es aber richtig heftig: Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone und der viertgrößte Schuldenmacher der Welt. Sollte dieses Land unter den Rettungsschirm schlüpfen müssen, wird das die Kapazität der bisherigen Rettungsfazilitäten sprengen. …)“ Quelle

„(…) Spanien – Banken aufgepäppelt, aber die Sorgen werden nicht geringer. 180 Milliarden Euro sind alleine schon bekanntgegebene „notleidende Kredite.“ Aber die internationalen Börsen werden vorerst aufatmen und zu Beginn galoppieren! …)“
Hier: Börsengerüchte von cash Guru »   

„(…) Nach der Entscheidung, Spaniens marode Banken mit milliardenschweren Hilfen zu stützen, sah zunächst alles nach Eintracht und Optimismus aus: Die asiatischen und europäischen Aktienmärkte starteten mit satten Zuwächsen in den Handelstag. Händler und Volkswirte zeigten sich zuversichtlich – dann wurden die Worte von Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz bekannt.

 Der Ökonom kritisiert das europäische Hilfsprogramm für Spaniens Banken als „Voodoo-Ökonomie“. „Das System ist: Die spanische Regierung rettet die spanischen Banken, und die spanischen Banken retten die spanische Regierung“, sagte Stiglitz der Nachrichtenagentur Reuters. Das könne nicht funktionieren. Stattdessen müsse Europa die Schaffung eines gemeinsamen Bankensystems und einer Fiskalunion vorantreiben. Mehr

Irgend wann braucht die EU selber Hilfe! Ob chinesische Währungsreserven in gewissen Hinterköpfen die Spekulation anmachen? => Dollar-Zukäufe: China hortet 3,2 Billionen Dollar Währungsreserven

Hauptsächlich aber geistert Das Märchen vom grenzenlosen Wachstum in der Welt herum. Einige Gedanken daraus:

„(…) 

Vom ein oder anderen ökonomischen Experten, der sich mit der fernen Zukunft beschäftigt, kann man hören, dass nur ein Idiot an grenzenloses Wachstum glaubt. Was ist damit gemeint? Wir befinden uns nun einmal auf einem Planeten, welcher ein mehr oder weniger geschlossenes System darstellt. Es sollte für jeden offensichtlich sein, dass ein solches Gebilde Grenzen hat…

Auch ohne Marx gelesen zu haben sollte man verstehen, dass das auf ewiges Wachstum ausgerichtete kapitalistische System nicht endlos funktionieren kann. Wenn weltweit die letzten Märkte erschlossen und versorgt wurden, wenn die Rohstoffe zur Neige gehen und wenn der Reichtum derart stark angestiegen ist, dass die Inflation durch die Decke geht, dann wird kein weiteres Wachstum möglich sein und das ganze System droht zu implodieren. Die aktuellen Krisen sind erst der Anfang und werden so lange nicht das Ende sein, so lange Wachstum der Grundpfeiler unseres Denkens ist. …

Was würde denn passieren, wenn wir den naiven Vorschlägen folgen und so viele Kinder in die Welt setzen würden, dass die Bevölkerungspyramide in jeder Generation an der Basis am breitesten ist? Fällt denn wirklich niemandem auf, dass das unendliches Wachstum bedeuten würde? Deutschland ist ohnehin bereits ein sehr dicht besiedeltes Land. Wo sollen denn die ganzen Menschen hin? Ganz Deutschland ein einziges Ruhrgebiet? Nicht gerade eine idyllische Vorstellung. …

Was man bei der Diskussion zum Thema abnehmende Arbeitskräfte gerne vergisst ist die Tatsache, dass man immer weniger Arbeitskräfte braucht, um einen bestimmten Wert zu erwirtschaften. Auch wenn Maschinen den Menschen nie ganz ersetzen werden, so sind die Beschäftigungszahlen im produzierenden Gewerbe in Relation zum hergestellten Wert seit der Einführung der Manufakturen (Arbeitsteilung) dramatisch gesunken…

Desweiteren bleiben die Menschen länger gesund – oder sollten es zumindest. Da sollte man tatsächlich eher eingreifen, um die Arbeitsfähigkeit der Bevölkerung zu optimieren (klingt sachlich kühl anstatt herzlich menschlich, aber darum geht es nun einmal). Die Fettleibigkeit und die damit verbunden Krankheiten wie Diabetes, Herzkreislaufprobleme, Gelenkschäden und viele mehr hat sich als ein Volksleiden etabliert. An den Folgen von Zigaretten- oder Alkoholkonsum sterben allein in Deutschland pro Jahr über 200.000 Menschen. Unzählige mehr müssen sich medizinisch behandeln lassen und verursachen der Volkswirtschaft Unmengen an Ausgaben. Viele Menschen ernähren sich ungesund, treiben zu wenig Sport und leiden unter zu viel Stress. Es gibt viele Hebel, an denen man ansetzen könnte. Gesündere Bürger können auch länger arbeiten und verursachen weniger Kosten…

Ein weiterer Faktor, der in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird, ist die private Altersvorsorge. Im Endeffekt macht das auch mehr Sinn. Im Moment zahlen die Arbeiter in eine Kasse ein, aus der sie in der Zukunft vermutlich weniger zurück bekommen werden…

… Noch ein Punkt, der beim demographischen Wandel so gut wie nie berücksichtigt wird, betrifft die natürliche Begradigung der Bevölkerungspyramide. Unvermeidbar ist es, dass in Zukunft mehr Personal im Pflege- und Gesundheitsbereich benötigt wird. Andererseits wird es – wie erwähnt – einen geringeren Bedarf im produzierenden Gewerbe geben. Man darf dabei nicht vergessen, dass die Bevölkerungspyramide nie dauerhaft in der oberen Hälfte am breitesten sein wird. Der „Bauch“, der jetzt bei den Jahrgängen zwischen 1950 und 1975 sichtbar ist, wird irgendwann von selbst verschwinden. In fünfzig Jahren wird die schmale Basis der Pyramide nämlich nach oben wandern, während die meisten Mitglieder des „Bauchs“ gestorben sein werden. Das Ergebnis ist eine schmalere, ausgeglichenere Pyramide, die eine geschrumpfte Bevölkerung wiederspiegelt…

Abschließend sollen noch ein paar Worte dazu erwähnt werden, warum ein exzessives Bevölkerungswachstum zu einer Schwächung der Demokratie führt. Im deutschen Bundestag sitzen im Moment 620 demokratisch gewählte Volksvertreter. Bei ca. 62.000.000 Wahlberechtigten kommt also ein Abgeordneter auf 100.000 Wählerstimmen. Stiege die deutsche Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten um z.B. 50%, dann kämen auf einen Abgeordneten bereits 150.000 Wähler. Bei einem Rückgang an Stimmberechtigten um 50% würden statistisch gesehen 50.000 Bürger einen Abgeordneten wählen. Die eigene Stimme und damit das demokratische Mitbestimmungsrecht würden also deutlich an Gewicht gewinnen. Umgekehrt zählt das Individuum umso weniger, je mehr Menschen es gibt, mit denen der Lebensraum geteilt werden muss. …

Am besten bringt Isaac Asimov das Dilemma von Wachstum und der Würde des Einzelnen metaphorisch auf den Punkt: Man stelle sich eine Wohnung mit zwei Bewohnern und zwei Toiletten vor. Jeder könnte sich frei entscheiden, wann, wie oft und wie lange er die Toilette benutzen würde. Die Freiheit der Toilettenbenutzung wird deshalb als selbstverständlich angesehen und akzeptiert. Wenn jedoch zwanzig Personen in der gleichen Wohnung leben spielt es keine Rolle ob alle an die Freiheit der Toilettenbenutzung glauben. Sie kann ganz einfach nicht existieren. Man muss sich absprechen, wer die Toilette als nächstes benutzen darf, man kann sie nicht mehr so lange benutzen wie man möchte, andere könnten an die Tür klopfen und verlangen, die Toilette selbst zu benutzen, usw. Kurzum, man wird in seiner Freiheit und in seiner Würde eingeschränkt und jede weitere Person würde diese Einschränkungen weiter verstärken. Diese Metapher brachte Asimov zu folgenden Schlussfolgerungen: Demokratie kann eine Überbevölkerung nicht überstehen. Die menschliche Würde kann eine Überbevölkerung nicht überstehen. Annehmlichkeiten und Anständigkeit kann Überbevölkerung nicht überstehen. Das Gleiche lässt sich auf größere Maßstäbe übertragen. Umso mehr Menschen es gibt, umso weniger zählen die Wünsche und Bedürfnisse des Einzelnen, da es ganz einfach Limitierungen gibt, die eine uneingeschränkte Freiheit unmöglich machen. Es gibt so viele Menschen auf der Welt, dass uns 30.000 verhungerte Kinder pro Tag nicht berühren. Der Wert eines Menschen nimmt mit steigenden Zahlen stetig ab. In einem Dorf sind die Beziehungen zwischen den Menschen in der Regel persönlicher als in einer Großstadt. Sollten wir also weiterwachsen und mehr Großstädte hervorbringen? …

…Bleibt nur noch zu sagen, dass es wünschenswert wäre, einen Politiker oder einen Ökonomen zu hören, der zugibt, dass ein auf Wachstum basierendes System nicht endlos ohne Krisen funktionieren kann. Leider handelt es sich dabei um ein Hauptproblem öffentlicher Politik: Man gaukelt dem Volk vor, dass es immer weiter aufwärts geht. Ich bin mir sicher, dass kluge und einflussreiche Köpfe von den Problemen wissen und darüber nachdenken, was getan werden kann oder muss, wenn bestimmte Grenzen erreicht werden. Die Menschheit darf gespannt sein, ob dabei eine brauchbare Lösung herausspringt. Mit einer Immer-so-weiter-Mentalität werden wir auf jeden Fall nicht weit kommen. Vielleicht trifft der große Crash dann nicht uns – aber unsere Nachfahren ganz bestimmt. Die Chancen stehen gut, dass uns spätere Generationen für unsere Kurzsichtigkeit und für unseren Egoismus verteufeln werden. …)“

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Die größte Spekulation der Welt wäre es, einen Politiker zu dem Wert einzukaufen, den er hat,
und ihn zu dem Wert zu verkaufen, den er sich selbst einräumt.
André Kostolany, Spekulant (1906–1999)
 

odh

 Nicht vergessen: das Finanzblog von Stephan Marti lesen!


One thought on “Die Börsen feiern – Spanien drängt sich unter die Haube”

  1. „(…) … Mario Monti warnt vor Scheitern des EU-Gipfels – Monti hält Eurobonds für sinnvoll. Seine Reaktion kam prompt.

    Gestern Abend bei seiner Ankunft in Brüssel warnte er vor einem Scheitern des EU-Gipfels. Wenn die Italiener entmutigt würden, könnte das «politische Kräfte» freisetzen, die die europäische Integration und den Euro «zur Hölle fahren lassen» würden, drohte der italienische Premier. …)“

    Fürchtet sich Monti vor seinem Vorgänger?

    „(…) Sollte der Chef seiner Mitte-Rechts-Partei „Volk der Freiheit“ (PdL – Popolo della libertá) Angelino Alfano als Mitte-Rechts-Kandidat im kommenden Jahr die Wahlen gewinnen, würde er – Berlusconi – gern als Wirtschaftsminister in die neue Regierung einsteigen, sagte der 75-Jährige am Dienstag in Rom. …)“ => Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Di, 26.06.2012 18:01

    (…) Berlusconi träumt von „neuer Lira“

    Auch in der Euro-Krise meldet sich der frühere Premier wieder zu Wort – und sorgte mit ausgefallenen Krisenrezepten für Aufsehen. „Den Euro zu verlassen ist keine Blasphemie“, schrieb er am Mittwoch auf seiner Facebook-Seite. Er sprach über „eine neue Lira“, er habe darüber auch mit deutschen Experten gesprochen, auch die seien für einen Euro-Austritt Italiens. Wer diese Fachleute gewesen sind, blieb unklar. …)“ => Spiegel online vom 26. 6. 12 : „Berlusconi plant sein Comeback“

    Gelingt es den „Habenichtsen“ die Wirtschafts(über)macht Deutschland an die Wand zu fahren? Mit Kavallerie alleine wird man wohl kaum dagegenhalten können…

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