UBS-Debakel – eine Frage des primitivsten Anstandes


Der „Händler“ Kweku Adoboli (31) hat offenbar mehr als 2 Milliarden Franken verzockt! Seine Luxuswohnung hat er momentan gegen einen Raum hinter schwedischen Gardinen getauscht.

Oswald Grübel in der NZZ vom 18. 09. 11:

„(…) Er habe zwar die Verantwortung für alles, was in der Bank passiere. «Aber wenn Sie mich fragen, ob ich mich schuldig fühle, dann sage ich nein», sagte Grübel. Wenn jemand mit krimineller Energie vorgehe, könne man nichts machen. «Das wird es in unserem Job immer geben.» …)“

Kunden seien nicht zu Schaden gekommen. Tröstlich! Der UBS fehlen nun mehr als 2 Mia Franken – scheint verkraftbar zu sein. Der Händler habe an sich nichts Falsches gemacht (!), hätte er sich, wie vorgesehen abgesichert. Das Nicht-Absichern entscheidet über Kriminalität oder Normalität! Erstaunlich! Die ghanaesische Mentalität, welche wohl bei der Personal-Auswahl keine Frage war ist kaum kongruent mit der angelsächsischen, der europäischen und der schweizerischen. Sie hinterlässt dem Unternehmen einen gewaltigen Imageschaden.

Nach Blocher müsste der Chef die Konsequenzen ziehen…. Für den Grosskonzern steht vermutlich nicht der Konzernchef in der direkten Schusslinie. Der direkte Vorgesetzte, John Hughes hat offenbar das Handtuch bereits geworfen und von sich aus gekündigt. Aber da wird wohl der Chef der Investment-Sparte, Carsten Kengeter, auch noch Farbe bekennen müssen. Im Falle eines ungeplanten Abganges, kann dieser vermutlich noch mit einem „Goldenen Fallschirm“ und einem grosszügigen Outplacement (– Wikipedia) rechnen dürfen…

 Köpferollen dürfte die Attraktivität (der UBS) erhöhen (schreibt Cash)

„(…) So paradox es tönen mag: Mit startegischen Weichenstellungen und Wechsel im Top-Management infolge des Händlerskandals könnte die UBS als Vermögensverwalterin sogar attraktiver werden, meint Helvea-Analyst Peter Thorne. Falls der UBS-Verwaltungsrat handelt. Viele Seiten fordern den Rücktritt von CEO Oswald Grübel, von Investmentbanking-Chef Carsten Kengeter oder auch von VR-Präsident Kaspar Villiger.

Führende Manager der UBS werden wegen des Handelsverlustes ihren Job verlieren. Zu dieser Einschätzung kam am Montag auch Arthur Levitt, der frühere Chef der US-amerikanischen Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC).

Dass es zu einem Köpferollen kommen wird, steht auch für Analysten aus dem angelsächsischen Raum fest. „Zunächst glauben wir, dass wir wohl Veränderungen im Management der UBS-Investmentbank sehen werden“, schreiben die Analysten von JPMorgan….)“

Es seien die Asiaten, welche Geld zur UBS trügen. Sie wüssten zu unterscheiden zwischen Privatbanking und Investmentbanking.

Auch der Souffleur des Konzernchefs, Kaspar Villiger, wäre das falsche Ziel. Wenn Villiger heute von der FDP, deren Aushängeschild er jahrelang war, quasi geächtet wird, so kommt es mir vor, als schlage man den Sack und meine den Esel. Villiger war Bundesrat. Dann kam er zur UBS. Wer naiv glaubt, der Ex-Bundesrat hätte die UBS umbauen können, ist auf dem Holzweg. Für Villiger gilt wie für alle anderen auch: „Wessen Brot ich ess‘, dessen Lied ich sing!“ Wenn die FDP heute enttäuscht ist, dann ist sie eben ent-täuscht – sie hat sich der (Selbst-) Täuschung entledigt!

  • Es ist ernüchternd festzustellen, dass die sorgfältige Personalauswahl inkl.  Empfehlungen, Leumund, Assessment Center usw. versagt haben. Damit iat u.a. auch einmal mehr bewiesen, dass die Personalauswahl immer auch Lotterie bedeutet, der man mit den besten Mitteln nie endgültig begnen kann. Dies gilt nicht nur für „autorisierte Zocker“, sondern generell.
  • Es ist ernüchternd festzustellen, dass sämtliche Kontrollen, und deren soll es eine Fülle geben, versagt haben.
  • Es ist einmal mehr ernüchternd festzustellen, dass Erfolg und Niederlage eng nebeneinander liegen.

Angenommmen, die Spekulation wäre aufgegangen. Was wäre dann gewesen? Nun, der Händler wäre für sein erfolgreiches Wirken üppig belohnt worden und es hätte ein saftiger Bonus heraus geschaut. Niemandem wäre es in den Sinn gekommen, das alles hätte etwas mit Kriminalität zu tun! Aber jetzt ist es passiert und der Mann ist verhaftet. Sein Luftschloss ist in sich zusammen gefallen, das Leben in Saus und Braus auf Kosten anderer scheint zu Ende zu sein.

Es werden jetzt Sündenböcke gesucht, und auch welche gefunden. Es werden jetzt alle möglichen und unmöglichen Ratschläge erteilt.

Bei allem Eifer geht vergessen, dass es schlicht und einfach um Anstand geht, den Anstand, eine Arbeit fehlerfrei zu erledigen. Und es geht schlicht und einfach darum, dass sich gewisse Leute von der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft verabschiedet haben. Sie begründen dies damit, dass man in der Schweiz gleich lange Spiesse haben müsse, wie etwa in den USA oder in England, mitunter auch, dass man auf dem gleichen kriminellen Stand sein müsse!

Es wird behauptet, die 2008 vom Staat gerettet Bank UBS (68 Miilliarden Franken!) hätte gegen diesen Staat agiert, indem Sie gegen den Franken gewettet habe. Sollte sich diese Behauptung bewahrheiten, ist es verständlich, warum kriminielle Elemente in diesem unternehmerischen Umfeld Platz gefunden haben und finden. Der Reiz an kurzfristigen Erfolgen wird sich die UBS je länger, desto weniger leisten können. Wir werden sehen, was Axel Weber, der Nachfolger von Kaspar Villiger erreichen wird. Und ob dieser nach der Geige der FDP-Wünsche tanzen wird, kann man wohl vergessen. Die UBS wird bald „deutsch“ geführt. Eine Überführung in die Deutsche Bank nach dem Modell Swiss-Lufthansa wird es wohl kaum geben, und wenn, was dann?

Die UBS hat zwischen 2008 und 2010 ca. 380 Mia Franken an Kundengeldern verloren. Keine Kleinigkeit. Grübels Ehrgeiz, als Grossbank wieder zu sein wie früher, musste offenbar mit grossen Risiken und Gratwanderungen erkauft werden. Da ist nun einer auf dem Grat ausgerutscht! Wann triffts noch weitere?

„(…) «Wir konnten den Betrug nicht kontrollieren», sagte Grübel auf die Frage des Journalisten, warum er denn Geschäfte führe, die nicht kontrollierbar seien. Diese Geschäfte seien eben Teil ihres weltweiten Aktienhandels. Und die UBS sei darin die Nummer 1.  …)“

Im Tagi gelesen:

„(…) Das «Wall Street Journal» weist darauf hin, dass der Handel mit den entsprechenden Sicherungspositionen, sogenannten Exchange Traded Funds ETF in Europa ungenügend kontrolliert sei. Diese würden nicht wie in den USA öffentlich an den Börsen gehandelt, sondern in vielen Fällen bilateral mit einer Gegenpartei, die nicht mit ihrer Identität auftreten müsse.  …)

Ist man auf dem alten Pfad, der in den USA zum Desaster führte einfach weiter getrampelt in der Annahme, damals seien exogene Faktoren massgebend gewesen? Wäre dem So, dann wäre die Dienstreise nach Singapur für Grübel die letzte gewesen.

Was die Arroganz bewirkt, hat der GIC, der Staatsfonds in Singapur  erfahren. Die 2007 in die UBS gesteckten 11 Milliarden aus den Staatswährungsreserven (Volksvermögen) sind wegen des Aktienkurszerfalls heute gerade noch 2,5 Milliarden wert! Der Staatsfonds finanziert u.a. die alte Bevölkerung (Pension).

«Langfristige Investition»

„(…) GIC, der grössere der beiden Singapurer Staatsfonds, sieht sich derweil zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. In einer Erklärung wurde soeben betont, Verluste, die man als Folge des bei der UBS eingegangenen Engagements erlitten habe, seien durch «gute Investitionsentscheide» wettgemacht worden. Aus der Retrospektive betrachtet, sei der Zeitpunkt des Kaufs nicht optimal gewesen, räumt der Staatsfonds ein. Die GIC-Spitze reagierte vermutlich auch auf Kritik einer regierungsnahen Zeitung. Es wurde im Nachgang zum wohl betrügerischen Vorgehen des UBS-Händlers Adoboli kritisiert, der Staatsfonds lasse die Öffentlichkeit über Positionen des GIC-Portfolios im Dunkeln. …
 
Angesichts des Kurszerfalls der UBS-Aktie ist die Beteiligung von 6,4% derzeit rund 2,5 Mrd. Fr. wert, was in Singapur gelegentlich bissige Kommentare hervorruft. So wurde geargwöhnt, der Fonds habe die Währungsreserven der Republik zu riskant angelegt. GIC betont derweil, Aufgabe des Fonds sei es, über einen Anlagehorizont von 20 Jahren Gewinne zu erzielen. Trotz dem unerwarteten Verlust bezeichnet GIC die UBS als gut kapitalisierte Bank mit fundamentalen Stärken, vor allem im Wealth-Management…)“ (NZZ 21. 9.11)

In der Diktatur Singapur mehren sich Stimmen für mehr Transparenz!

„(…) ….Nun fordert der Leserbriefschreiber Chua Soo Kiat in der Zeitung «Today Online», dass die GIC ihre UBS-Positionen genau offen legen soll. Das ist ungewöhnlich für Singapur, wo selbst in den Medien ein anderes Selbstverständnis als etwa in Westeuropa herrscht.

Im Gegensatz zu den beiden anderen staatlichen Instituten, welche das Vermögen von Singapur verwalten, die Monetary Authority of Singapore (MAS) und Temasek Holdings, würde GIC ihre Positionen nicht transparent ausweisen.

«In Anbetracht des Wertverfalls der Investitionen in westliche Banken wie die UBS wird es schwieriger, von den Singapurern zu erwarten, dass sie die Nicht-Offenlegung von GIC akzeptieren», kritisiert Kiat. … ( finews.ch, 19. 9. 11)

Der dumme Mann von der Strasse ist nicht kompetent genug, das zu verstehen…

„(…) «Die Menschen wollen wissen, warum GIC in UBS investiert hat, warum zu jenem Zeitpunkt und wie sie für die Zukunft rechnen», sagt ein Journalist in Singapur gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz. GIC investiert die Devisenreserven des Staates. «Die Bürger haben ein Recht zu erfahren, wie das Geld verwaltet wird», sagt der Mann. Seinen Namen will er nicht nennen, «GIC ist in Singapur ein sehr sensibles Thema».

… «GIC muss seine Positionen nicht offenlegen, das würde seinen Konkurrenzvorteil gegenüber anderen Staatsfonds schmälern», schreibt Kho. «Der Mann auf der Strasse ist daran nicht interessiert, und er ist auch nicht kompetent genug, das zu verstehen.»…)“  (Tagesanzeiger, 21. 9. 11)

Würde der dumme Mann von der Strasse derart haushalten, wäre er längst bevormundet. Soe wie dem GIC ergeht es auch den Pensionskassen. Sie werden systematisch geplündert. Daher einmal mehr: „Schützt uns vor den „Gross-) Banken!“

„(…) Fehlerfrei zu arbeiten ist (trotz der Erkenntnis, dass Irren menschlich ist) keine Hexerei, sondern Frage primitiven Anstandes.
In der Industrie hat sich die sonderbare Gepflogenheit eingebürgert, dass es „zulässig“ ist und als durchaus normal gilt, einen bestimmten Anteil an Ausschuss zu erzeugen, das heisst also, einen Teil seiner Arbeit aus Faulheit, Unachtsamkeit, Gleichgültigkeit usw. falsch zu machen. Wenn die Ausschussquote in den letzten Jahren auch stark zurückgeschraubt wurde, so ist es immer noch unverständliche Tatsache, dass man einem Mitarbeiter (selbst einem Facharbeiter, der viele Jahre gelernt und mehrere Prüfungen abgelegt hat) trotz seines Berufsstolzes einen gewissen Prozentsatz fehlerhafte Arbeit, die entweder kostspielige Nacharbeit verursacht oder gar verschrottet werden muss, zubilligt. …)“

Das Zitat von Joseph M. Wallner trifft voll auf die riskanten Finanzgeschäfte zu, wenn auch etwas abgewandelt.

Die UBS-Mächtigen treffen sich in Singapur, um sich neue Strategien zu geben und Personalentscheide zu treffen. Angesichts des grossen Verlusts sollte man ihnen raten, sich in einem Hawker Center zu verköstigen. Für umgerechnet 4-6 Franken kann man eine gute Hauptmahlzeit geniessen – Schweinsmagen und Fischaugen inbegriffen.

„(…) A hawker centre or cooked food centre (Chinese: 小贩中心 or 熟食中心) is the name given to open-air complexes in Hong Kong, Malaysia, Singapore and Riau Islands housing many stalls that sell a variety of inexpensive food. …)“

Regisseur Oliver Stone zur Frage: „Was ist der Ursprung dieser Casino-Mentalität?“

„(…) …Das begann, als die sogenannten Investmentbanken zu Geschäftsbanken wurden. Und die Geschäftsbanken, die das Fundament unserer Gesamtwirtschaft bilden sollten, begannen das Spiel der Hedgefonds zu spielen und mit immer größeren Summen Geldes zu spekulieren. Nicht nur aus Gier, sondern auch aus Neid. Die Banker konnten schwer mit ansehen, wie Hedgefonds-Manager 20, 30, 40 Millionen Dollar pro Jahr an Gehalt einsteckten. Und Gier plus Neid ist gleich Wahnsinn. Wobei diese Tendenz auch viel mit Ihrem Land zu tun hat – um es mal zugespitzt auszudrücken. …)“ Quelle: WIWO: …Die Wall Street war das Herz des Dollar“…

Es wäre an der Zeit, dass die Politik alles daran setzt, dass das Volk vor den (Gross-) Banken geschützt wird. Und es ist an der Zeit, dass man dem Mann auf der Strasse klaren, verständlichen Wein einschenkt.

Oswald Grübel hat mit seinem Rücktritt vom 24. 9. 11 eine Meisterleistung vollbracht und Rückgrat gezeigt – sofern es zutrifft, dass der Verwaltungsrat der UBS voll hinter ihm stand! Zweifel sind gestattet und VR-Prääsident Kaspar Villiger kann oder will nach aussen Geschlossenheit verbreiten. Es ist also gut möglich, dass alles so falsch ist, dass sogar das gegenteil nicht stimmt. Mindestens der Ehrenpräsident hat Uneinigkeit angedeutet. Mit seinem Rücktritt hat Grübel Blocher recht gegeben, der in solchen Fällen vom „Chef“ Konsequenzen verlangt. Er hat den Ehrenpräsident der UBS, Nikolaus Senn bestätigt, der monierte, dass sich Grübel nicht halten könne. Und er hat Kaspar Villiger und dem Verwaltungsrat deutlich gezeigt, wer bis zum 24. 9.11 Chef ist, und wer Chef war. Er blieb Chef bis zuletzt. Der VR wäre zu einem „Wischi-Waschi-Abgang in „Raten“ bereit gewesen! Man wollte also am geborenen Händler, der eigentlich Banker hätte sein sollen, und an dessen Strategien festhalten. Grübel hat es ihnen vermiest, die Kurve zu kratzen!

Aus dem Personalblog:

14. 09. 2011: Die Pensionskassen werden auf dem Buckel der Lohnempfänger saniert

27. 03. 2007 Ziel: fehlerfreie Arbeit

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2 thoughts on “UBS-Debakel – eine Frage des primitivsten Anstandes”

  1. @ SMS – „Wir wollen der arg gebeutelten UBS (Unfreundlichste Bank Schweiz), obwohl hauptsächlich sebstverschuldet, nicht noch einen oben drauf hauen – ubs!.

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