Höhenkrankheit

Ursache: u. a.  Unterversorgung des Gehirns und anderer Körpergewebe mit Sauerstoff. Mehr dazu: Höhenkrankheit

Als junger Segeflieger, wusste ich realtiv wenig über die Auswirkungen des Sauerstoffmangels. Noch als Flugschüler begleitete ich meine Kollegen Aschi Z. und Albert C. in ein Segelfluglager nach Samaden. Obwohl schon Mitbesitzer des Moswey IIa, HB-309, durfte ich wegen der noch geringen Flugerfahrung damit dort noch nicht selbst fliegen. Folge verantwortlichen Handelns meiner Kollegen! Ich war also Küchenboy, Einkäufer und Hilfsmann während des Flugbetriebs. Und ich war der „Hofchauffeur“, weil die beiden Kollegen noch keinen Fahrausweis hatten! So war ich Vollmitglied des Teams, nicht fliegend.

Edi Korner (+2018)

Dann bot sich eine ungeahnte Möglichkeit. Kollege Edi Korner hatte es eingefädelt.

Hans Märki; – Bild © Herbert Odermatt

Ich durfte mit Hans Märki in der „Bülacher-Ka7“, HB-677 mitfliegen. Man sagte über ihn, er sei der beste Piperpilot auf der Alpennordseite… Hans glaubte, eine Westwindwelle entdeckt zu haben, die er ansteuern wollte. Der Windenstart erfolgte um 15:55 Uhr am 14. 07. 1961. Höhengewinn im Hangaufwind am Muottas Muragl, dann am Schafberg über der Segantinihütte. Schon bald steuerte Hans Richtung  St. Moritz und im Gebiet über dem Stazer See fand er Aufwind, den er zuerst kreisend nahm um bald das Segelflugzeug in die Windrichtung zu stellen und das Luv einer Welle praktisch als stehende Objekt zu nutzen. Die Steigwerte waren grossrtig und wir stiessen in für mich unbekannte Höhen auf! Hans fragte nach meinem Befinden. Links von uns etwas tiefer sah ich unseren Moswey. Aschi pilotierte diesen. Und es war auch Ruedi Kunz von der SG Schaffhausen im Ka 6 in der Nähe. Auch die Langenthaler waren präsent. Hans gab mir Rechnungsaugaben auf um zu prüfen, ob ich noch richtig „tickte“. Wir stiegen weiter bis zum maximal ausfliegbaren Punkt auf 5900 m. ü. M.! Dann: Nase absenken, Bremsklappen ausfahren und so rasch als möglich in wärmere und sauerstoffhaltigere Zonen absinken mit der Absicht, so schnell als möglich zu landen. Die Landung erfolgte um 16:54 Uhr. Der Flug dauerte also ganze 59 Minuten! Die Auswertung der Rechnungsaugaben ergaben ein nüchternes Resultat: Beide machten wir Fehler. Also konnte Hans gar nicht abschätzen wie es mir ergangen war! Nun, wir waren gut gelaunt am Boden und ein weiterer Pilot konnte mit der Ka 7 seine Glück versuchen. Ich hatte meine Lektion bekommen! Sie sollte sich einprägen!

Im gleichen Jahr kam Karl Suter auf mich zu. Er hatte schnell auf „Zwei“ gezählt. Wenn ich mit unserem Ford Fairline Jg. 1948 und er mit seinem S-16 II, HB-418…. Dann … Ja, ich hatte noch Ferienguthaben. Wir fuhren gemeinsam ins Lager und ich durfte dort mit dem S-16 II als Schüler fliegen. Es war am 25. 08. 1961. Ein Fluglehrer überwachte mich, doch als ich seine Unterschrift wollte, war er bereits seit längeren abgereist…

1962 waren wir wieder im Lager in Samaden. Ich nahm stets den Barographen mit und bemühte mich in die Höhe zu kommen. Bis 4500 m. ü. M. schaffte ich es. Dafür gelang mir der 50-km- Flug für das

Samaden, erster Flug mit Moswey IIa, HB-309, hinten Piz Palü, Bernina, Piz Roseg, Bild Mitte: Morteratsch Gletscher; – Bild © Herbert Odermatt

Silber-C am 16. August. Das geflogene Dreieck: Zuoz-La Diavolezza-Piz Nair-Zuoz. Ich brauchte dafür 3 Std u u.13 Min.! Strecke: 54 km. Keine aufregende Leistung! Im Lager flog ich ca. 18 Std auf dem Moswey und dem S 22 HB-276 „Hero“. Die Ausbeute war gut, wurde mir doch am 31. Augut das Silber C, FAI D Nr. 669 durch den AeCS erteilt. Der damalige Zentralsekretär Edi Della Casa persönlich unterschrieb das Dokument.

1963 nahm ich an einem weiteren Lager in Samaden teil. Vorher hatten wir jedoch noch Strapazen zu überwinden. Beim Überflug des Spyr Va, HB-509 landete ich in Chur anstatt in Samaden. => Aussenlandung in Chur.

Bald kam Hans Märki angefahren und ich witterte Höhenflüge. Bezüglich Sauerstoff und Flugtraining glaubte ich, dass ich für den Leistungsflug „geeicht“ sei. Später stellte es sich heraus, dass ich zwar ziemlich „höhenfest“ war, doch die sichere Höhe musste ich weit nach unten korrigieren.  Ich hatte bereits wieder um die zehn Stunden im Engadin herum geflogen. Am 09. 07. 63 ging ich auf „Pirsch“. Es waren deutsche Segelflieger mit bestem Flugmaterial (von der Ka 8 aufwärts) in der Luft und ihr „Radio“ belegte die Frequenz zu über 90 %! Ich hatte einen“Gauer“-Radio, mit dem das Flugfunkband abgehört werden konnte. So erfuhr ich, was wo lief. Die „Germanen“ wundert sich, dass ich jeweil dort erschien, wo auch sie gerade ihr Glück versuchten.

Gold-C-Höhe vor dem Piz Albris, – Bild © Herbert Odermatt

Aber sie irrten herum und ich schlich mich Richtung Piz Albris, wo ich in einen feinen Aufwind kam, den ich konsequent nutzte. Es war speziell. Im Tal, vor einer grossen Cumuluswolke stieg es wie am Hang. Ich verharrte und stieg, offt nur eine oder zwei Zeigerbreiten angezeigt am Variometer! Ich brauchte kaum zu kreisen. Anfänglich etwas, dann genügte ein Aufkreuzen und weiter oben konnte ich den „Mösel in den „Wind“ stellen. Als das Steigen ausgereizt war leitete ich den Abstieg vor, denn es war auch kalt und speziell warme Kleider trug ich nicht! Der Flug dauerte 2: 57 Std. Die Auswertung der „trockenen Welle“ wie ich sie damals bezeichnete ergab eine Überhöhung von 3350 m. Die Ausbeute des Lagers war sehr positiv. Neben der „Gold-C-Höhe“ kamen ca. 15 Flugstunden im hochalpinen Gebirge dazu. Enthalten war ein Flug mit Brigitte von 3 Stunden und ihr endgültiger Befall durch den Fliegervirus!Bald ging es ab in die Rekrutenschule nach Payerne. Ich wurde als Flugzeugwart DH – 112 Venom ausgebildet.

DH – 112 Mk 1, Venom; – Bild © Herbert Odermatt

Das Thema Sauerstoffanlage gab der berühmte Instr Adj Vogt. Kamen die jungen Zugführer beim Anmelden zu spät ging er nicht sehr zimmperlich um mit ihnen. Erief dann unbeschwert aber deutlich: „So chömed e mal ihr Polybrüder…!“ Während der Theorie „Sauerstoff“ stellte er folgende Frage in den Raum: „Wänn gseht de Pilot, dass er Suurstoff brucht?“ Ich wollte ihn auf das veränderte Farbsehen hinweisen, das Fingernägel in einem dunkleren Blau erscheinen lässt (Er meinte, man sähe es am Blinker). Seine Antwort kam sofort: „Dummè cheibe Seich, Pilote hend bim Flüge Handschen aa!“ Peng, Gott straft sofort!

Am 23. Oktober 1966 ging ich auf den 300-Km-Flug für das „PP“ (Führerschein für Privatpiloten). Der Flug führte im Piper Super Cup PA-18  150 (HB-OYD) von Beromünster nach Pruntrutt- Montreux- Beromünster. Es herrschte eine Westwindlage. Der Fluglehrer Paul Moser gab mir zusätzlich den Auftrag, die 300-Meterhöhe, eine Bedingung für das PP, zu erfliegen. Auf dem Rückflug von Montreux erblickte ich im Gebiet vor dem Jaunpass Lenticularis. Ich steuerte direkt darauf zu und als der Zeiger des Variometers begann sich nach oben zu bewegen wusste ich, dass ich am richtigen Ort war. Etwas grob aus der Sicht eines Segelfliegers drehte ich ein und „bohrte“ die Aufwindzone regelrecht aus. Auf etwa 43oo m ü M. beendete ich die „Übung“. Ich verspürte ab etw 3800 m Herzklopfen mit höherem Puls und hatte etwas Kopfweh. Ich schrieb dies Abgasen zu, die in die Kabine eindringen konnten. Man konnte sie riechen. Vielleicht war auch ein wenig Kohlenmonoxid dabei. Es folgte ein ereignisloser Rückflug nach „Bero“. Ich konnte die Nase Richtung Mitte des Mittellandes einstellen und mit 2350 U/min warten bis der Flugplatz in Sicht war! Der Flug dauerte 46 Minuten!

„3000er“ f. Führerausweis für Privatpiloten, Westwindwelle vor dem Jaumpass, Flz: Piper Supercub, HB-OYD; – Bild © Herbert Odermatt

Paul Moser war ausser sich, als er mein Barogramm sah. Er trommelte seine Motorflugschüler zusammen und machte „Reklame“ für mich! Es folgten viele Flüge, die mich längere Zeit in Höhen über 4000 m. ü.M. „herumdustern“ liessen. Es gab nie etwelche Probleme. Irgend wann fühlt man sich geeicht oder schier als unsterblich in falscher Sicherheit…! Das Militär erlaubte damals Flüge ohne Sauerstoff bis max. 3000 m. ü. M. Sollte man in diese Höhe vorgestossen sein bzw. sie überschritten haben, durfte am gleichen Tag nicht mehr geflogen werden. In den Weiterbildungskursen des Luftamtes war das Thema O2 auch behandelt worden und innerhalb der SG Nidwalden machten wir uns früh daran, das Thema zu bearbeiten. Es kam einst der Sauerstoff-Speziakist Hiltbrunner von der DMP Dübendorf. Er lehrte vor allem den technisch korrekten Umgang mit O2-Geräten, erklärte den Farbcode auf Gasflaschen. Heute gelten EU-Normen. Er erklärte auch, dass verschiedene Gewind zu Einsatz kommen, um keine falschen Anschlüsse zu ermöglichen. Un er wusste von „innovativen“ Mechanikern zu erzählen. So füllte einer die AT 16, welche über eine Niederdruckanlage verfügte mit Hochdruck. Es gab dann einen Knall und die AT 16 war inAls ich Kurse für Flüge unter Instrumentenbedingungen organisierte, aber auch im Zusammenhang mit Föhnflügen, versuchte ich meine Erfahrungen weiter zu geben. Es fehlte lange an finanziellen und materiellen Mitteln!

Am 23. 5. 1969 gelang mir ein inoffizieller 5000-er ab Winde in Buochs mit der K6 E, HB-839 (ohne O2-Anlage). Die erreichte Höhe kratzte an den 6000 m über dem Muotatal! Cami kam mit dem Moswey von einem Flug zurück und meldete eine inoffizielle 3000m-Überhöhung. Ich gab ihm den Barografen, damit er es nochmals versuchen konnte. Ich hatte diese Bedingung ja bereits. Erst nach dem Flug mit der „E“, wusste ich, dass ich den Barografen lieber behalten hätte. Zwei Tage später gelang es mir aber, den Flug offiziel zu vollziehen. Mit einer Überhöhung von 6045 m in der Ka6, HB-601 (14,4 m Spannw.) konnte ich mehr als zufrieden sein! Ich trug eine O2-Maske. Leider war es auf ca. 6800 m aus mit O2! Die max. Höhe betrug 7400 m. ü. M. Bei etwa 4m/sec Steigen musste ich förmlich den Abwind suchen, um schnell genug in tiefere Sphären zu gelangen.

1971 Veröffentlichte das Eidgenössische Luftamt die Schrift „Flugmedizin für zivile Besatzungen“ Autor: Hans Amsler, ehemaliger stv. Chefarzt am Fliegerärztlichen Institut in Dübendorf. Es sei ausserordentlich schwierig gewesen, einen in der Fliegermedizin bewanderten Arzt zu finden, dem es zeitlich möglich war, die Abfassung einer solchen Schrift  vorzunehmen…

Dem Thema Sauerstoffmangel wurde der entsprechende Platz eingeräumt. Zu jener Zeit und bis das Skript unter den Leuten war, hatte ich im „Selbststudium“ bzw. in „Selbsterfahrung“ schon einige Erkenntnisse angeeignet!

Wir schrieben den 6. August 1978. Einmal mehr waren wir in Samaden.  Ein Flug von 6:16 Std in einer leichten Welle trug mich während ca.  5 Stunden  zwischen 5000 und 5300 m.ü.M, in fast liegender Position zwischen dem Roseggtal und dem Morteratschgletscher in der Sonne „baden“.

Elfe 17 A

Die Elfe 17 A , HB-1273 war minimalst ausgerüstet, auch eine O2-Anlage fehlte. Ich fühlte mich wohl da oben. Doch verspürte ich  Hyperventilation und ein deutlich verändertes Farbsehen. Beim Abstieg änderte sich einiges! Ich musste mich stark anstrengen, damit ich sauber flog, die Geschwindigkeiten einhielt und den Flug richtig einteilte und den Luftraum  überwachte. Im Abkreisraum angekommen, musste ich alle Kräfte und Sinne zusammen nehmen um eine korrekte Volte zu fliegen, den Anflug korrekt ausführte und eine saubere Ziellandung hin legte. Dann war der „Pfuus“ draussen. Die Kollegen kamen um zu helfen. Mir erschien, als ginge alles viel zu hastig, obwohl es nicht so war. Als der Uhu endlich verpackt und der Anhänger versorgt war, sagte ich dankend ab um noch auf ein Bier zu gehen. Ich fuhr mit dem Kleinmotorrad Richtung La Punt-Chamues-ch, wo wir ein Ferienwohnung gemietet hatten. Ich kam an, legte mich auf dem Teppich auf den Boden und schlief bis zum nächsten Morgen ohne Unterbruch und bis 9 Uhr! Jetzt hatte ich das Gefühl, dass ich wieder Normalität  erreicht hatte! Meine ewige Begleiterin, die böse Fee „Naturselektion“ liess mich für dieses Mal für diese Dummheit gewähren…

O2 Maske System Demand

Vor ein paar Jahren traf ich den „O2-Papst“ Dr. Heini Schaffner an einem Ausflug der Veteranen auf der Rigi. Wir diskutierten, und fachsimpelten über Streckenflüge und auch über die Wichtigkeit von O2-Zufuhr bei langen Streckenflügen in den Alpen. Er hörte sich meine obige Geschichte an und diagnostizierte den Beginn einer akuten Höhenkrankheit, die ich mir damals eingehandelt hatte! Ich kam auch von selbst drauf. Die Elfe bekam danach einen Mustang P-51 – O2-Regler. Der tat seine Dienste einige Jahre zur vollen Zufriedenheit. Dann ersetzte ich diesen durch einen Regler aus einem Venom.Das Demand-Prinzip war gleich. Dass Dr. med. Heini Schaffner, Alpensegelflieger AFG,ACY, APSV und

O2-Regler P51

alt Anästhesiologen FMH weiss wovon die Rede ist lese man unter. Heini Schaffner: Nullhypoxie (akt. 2011) => Nullhypoxie18red.pdf — PDF document, 2.70 MB. Meine persönliche Grenze legte ich bei 3800 – 4000 m. ü. M. fest. Ab da war die Maske an! Bei längeren Flügen nahm ich auch schon ab 3600 m ü. M. O2! Ab jetzt wurden kaum noch Flüge in grosse Höhen ohne O2 Zufuhr unternommen!

O2-Mangel, Gasblasen (documenta Geigy, „Mensch und Umwelt“ S.62

An Weiterbildungskursen des Luftamtes sowie an diversen Seminarien , organisiert z.B. durch die Fliegerschule Grenchen, sprach es sich schliesslich bis zu uns durch, welche Folgen O2-Mangel haben kann. Im Bild rechts : Röntgenbild der Hände bei „Bends“. Die Pfeileeisen auf Gasblasen im periartikulären Gewebe der Handgelenke. (Nach Burkhardt)

Gefahrenzonen

Interessierte können selbst sehen, ob sie sich stets auf der sicheren Seite bewegten oder ob sie bereits gefrevelt hatten. Wenn das

Aeroembolismus, Stickstoffblasen in Venen bei Versuchstieren (nach Armstrong)

Diagramm angklickt wird, erscheint es grösser! Wer glaubt, besonders höhenfest zu sein, sollte keine falschen Schlüsse ziehen. Nebst dem, dass man einiges ertragen kann, kommt es auch auf die Tagesform an und auch auf die Nahrung, die man vorher eingenommen hatte!

Bei Föhneinweisungen zeigte ich den Piloten auf praktische Weise, wie schnell sich das Gesichtsfeld verkleinerte, wenn die O2-Zufuhr unterbrochen wurde! „Trau keinem über 4000, vor allem nicht dir selber!“

Das Blut im Gehirn muss nicht „zum Kochen“ gebracht werden! Mindestens irreversible Schädigungen können auftreten! Das Spiel mit dem Tod muss nicht sein! Bei Höhenflügen gehört eine Sauerstoffanlage ins Flugzeug! Heut zu Tage ist dies wohl Dank guten Ausbildungsprogrammen meist erfüllt. Segelflugschulen und -gruppen haben sich entsprechend organisiert und bieten entsprechende theoretische und praktisen Hinweise an. Notfalls gibt es das Internet, wo allfällige Fragen beantwortet werden. O2-Anlagen bieten an:  Siebert Luftfahrtbedarf GmbH (DE), Büscher Flugversand, Friebe Flugbedarf u. weitere. Zu Medizinalsauerstoff kamen wir in Spitälern und im neheliegenden Flugzeugwerk.

Ps.: Das Buch  „Mensch & Umwelt“ Nr. 1, von 1956,  Autor PD Dr. med. Klaus Wiesinger +, aus der Documenta Geigy ist nur noch im Antiquariat zu finden.

Dass die Höhenkrankheit schon ab 1600 m ü. M. auftreten kann, wussten wir damals nicht!


Psychopathen – eine gefährliche Sorte von Menschen

Eingebildeter Pfau

Es ist stets bedrückend, wenn nicht Normale auszustehen sind. Es geht die Angst um, wenn ein Serienmörder sein Unwesen treibt, es geht Angst herum, wenn Kinderschänder sich an jenen vergehen, die sich nicht wehren können, Enkeltrickbetrüger die alte Menschen ausnehmen machen es unerträglich, wenn sie nicht gefasst werden. Es ist ebenso bedrückend und unerträglich, dass Psychopathen frei herumlaufen, ihr Unwesen treiben und oft noch in Schutz genommen und belohnt werden.

Was sind Psychopathen und woran werden sie erkannt?

„(…) Ein Psychopath ist ein Mensch ohne Gewissen, Angst, Furcht und Mitleid, was allerdings nicht bedeutet, dass er zwangsläufig ein brutaler Verbrecher sein muss, denn in Wirklichkeit wird das erst durch die Kombination verschiedener Faktoren bestimmt. Also ist dies massgebend, ob ein Mensch als Psychopath zum Gewalttäter wird, zum Schläger, Schikanierer, einfachen oder mehrfachen Mörder, zum Despoten, Tyrannen, mitleidlosen Familiendiktator, zum Terroristen, ausgearteten Militärmachthaber oder Staatsgewaltigen, zum willkürherrschenden Chef einer Sekte, einer Firma, Gruppierung oder eines Konzerns. Ein Psychopath ist ein eiskalt berechnender, herrschsüchtiger sowie egotistisch-egoistischer, selbstherrlicher und egozentrischer Mensch. In überwiegender Zahl sind Männer Psychopathen, während Frauen in dieser Form weniger in Erscheinung treten, wobei jedoch auch viele unter ihnen durchaus nicht vor Psychopathie gefeit sind…

…  Psychopathen sind es, die es schaffen, mehr als die Hälfte aller ausgearteten Unmenschlichkeiten und schweren Verbrechen zu begehen, und das, obwohl sie nur wenig mehr als dreieinhalb Prozent der gesamten Menschheit ausmachen, wobei diese Zahl jedoch in Relation zum Wachstum der Überbevölkerung steigend ist. Das ist unheimlich, wobei jedoch zu sagen ist, dass das Gros der Bevölkerung nicht selten dazu beiträgt, dass Psychopathen überhaupt ihre Ausartungen ausleben können. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn gutgläubig einer religiösen Sekte beigetreten wird, die oft von einer psychopathisch veranlagten Person geführt wird, die ihre Gläubigen unter strenger Fuchtel und Zucht hält und unter Umständen noch sexuell missbraucht. Es ist aber auch dann der Fall, wenn Psychopathen zu Staatsmächtigen, Militärgewaltigen, Gruppen-, Firmen- oder Konzernchefs usw. gewählt und diese angehimmelt und ihnen alle Unmenschlichkeiten und Ungerechtigkeiten durchgelassen und sie nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Auch in bezug auf den männlichen und weiblichen Familiendespotismus, die Familiendiktatur und Familiengewalt ist die falsche Wahl der Partnerschaft zu nennen, weil nicht darauf geachtet wird, wenn der Partner oder die Partnerin psychopathisch veranlagt ist, was dann zwangsläufig zu katastrophalen Familienzuständen führt, bis hin zu Eifersuchts- und Hassszenen, Gewalt und Mord und Totschlag. Der Grund dafür ist, dass das Gehirn des Psychopathen anders arbeitet als das des normalen Menschen …           Merkmale eines Psychopathen :… Natürlich sind dabei bestimmte Psychopathie-Merkmale gegeben, die einander gleichen oder gar gleichartig sind, wie diese z.B. folgend als zwölf besondere Merkmale aufgeführt sind:

  1. Der Psychopath ist zudem ein perfekter hinterhältiger Provokateur und Beobachter, folglich er die Mitmenschen dazu bringt, ihre Regungen sichtbar werden zu lassen. In dieser Weise vermag er deren Bewegungen, Gangart, Körpersprache, Mimik und Schwächen zu entschlüsseln und instinktiv zu erfassen, wie es um sein Gegenüber in bezug auf die Gedanken und Gefühle bestellt ist.
  2. Es ist für den Psychopathen möglich zu erkennen, ob jemand als Kind missbraucht wurde oder gar immer noch sexuell missbraucht wird, ob er selbständig oder anderen hörig ist usw.
  3. Ein Psychopath versteht es durchaus perfekt, gewissenlos schauspielerisch glaubwürdig die schlimmsten Lügen und Verleumdungen in die Welt zu setzen.
  4. Der Psychopath vermag Anteilnahme und Mitleid vorzutäuschen und sich scheinheilig auf die gleiche Stufe seiner Opfer zu setzen.
  5. Der Psychopath hat einen breiten Aktionismus und lässt sich praktisch auf jede Situation ein. In dem Augenblick, in dem er eine Strategie entwickelt hat, setzt er diese auch umgehend in die Tat um, denn langsames Handeln und Langeweile sind ihm ein böser Greuel. Folgedem ist der Psychopath stets auf der Suche nach Abwechslung und nach etwas Neuem, und zwar ganz egal, was etwas kostet und welche böse und negative oder gar lebensgefährliche Konsequenzen es für andere Menschen hat.
  6. Der Psychopath ist skrupellos und kennt kein schlechtes Gewissen, denn er hat weder Gedanken, Gefühle noch Emotionen, die zu gewissensmässigen Regungen führen könnten. Ein Psychopath kann für seine Ideale bedenkenlos seine eigene Familie opfern und Elend und Not über Freunde und Bekannte oder über ganze Völker bringen. Er kann andere Menschen bedenkenlos und ohne zu zögern ausrauben, bestehlen, betrügen, hintergehen oder ermorden, ohne auch nur die geringste gewissensmässige Regung zu haben, denn grundsätzlich ist sein Fokus ausschliesslich auf seine eigenen Interessen und auf sein eigenes Wohl ausgerichtet.
  7. Der Psychopath pflegt eiskalte Überlegungen und ist selbst eine eiskalte Natur, was er hinter einem perfekt gespielten Wesen von Charme, Aufrichtigkeit, Nettigkeit, Geselligkeit und Verständigkeit usw. versteckt, folglich sein Psychopathie-Wesen in der Regel von den Mitmenschen nicht erkannt wird. Diese Maskerade bricht erst dann zusammen, wenn er als Psychopath entlarvt wird, wenn diese nicht funktioniert oder wenn er sein wirkliches Ziel erreicht hat. Als Psychopath hat er die Eigenschaft, alles, was er auch immer angeht und unternimmt, zur Perfektion zu bringen.
  8. Der Psychopath ist ein extremer Manipulator, der es ausgezeichnet versteht, seine Mitmenschen psychologisch durch Überreden zu manipulieren. In der Psychologie sind dafür vier Code-Formen bestimmt worden: 1) Kontrast-Code, 2) Pacing-Code, 3) Lügen-Code, 4) Zensur-Code.

Die eine Manipulation geschieht in der Regel durch den sogenannten Kontrast-Code, dies, indem der Psychopath seinem Gegenüber das, was er von ihm wirklich will und sich wünscht, letztlich als das kleinere Übel darstellt. So kommt es z.B., dass wenn er etwas fordert, dass er das dann in viel grösserem Mass tut, als er es wirklich will; und dessen wohlbewusst, dass der andere nicht darauf eingehen wird. Auf diese Art der Mehrforderung jedoch kann er dann seine Forderung auf weniger reduzieren, folglich ihm das dann als ‹kleineres Übel› gewährt wird, was er wirklich wollte.

EIne weitere Form, der Pacing-Code, funktioniert derart, dass der Psychopath die Aussagen, Sorgen und Wünsche usw. des Mitmenschen widerspiegelt resp. diese betrügerisch auf sich selbst spiegelt und damit eine tiefe Anteilnahme vorgaukelt. Das hat den Effekt, dass der Mitmensch sich verstanden fühlt und den Psychopathen als engen oder gar engsten Vertrauten wähnt. Damit hat dieser alles gewonnen und lenkt mit nur für ihn intentionalen ‹guten Ratschlägen› usw. sein Opfer wie einen Hund an der Leine. Das bedingt aber, dass er alles und jedes über sein Opfer weiss, folglich er es auf fiese Art und Weise aushorcht, bis er alles Notwendige weiss. Und dazu, wie das geschieht, gibt es ein gutes Beispiel bei jenen verantwortungslosen ‹Lebensberatenden› und ‹Hellsehenden›, die in ‹Lebensberatungssendungen› im Fernsehen tätig sind oder in Zeitungen und Zeitschriften ihre angebliche Weisheit inserieren. Tatsächlich horchen sie jedoch zuerst ihre ‹Lebensberatungs-Suchenden› nach Strich und Faden aus, um ihnen dann ‹gute Ratschläge› und ‹Weissagungen› darauf zu geben, was unbemerkt aus ihnen herausgelockt wurde. Beim ganzen hinterhältigen Spiel muss der Psychopath jedoch stets streng darauf bedacht sein, nicht zu übertreiben, denn eine einzige falsche Behauptung oder Reaktion kann alles platzen lassen.

Der Lügen-Code beruht darin, dass der Psychopath dem Mitmenschen sagt, was nötig ist, um diesen zu manipulieren. Rein religiös-glaubensmässig gesehen, geschieht dies z.B. durch jeden Sektenboss, der seinem gläubigen Schäfchen all das verklickert, was dieses zum Wahngläubigen macht. Da der Psychopath sehr gut falsche Gefühle vorgaukeln kann, wirkt er damit auch ungeheuer überzeugend. Die Eigenart dabei ist jedoch, dass er bei seinen Lügen immer gelassen bleibt und streng darauf bedacht ist, nicht zu übertreiben, weil sonst das Spiel auffliegen könnte. Eine Besonderheit ist beim angst- und furchtfreien Psychopathen die Tatsache, dass für ihn das gewissenlose Lügen das einfachste Mittel der Welt ist, um die Mitmenschen in seinen Bann zu schlagen. Das aber ist kein Wunder, denn als notorische resp. pathologische Lügner tun sie nichts oder kaum etwas anderes.

Der sogenannte Zensur-Code zeigt das manipulative Verhalten des Psychopathen auf und ist in Wahrheit eine wahre Kunst, durch die er den Mitmenschen völlig von sich abhängig macht. Dabei geht der Psychopath so vor, dass er z.B. verhindert, dass sein Opfer Informationen nicht von anderen Menschen, sondern nur von ihm selbst erhält. Er geht dabei in radikaler Weise vor und zensiert alles, was an sein Opfer von anderen Quellen herantreten kann als von ihm selbst. Dabei werden durch den Psychopathen andere Menschen beim Opfer schlecht gemacht und in ein böses Licht gerückt, wobei nicht selten auch Intrigen, Lügen und Verleumdungen gegen Mitmenschen des Opfers aufgebaut werden. Der Psychopath tritt dann in der Regel als ‹Retter in der Not› in Erscheinung und spielt seinem Opfer alles so vor, dass dieses nur noch ihm vertraut. Das ist dann der Moment, in dem das Opfer umfänglich vom Psychopathen mit ‹guten Ratschlägen› usw. gesteuert wird, die nur ihm selbst dienen und letztendlich das Opfer in Not und Elend sowie ins Abseits und in Nachteile treiben – letztendlich unter Umständen auch in einen psychischen Zusammenbruch.

Rein psychologisch gesehen gibt es natürlich noch diverse andere Formen als die beschriebenen, denn des Menschen diesbezügliche Möglichkeiten sind tatsächlich praktisch unbegrenzt. So ist es in Tat und Wahrheit auch so, dass der Psychopath selbst kleinste Gesten und Bewegungen des Gegenübers zu lesen und zu entschlüsseln versteht, folglich er auch die Gedanken und Gefühle der anderen erfassen und verstehen kann, was dann skrupellos und manipulativ ausgenutzt wird. Schauspielerisch wird dabei Anteilnahme vorgeheuchelt, was in der Regel jedoch nur dazu dient, Vertrauen zu gewinnen, das dann schmählich missbraucht wird, indem die Mitmenschen nach Belieben gesteuert, betrogen und ausgenützt werden und stets genau das tun, was der Psychopath will.

  1. Die Aufmerksamkeit des Psychopathen ist stets hochkonzentriert; dabei kann er alle anderen ab lenkenden und störenden Faktoren in seinem Gehirn abschalten oder einfach ausblenden, um sich darauf konzentrieren zu können, womit er sich momentan beschäftigt. Wird eine Aufgabe oder sonst etwas erledigt, dann wird spezifisch jedes Detail im Auge behalten und zum eigenen Vorteil genutzt. Diese aussergewöhnliche Konzentration lässt erst dann wieder nach, wenn das vorgenommene Ziel erreicht ist.
  2. Der Psychopath ist geradezu unheimlich selbstbewusst und selbstbezogen, folglich er den Mitmenschen gegenüber mit jeder seiner Gesten und Worte seine Überlegenheit zum Ausdruck bringt, folglich kommt bei ihm Bescheidenheit in keiner Art und Weise in Frage. Wenn er in irgendeiner Form eine Führungskraft ist, egal wie und wo auch immer, dann legt er eine aussergewöhnlich klare und kaltblütige Bewältigung bei auftretenden Krisensituationen an den Tag. Also fällt er nicht in Panik, sondern beweist wie kompetent er ist, was sich aber nicht nur im positiven Fall erweist, sondern auch im negativen, wobei dann auch seine Herrsch- und Machtsucht sowie unter Umständen auch seine Grausamkeit offen zur Geltung kommen.
  3. Der Psychopath weist eine geradezu beängstigende Belastbarkeit auf, und er kennt weder Angst noch Furcht, und zwar ganz egal, ob er sich in einer ausweglosen Lage befindet, ob er gerade in einen tiefen Abgrund abzustürzen droht, ob er bedroht oder gefoltert wird, oder ob er vor dem Henker oder vor einem Erschiessungskommando steht. Die drohende Gefahr als solche wird vom Gehirn des Psychopathen überhaupt nicht wahrgenommen, folglich er praktisch in jeder Beziehung ungeheuer belastbar und stressresistent ist. Das führt beim Psychopathen auch zu einem extremen Optimismus, wodurch selbst Niederlagen ihn von seinem einmal begonnenen Tun nicht abhalten können, weil er glaubt, immer siegreich zu sein. Alles führt aber auch dazu, dass er gegen psychologische Drohungen, Tricks und Tests usw. völlig unempfindlich ist und daher stur einmal festgelegte Pläne unerbittlich weiterverfolgt.
  4. Da der Psychopath gewissenlos ist, kennt er weder Gnade, Reue noch Vergebung, folglich er seine Opfer auch bedenkenlos und ohne jegliches Mitgefühl bis aufs Blut ausnützt und quält und sie durch Schikane in schwerste psychische Störungen und Krankheiten und unter Umständen gar in einen Zustand drohenden Wahnsinns oder in den Selbstmord treibt. Durch solche psychopathische Machenschaften, die jeder Menschlichkeit entbehren, werden Familien, Freundschaften und Arbeitsverhältnisse ebenso zerstört wie auch Firmen und Konzerne, wobei nicht selten auch Kriege hervorgerufen werden, die Elend, Not, Tod und Zerstörung über Millionen von Menschen bringen. )“ Aus der Quelle.

In der kleinen Welt sind die Opfer Bürger einer Gemeinde, Mitglieder eines Vereins oder Nachbarn. Am schlimmesten ist es, wenn sich ein solcher Unhold in einer Familie mit einer Psychokeule um sich schlägt. Wenn Ihnen eine solche Person begegnet ist, dann müssen Sie sie auffliegen lassen und zwar je schneller, deto besser. Und scheuen Sie sich nicht allefalls fremde Hilfe zu beanspruchen!

Im Gegensatz zu h Billy hat der Unhold wohl ein Gewissen. Prof. Dr. Max Lüscher (+) sagt dazu:

Das ptahologische Gewissen des Unholds

„(…) Nicht nur Laien, sondern auch Psychologen, Psychiater und Richter, die das autoregulative System der Psyche nicht kennen, stehen oft verständnislos vor den Verbrechen und Untaten der Unholden. Haben beispielsweise Lustmörder, chronische Sexualverbrecher, mordende Diktatoren oder Amokläufer, die wir als unmenschlich und gewissenlos empfinden, kein Gewissen? Haben sie keine Ich-Bewusstheit, obwohl sie ihre Verbrehen und Untaten wohl überlegt vorbereiten?

Der Unhold hat nicht nur ein chronisch schlechtes Gewissen. Das Gefühl der Ausweglosigkeit ist beim Amokläufer offensichtlich. Unholde sind sich ihres unterdrückten pathologischen Gweissens nicht bewusst, doch das Gewissen wirkt, wie auch andere Naturgesetze, unbewusst. Es ist für den Unhold eine Notwendigkeit, das Gewissen ständig so sehr zu unterdrücken, dass es nicht bewusst werden kann. Darum ahnt er auch nicht,  dass sein Pathologisches Gewissen die unbewusste Motivation seines grausamen Handelns ist. Er wird zum Unhold, gerade weil er dem Gesetz des Gewissens untersteht. Das pathologische Gewissen ist die Ursache, die unbewusste Motivation für das grausame Verbrechen bzw. die grausame Untat. Um das zu begreifen, muss man die Psyche als autoregulatives System verstehen.

Unholde mit ihrem rücksichtslosen Anspruch auf völlige Macht und Omnipotenz müssen nicht nur Gegner, sondern jeden Andersenkenden fürchten. Sie fühlen sich heimlich ständig bedroht. Darum tun sie alles um sich zu schützen, und ermorden, und sei es „nur“ Rufmord, jeden, der sich ihnen nicht bedingungslos unterwirft. Je grösser  der Anspruch auf rücksichtslose Macht ist, desto grösser ist die Angst sie zu verlieren. Die Angst vor Bedrohung ist die heimliche Motivation, die als Gegenpol die brutale Macht auslöst.

Nur weil der Mensch ein Gewissen hat, nur weil er dem „moralischen Gesetz in mir“ (Kant) unterworfen ist, kann er zum Unhold, zum grausamen Wesen der Natur entarten.
Unholde handeln unter Zwang, denn das autoregulative, psychische System ist ein zwingendes Gesetz…)“

Das Pathologische Gewissen dauerhaft unterdrückt, führt im Extremfall zur Implosion: Jemand bringst sich um, oder es explodiert: Jemand bringt jemand anders um. In weniger krassen Fällen zeigt es sich in blinder Wut und Zerstörung.

Dem Grün-Typ etwas hinter die Fassade geguckt (Idol-Rolle): Selbstunsicherheit ist ein unerträglicher Zustand. Alles was Sicherheit, Festigkeit, Beharrung und Dauer gewährleistet, ist vermeintlich geeignet, die eigene Unsicherheit aus dem Felde zu schlagen. Alles, was man in Besitz nehmen und sein eigen nennen kann, soll im wesentlichen einem selbst, zugleich aber auch allen Zuschauern bestätigen, dass man wenigstens das ist, was man vorzeigen kann. Darin liegt freilich der Irrtum, denn aus dem, was man hat, kann man sich nur fragwürdige Selbstbestätigung vorspiegeln, aber kein Selbstvertrauen schöpfen. Die Selbstbestätigung – in stetem Gegensatz zum Selbstvertrauen, bedient sich aller Formen des festen Besitzes, am liebsten als materielle Festigkeit, vom dicken Bauch bis zum „dicken“ Vermögen. Der Selbstbestätigung dient aber auch der Besitz einer (eigenen) Ideologie, die man sich zu „eigen“ gemacht hat, um sich mit ihr wichtig zu fühlen. Die Erfolgschancen hängen weniger von einer besonderen Fähigkeit ab, als von der eigenen Cleverness, die auf dem Meinungsmarkt gefragte, zugkräftige Rolle für sich in Anspruch zu nehmen und zu wissen, ob der Trend politisch engagierte, moralische Mucker oder obszöne Literaten verlangt und ob zur Zeit pathetische, romantische oder destruktive Kunstblüten, ob Hippies oder Zivilisationslakkaien besser ankommen. Ankommen ist alles, Geltung um jeden Preis, bis zur Selbstpreisgabe. Jedes Imponiergehabe – als Balztanz, als Modegag, oder im Sportwagencabrio – will einen nachhaltigen Eindruck machen.

Um noch einen obendrauf zu hauen wird ein akademischer Titel angestrebt um seine Position zu sichern. Man kann es einfacher haben: Mit (scheinbarer) Pflichterfüllung, Moralismus und falscher Bescheidenheit kann man das Pfauenrad schlagen. Die Arroganz schlägt sich in Intoleranz, wisenschaftlichen Modemeinungen und starren Grundsätzen nieder. Hinter dieser Maske finden wir geistige Sturheit, Rechthaberei, Besserwisserei, Pedantismus, Moralismus. Der Zwangstyp stellt den hilflosen Ich-Invaliden dar, der sein Machtbedürfnis unter dem „geheiligten“ Deckel der Ordnung versteckt. Obwohl der Dominierdrang das Grosse liebt, wie der General die Armee, gibt es auch kleiner Nummern. Wem die kleinen Imponier-Rolle des autoitären Schulmeisters nicht genügen, weil sein Minderwertigkeitsgefühl stärkeres Doping verlangt, greift nach einer höheren, überindividuellen „Ordnung“ (oder Keule). Er identifiziert sich mit einem (seinem) ideologischen Prinzip. Das kümmerliche Ich, diese hässliche Raupe verpuppt sich in einen „Ismus“ und entfaltet sich als prächtiger Schmetterling. Das in irgend ein ideologisches Prinzip gesteckte Ich putz sich mit einer geistigen Uniform zu einem übmächtigen Wir heraus: Wir Akademiker, wir Pädagogen, wir die einen osteuropäischen Staat gesehen haben, wir Jungen, wir…. Statt schlicht zu sagen: „Du gehst nicht auf meine Wünsche ein….! Der Grüntyp ist der gespannteste, beharrlichste, und unbeeinflussbarte. Das macht es ihm besonders schwer, die Rolle der Selbstbestätigung abzulegen, sein eitles Ich über Bord zu werfen um sich spontan dem anderen offen zuzuwenden.

Es kann auch anders ausarten: Ein provozierender Teufel wird zum Provokateur. Selbstgefühl: Unzufriedenheit, wichtigtuerische Selbstübersteigerung; Verhalten: Unruhe, Agitiertheit, herausfordernd um um Auseinandersetzungen in Gang zu bringen und die beziehungslose Leere, die Langweile, die resonanzlose Isoliertheit und die Unbefriedigtheit abzuwehren. Es ist Rache, wegen der unbefriedigender Zuwendung oder wegen einer Zurückweisung.

Noch einmal Unholde bzw. Psychophaten muss man so schnell als möglich, entlarven, enthöseln und auffliegen lassen!

Quellen:

  • Freie Interessengemeinschaft für Grenz- und Geisteswissen-
    schaften und Ufologiestudien, FIGU-Sonder-Bulletin Nr. 72
  • Max Lüscher, Das Harmoniegesetz in uns (Ullstein, Aufl. 2014)
  • Max Lüscher, Signale der Persönlichkeit(Econ, 3. Aufl. 1991)
  • Max Lüscher, Der 4-Farben-Mensch (Mosaik, 1991)
Uerkheim, Pfau von Fredy Nock macht Radau

Ironie der Geschichte: Ürkheim in der Nähe von Zofingen hat einen besonderen Bewohner: Den Pfau von Hochseilartist Freddy Nock. Der Vogel hat sein Weibchen verloren und kreischt nun vor Liebeskummer Tag und Nacht die Nachbarschaft zusammen.


Eine Ausländerin, gut integriert

Der Zufall wollte es, dass Frau Mihaela D. kennen lernte. Jemand aus Rumänien sandte mir ein kleines Geschenk. Eine Flasche Țuică und eine Flasche Nusslikör. Hausmarke!. Der „Kurier“, Ilie S., ich kenne ihn persönlich,  gab seine Tasche ab und die gute Frau sollte dafür sorgen, dass ich sie abholen würde.

„(…) Untersuchungsergebnisse amerikanischer Biochemiker ergaben, dass der Genuss von Țuică in geringen Mengen Herzerkrankungen sowie Magen- und Gallenprobleme vorbeugen kann. Die Menge sei aber auf ein Höchstmaß von 30 Milliliter am Tag beschränkt. Die Forscher fanden heraus, dass das Getränk ein Enzym enthält, das die Bildung von Cholesterin in den Arterien verringern kann.[6] Eine andere Gruppe von Forschern, entdeckte sechs Substanzen, die die Produktion roter Blutkörperchen anregen. Die Anwendung des Getränkes sollte rund 10 bis 15 Minuten vor dem Mittagessen erfolgen, dies fördert die Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung.[7]…)“ Die Quelle.

Nach dieser Erkenntnis musste sofort die Tagesration inhalieren! „Noroc, si sanatate!“ – „Zum Wohl sein!“

So staunte ich vor zwei Wochen nicht schlecht, als ich die frohe Botschaft hörte. Ich soll doch zum Brockenhaus in Zug kommen. Da wäre das Päckli parat. Also machte ich mich auf den Weg.

Mihaela D. im Brockenhaus in Zug

Ich hatte mich schnell durch gefragt und als ich nach Frau Mihaela rief, schoss es aus einer Ecke: „Sind Sie es, Herr O.?“ – „Ja, der bin ich, buna ziua, Doamna!“ „Buna ziua, buna ziua!“

Nachdem ich ihr ein kleines Mitbringsel überreicht hatte, hatte sie noch ein wenig Zeit für einen Schwatz. Ich war neugierig. Sie sei vor über 25 Jahren aus Bukarest in die Schweiz gekommen. Sie hatte weiter nichts, ausser ihre Habseligkeiten und zwei Töchter und einen Beruf als Elektroingenieurin. Ihr Leben sei auf und ab verlaufen, ähnlich wie eine Sinuskurve. Ja, der Mann habe sich seiner Verantwortung entledigt und sei verschwunden! Es sehe so aus, als sei sie etwas verwelkt und er verduftet! Es treffe jedoch nur das zweite zu…. 😉

Als Erstes musste sie eine Wohnung finden, dann eine Sprachschule ausfindig machen, um sich der Sprache in der neuen Umgebung mächtig zu werden. Sie habe eine Anstellung bei einem grossen Industriebetrieb in Zug gehabt.

Es sei nicht einfach gewesen und die meisten Bekannten hätten ihr abgeraten. Aber Mihaela D. gab nicht klein bei. Sie fasste Fuss und tat, was eine Mutter tut. Sie setzte alle Kraft dafü ein, damit ihre Töchter dereinst selbst gut durchs Leben kommen würden. Es gab Rückschläge. So machte sich bei ihr eine bösartige Krankheit bemerkbar. Zum Glück kam sie früh genug in richtige Hände. Die Gesundheit ist zurück! Diese Gemeinsamkeit nahmen wir sofort wahr und hielten uns kurz an einem Stück Holz fest! Wäre sie nicht bei der Arbeit gewesen, wir hätten gleich einen Schluck vom edlen Wasser getrunken!

Heute kann sich Miahela am Erfolg freuen. Eine ihrer Töchter wurde Juristin und die andere Architektin.

Die tüchtige Mihaela hat einen Blumenstrauss verdient!

Sie wäre gerne in ihrem Land geblieben, doch sie konnte sich dort nicht entfalten. Sie hätte hier erst lernen müssen, was den meisten Schweizern eigen sei: Pünktlichkeit, Konzentration an der Arbeit um letztlich eine hohe Qualität zu erreichen sowie Beharrlichkeit. Viele ihrer Landsleute zu Hause könnten diesbezüglich noch dazu lernen.

Sie habe hier viel bekommen und jetzt, sei sie in der Lage, auch etwas zurück zu geben. In regelmässigen Abständen leistet sie Freiwilligenarbeit im Zuger Brocki der Frauenzentrale Zug.

Chapeau – chapeau-band.de

Alle, die über Migration, Scheiasylanten, Wirtschaftsflüchtlinge usw. reden, sollten sich die Geschichte von Mihaela D. merken! Sie hat nicht nur genommen! Sie hat als Berufsfrau und als Mutter eine grosse Leistung erbracht. Ich sage:

Mihaela und allen rumänischen Landsleuten die mich kennen, wünsche ich frohe Weihnachten und ein harmonisches Neues Jahr!

Mihaela și toți compatrioții români care mă cunosc, doresc un Crăciun Fericit și un An Nou Armonios!
Herbert Odermatt

Retro – ein Feedback

Alois B.: Lieber Herbie

Ich habe mich auf Deiner Webseite etwas umgesehen und die Rubrik ‘Damit sie nicht in Vergessenheit geraten’ näher betrachtet. Da sind mir viele Erinnerungen wieder lebendig geworden.

Ich bin ja erst mit etwa 25 Jahren zur Fliegerei gekommen und als ewiger Schüler war es mir dann doch noch vergönnt das Segelflugbrevet zu bekommen. Ich hatte das Glück, in einer Pilotenschule im hellgrünen Dienst eine RS abverdienen zu können. Dies hat

August Hug

mich für die Fliegerei begeistert. In der von Röbi S. geführten SG Luzern nahm ich im Oltner Gheid am Schulbetrieb teil, der unter der SG Olten vermittelt wurde. So habe ich die legendären Streckenflugpiloten Hausi Landis (+) und Ernst Binggeli (+) kennen gelernt, wie auch die die früheren Koryphäen August Hug

 

Roberto im ASW 15 in Magadino, FotoRoberto S.

(+) und Franz Rotter (+). Röbi hat in den Aufzeichnungen über die SG Luzern, deren Verschwinden eigentlich heute noch zu bedauern ist, diese herausragenden Pioniere näher geschildert. Ich war dann in der Sektion Luzern des AeCS administrativ im Vorstand engagiert (Stalder, Schawalder, Roost).

Zentralschweiz. ZLK, v. li: Kurt Roost, Ruedi Burkhard und als Sieger in der Pflicht, Herbie Odermatt, im Hintergrund „Chrigu“; Foto: Hans Schürmann

Als ein minder begabter Pilot habe ich keine Auszeichnungen gewonnen. Dennoch möchte ich die Segelfliegerzeit nicht missen, sie hat mir viel gegeben nicht zuletzt im kameradschaftlichen Bereich. Ich hatte es unter Charlie B. im Motorflug bis zum ersten Alleinflug gebracht und später in Magadino meinen ersten und letzten Fallschirmabsprung überstanden. Mit unserer kleinen SG Luzern Gruppe nahmen wir an den Osterlager in Magadino, San Vittore und den Sommerlagern in

Kari Suter: Nu schnäll en Kafi, Foto: C, odh

Zweisimmen teil, wo mir viele schöne Alpenflüge vergönnt waren. Später, nachdem ich beruflich in Sarnen tätig war, trat ich der SG Obwalden bei.

Hans Märki, der beste Piperpilot auf der Alpennordseite; Foto: C odh

Kari Suter (Rigi-Suter) (+), Hans Märki (+) (verschupftes Mitglied der abtrünnigen SG Landenberg), Hans Achermann (+), dem ich zum Taufnamen ‘Riss’ verholfen habe, sind mir in Deinen Aufzeichnungen wieder erstanden; ich habe diese Koryphäen sehr geschätzt und bewundert. Fehlt noch Noldi Ming (+), der auf Sektionsebene mit Hans Achermann aussergewöhnliche Verdienste um den Flugplatz in Kägiswil erworben hat.

Heute habe ich den Kontakt zu den Gruppen weitgehend verloren. Mit Fredy und Röbi komme ich aber gerne wieder ins Schwärmen. Es hat mich besonders berührt, dass Du Deine Frau Brigitte als Nidwaldner Fliegerpionierin besonders gewürdigt hast.

Ein grosses Kompliment Herbert, für Deine Webseite und das Festhalten der bewegten Innerschweizer Segelflieger-Geschichte.

….

Mein lieber Kollege.
Herzlichen Dank für die Blumen! Ich werfe Dir dafür mal einen Stein in den Garten! Du hast der Gemeinschaft vielleicht mehr gedient, als gewisse „geweihte Häupter“, Profilierungsneurotiker und Grossmäuler (Grossartige Gemeinschaften ertragen und dulden auch einige „Krücken“!).
Es kommt weniger auf Starts und Landungen und geflogene Stunden und ergatterte Kilometer an. Die Liebe zu einer Sache macht es aus! Es kommt primär nicht auf die Einzelkönner an, sondern auf die Begeisterung und den Einsatz. Meine war u.a. die Fliegerei. Von den damit verbundenen beruflichen Ambitionen ging nicht alles nach Plan auf. Es hatte Gründe, die nicht mit Talenten, Hartnäckigkeit und Fähigkeit zu zu tun hatten. So wählte ich selbst das „Alternate“, welches ich meinen FVS-Schülern stets zu pflegen empfahl, weil das Selektionsverfahren viele Fähige abstreifte, weil der (geringe) Bedarf im Voraus festgelegt war.

Ohne die vielen Sympathisanten, die im Hintergrund wirken, gäbe es keine Asse! Ich denke an den stillen Krampfer Hans Achermann, oder an unsere Bauleiter Res G., Christian (Chrigu) H. und Walter S. Res hat zwar die drei Trimmgewichte auch und er war Schlepp-Pilot. Asse jedoch wirken an der anderen Seite des Hebels: Sie schaffen Fans und Nacheiferer.

Chrigu

Aber Res war eine technisch interessierter und Begabter. Chrigu, er kommt vom „Lauenensee„. Mit Gölä hat er jedoch nichts gemein. Er ist so ruhig und ausgeglichen wie ein stilles Wasser. Als Schlosser erreichte er Grosses! Er wurde ein exzellenter Fachmann im Q-Bereich bei Pilatus. Walter S. ist eher etwas eigensinnig, typischer Vertreter aus dem Unterengadin. Er war stets fürs Grobe zu haben. Aber er zeigte einen unermüdlichen Einsatz. Fliegerisch sind Chrigu und Walti nicht aufgefallen, obwohlsie beachtliche Flüge vorzuweisen hätten. Aber ohne sie und Res wären die Flugzeuge oft am Boden gestanden oder die Winde hätte gestreikt oder der Schleppflieger hätte auf eine 50- oder 100-Std.-Kontrolle gewartet.

Res Gfeller 1984, Foto. „C“ odh

Wir hatten einst einen Rechnungsrevisor Hans K. Er war in der Direktion einer grossen Versicherung. Geflogen ist er selbst nie. Er war jedoch vom Verein begeistert und motivierte mit seiner Art die jungen Flieger und Fliegerinnen und an Versammlungen gelang es ihm gelegentlich, Hitzköpfe zu beruhigen und sie auf das Wesentliche hin zu weisen!

Mein Abgang nach dem Klinken für den Fotografen Ernst Scagnet – wer hatte wohl den grösseren Plausch?

Als Fluglehrer und als Schlepp-Pilot konnte ich mich stets auf das Flug- und Hilfsmaterial verlassen und mich voll den Schülern widmen – und mich selbst entfalten und weiter entwickeln. Eben, dank den bereits erwähnten Heinzelmännchen im Hintergrund!

Noldi Ming, Foto: C odh

Noldi Ming (+) steht noch auf der Liste. Keiner seiner Mitstreiter war es der Mühe wert, mir etwas an „Munition“ für einen würdigenden Bericht zu verhelfen, was für sich spricht! Ich werde wohl zuerst ein Portrait über „Gix“, Guido Eigenmann (+) schreiben müssen, um den Ehrgeiz etwas an zu stacheln.

Von den von Dir erwähnten Namen kenne ich nur Franz Rotter nicht persönlich. Mit Hans Märki durfte ich einen ersten Wellen-Höhenflug in Samaden absolvieren. Der Flug in Samaden ab Winde dauerte 59 Minuten und wir erreichten eine dokumentierte Höhe von 5900 m ü. M. Ein Jahr später kam Hans auch wieder nach Samaden. Ich sagte noch: “ Hans kommt, es geht in die Höhe!“ Ein paar Tage später gelangen mir 3350 m Überhöhung für das Gold-C!

Meine Frau Brigitte hat mir für meine Fliegerei stets den Rücken frei gehalten.  Auch berufliche Fort- und Weiterbildung,  „Vereinsmeierei“, Expertentätigkeit und für weitere Dinge die zu tun waren hielt sie die Stellung im „Inneren Dienst“. Sie war eine begeisterte und talentierte Fliegerin!

Mucha Standard, HB-635, Foto Arch. odh

Sie flog unsere Mucha und später die Elfe 17 A. Dass sie heute „nur“ zwei Brillanten“ am „goldigen C“ hat, hat mit Gesundheit zu tun. Am 3. Trimmgewicht war sie mit 460 km nahe daran.

HB-1273, Elfe 17 A, späterer Eigner – Peter Meier Sevelen

Es ist weniger wichtig obman Trimmgewichte hat oder nicht. Man freut sich zwar darüber und man kann so äusserlich zeigen, dass man auch etwas auf dem Zeiger hat! Gemeinschaften leben nicht von reinen Äusserlichkeiten! Doch  Erlebnisse wie  Begegnung mit Adler, Moswey und Gabelschwanzteufel, die uns begleiteten oder die „Schläuche“ anzeigten, oder das Obenbleiben bei schwacher Thermik an einem einsamen, dafür wunder schönen Ort war doch das Gewürz in der Suppe. Nicht immer ging es glatt und von selbst!

Briefing, Foto: Stefan Ott
Moswey, 30. 8. 15, Foto C odh
Meine Schreiberei ist wohl eine Ersatzhandlung. Ein Psychiater mit seiner undefinierten und nicht besonders exakten Wissenschaftlichkeit würde es so sehen. Meine über 12 jährige, erfolgreiche Selbständigkeit war es auch. Man hat mir das „Arbeiten verboten“. Wehren dagegen musste ich mich selbst. Erst mit 70 wurde ich gebremst,
 weil sich „Herr Bösartig“ meldete. Dieser ist jetzt zwar in die Schranken gewiesen, aber er hat eine grosse Veränderung bewirkt.
Die Fliegerei war nicht nur Plausch, sondern eine harte Lebensschulung! Der Einsatz hat sich gelohnt. Und ich habe viel von meinen Erfahrungen weiter gegeben!

 


René Vetterli – der Fliegerei verschrieben

Renè Vetterli, anlässlich seiner Pensionierung
René Vetterli anlässlich seiner Pensionierung

Kennen lernten wir uns einst im Birrfeld. Es war am 24. 7. 1962. „Rigisuter“, Kari Suter, schleppte mich dort hin. Er stellte den Kontakt zu René her, der mir die Benützung der Meise gestatten sollte.

Flugplatz Birrfeld in den 60-ern

Mein Ziel: der 50 km Flug nach Grenchen für das Silber-C. Es herrschte „grand beau (temps)“. Die Sicht betrug „Russland retour“. Die Luft war so stabil, dass selbst die Moswey’s und die Gabelschwanzteufel zu Fuss ihrer Nahrung nach gingen! René erschrak kaum ob unseren Absichten. Ich war wohl kaum der erste fremde Fötzel mit ähnlichen Absichten. Ungewohnt war vielleicht die Herkunft aus „Urwalden“. Er bot mir das Grunau Baby II an. Ich verstand: Die Aussicht auf Erfolg ist gleich „Null“. Aber mit einem Baby-Flug könnte ich wenigstens einmal das Birrfeld von oben sehen, eine Volte fliegen und eine Ziellandung zeigen…

Moswey IIa „Nadi“; Foto: Attila, „Moritz“, Ziermann +

Weil im Portemonaie bald „Leder auf Leder“ herrschte, verzichtete ich auf das Angebot. Im gleichen Jahr, nach dem sich die „Leder/Leder-Situation“ normalisiert hatte, erfüllte ich die 50 km schon am 16. 8. 62 mit dem Moswey IIa, HB-309, in Samaden im zweiten Anlauf. Später kam ich oft für Trainingsflüge ins Birrfeld (Piper L4, HB-ONE, Fluglehrer Fritz Villiger). Es war damals die nächst gelegene Möglichkeit, die sich mir anbot. Etwas später war der Piper HB-OEM zum Verkauf ausgeschrieben. Ich interessierte mich dafür, um zu einem Schleppflugzeug für die SG Nidwalden zu kommen. Ich war mit René über Preis und weiteres Vorgehen ziemlich einig, doch da mischte sich unerwartet ein „Trittbrettfahrer“ mit. Es ging letztlich ums gleiche Ziel doch diente es mehr seiner Profilierung. Ich zog mich sofort zurück. HB-OEM war für die SGN „Geschichte“, nicht wegen René, sondern des Einmischers wegen!

Eisenhower Matrix

Eine nächste Begegnung war im März 1965, als ich an der praktischen Aufnahmeprüfung für Segelfluglehrer im Birrfeld teilnahm. Experte: Kurt Korrodi (Praxis) und Ruedi Hächler (Theorie). Im gleichen Jahr nahm ich an einem denkwürdigen Fluglehrerkurs in Amlikon teil. Leitung: Werner Ledermann und Fritz Bigler vom L+A (Eiddg. Luftamt). In der zweiten Woche erschien René in der Szene. Er stiess als Instruktor zu uns. Nach einem Feierabend und nach dem die Aspiranten bereits eins hinter die Binde gegossen hatten, gab er eine Demonstration ab, wie mit Schuhcrème umzugehen sei… Ausserdem entpuppte er sich als „tief geeicht“ – er konnte was ertragen! Später kam ich ins Birrfeld, um hier Flugschüler der SG Nidwalden am Doppelsteuer auf Ka 7 in den Kunstflug einzuweisen. Auch nahm ich den Linktrainer in Beschlag, der mir René nach einer kurzen Instruktion für alle Zeiten überliess! Grenzenloses Vertrauen! 1974 nutzte ich einen Stellenwechsel um den Sommer als Segelfluglehrer bei der SFB zu verbringen. Seither „amtete“ ich auch regelmässig als „Saisonier“ für die Flugschule im Birrfeld, u.a. auch als FVS-Segelfluglehrer und -kursleiter (FVS; heute Sphair.

FVS Birrfeld 91, Bildmitte Kursleiter Heini Schawalder, vorne rechts Kursleiter Segelflug, H erbie Odermatt, dahinter Werner Tarnutzer und sein Kollege Andreas Flury oben rechts – junge Talente am Beginn einer faszinierenden beruflichen Laufbahn – oder einem ebenso spannenden Alternate!

Am Doppelsteuer flog ich all die Jahre nur einmal mit René auf einem Jahreskontrollflug mit der Super Dimona. Kurzer Drill der sass! Auf Geheiss drehte ich in den Downwind und manipulierte nach „Auftrag“. Eindrehen in die Base, Anflug, Ausschweben – „Durchstarten!“. Langsam schob ich den Gashebel nach vorne. Es kam nur zögerlich Fahrt auf. Jetzt nur den Bodeneffekt möglichst lange nutzen und erst kurz vor Pistenende langsam abheben… sagte ich mir. „Hast auch noch gute Nerven!“ jetzt verstand ich! Nun wussten beide, dass man mit grosser Steigung auch durchstarten kann – eine Frage der Pistenlänge…!

Der Chef, seit längerem Betriebsleiter der FSB, arbeitete effizient. Es schien mir, dass er das Eisenhowerprinzip intus hatte, ob bewusst oder unbewusst!

René Vetterli, Jg. 35, aufgewachsen in Stein a. Rhein, Sohn eines Sattlers, gehörte zu einer Gruppe flugbegeisterter Modellflieger. Sie bauten mehrere Modelle nach, René wagte sich an eine Eigenkonstruktion, die auch erfolgreich den Äther durchschnitt. Die Fliegerei prägte sich auch audiovisuell ein! 1945 ertönten Motorengeräusche von der Gegend der Burg Hohenklingen her. René und andere Jugendliche vom Unterdorf in Stein a. Rhien rasten ins Freie um die Flieger zu sehen. Die waren jedoch feindlich gesinnt, liessen ihre Bomben nieder und schafften grosses Unheil. René fand sich nach der Attake mit Schutt teilweise zugedeckt, konnte aber mit Hilfe seines heran geeilten Vaters aus dem Bombenwall regelrecht „herausgebaggert“ werden. Für seinen Bruder Werner, Jg. 39, kam jede Hilfe zu spät und ein Mädchen wurde erst Tage danach tot aufgefunden. Mehr unter: Bombardierung vom 22. Februar 1945 – Stein am Rhein

Das Städtchen Stein a. Rhein mit Schloss Hohenklingen

Der Fliegervirus jedoch hatte sich eingenistet. Eine Gruppe Unentwegter aus Stein a. Rhein begannen auf der Frauenfelder Allmend aktiv zu fliegen, auf Zögling wohlverstanden. Bei der Firma Husch (Huber & Schmid) wurde damals Flugzeugbau auf hohem Niveau betrieben. Die jungen Flieger leisteten dort auch Fronarbeit. Was René mir kürzlich zu erzählen wusste, deckt sich mit der Geschichte der SG Cumulus.

(…) Die Anfänge des Segelfluges im Kanton Thurgau gehen auf das Jahr 1935 zurück. Damals schlossen sich einige Flugbegeisterte zusammen und gründeten die Segelflug-gruppe Bürglen, geflogen wurde am Ottenberg (bei Weinfelden) und auf der Frauenfelder Allmend. Auch während den Kriegsjahren (ab 1939) konnte der Flugbetrieb mit einer selbst konstruierten Holzgas – Seilwinde einigermassen aufrecht erhalten werden. Misswirtschaft, Brüche, fehlender Zusammenhalt zwischen jungen und alten Mitgliedern gipfelten 1943 in einem Antrag zur Auflösung der Gruppe. Zwei junge Mitglieder, Karl Huber und Ernst Schmid widersetzten sich diesem Ansinnen.

Da war einst die Sattlerei Vetterli

In unermüdlicher Aufbauarbeit und grossem Engagement – auch in finanzieller Hinsicht – konnte im Frühling 1945 der Flugbetrieb auf der Frauenfelder Allmend wieder aufgenommen werden. In Anbetracht der schlechten Erinnerungen an die SG Bürglen wurde der Neubeginn unter dem neutralen Namen Segelfluggruppe Cumulus, Stein am Rhein (Wohnort der Gründer) gestartet. …)“

Ein weiteres Ereignis, das einfuhr: Bei Huber u. Schmid (HUSCH) wurde eine hoch moderne Elfe nach den Plänen von Werner Pfenninger in Zusammenarbeit mit Albert Markwalder gebaut. Es handelte sich um HB-516, Spannweite 15,4m, Flügelfläche 11,7 m2, Leergewicht 110 kg (!) Gleitzahl 40:1 bei 75 km/h (aus: dr rhönstei). Es war die erste Elfe mit Pfenninger-Laminarprofil (13.3%) und mit Wölbklappe. Der Flügel war 3-teilig aufgebaut und die Flügelvorderkante war nach hinten gezogen. Alle Merkmale moderner Segelflugzeuge waren bereits vorhanden! Absturz 11.2.48!

(odh: Gleitzahl 40 bei 75 km/h ergibt ein Sinken von 0,51 m/s! Ein hervorragender Wert! Bei späteren Segelflugzeugen wurde das Profil auf 14% Dicke optimiert. Mehr zu den Pfenninger-Elfen entnehme man der Auflistung von Hans Gysi (verwandt mit Werner Pfenninger). Karl Gysi, der Bruder von Hans, war einst einer meiner Flugschüler im Birrfeld. Wir machten die Erfahrung, wie es sich mit einem B-Falken (HB-2010) mit tropfnassem Flügel, verbunden mit einer Vergaservereisung fliegt…wie ein angestelltes Brett, das bei Leistungswegnahme absackt wie ein Stein!

Elfe PM1 in Frauenfeld – was elegant ist muss auch gute Leistungen haben…

Hinterher weiss man es oft besser: Der Absturz dieses eleganten Seglers erfolgte offenbar wegen einer diffizilen Konstruktion des hier angewandten Pendelseitenruders welches unter gewissen Bedingungen zum Flattern angeregt werden konnte. Ein Pendelseitenruder hatte schon die Elfe 1 

Der Pilot Schmid, der seiner Verlobten versprechen musste, das Fliegen zu lassen, setzte sich schliesslich auf Drängen seiner Kameraden hin doch ins Cockpit… Nach mehreren Starts an der Wind passierte es. Das Segelflugzeug montierte ab. Der Pilot kam ums Leben. Werner Pfenninger habe nach dem Unfall noch in der gleichen Nacht die Konstruktion überprüft. Seiner Ansicht nach war das Flattern bei einer speziellen Konfiguration möglich! Mit dem Absturz waren Pläne, das Segelflugzeug bzw. dessen Konstruktionszeichnungen ins Ausland zu verkaufen, zunichte gemacht.

Pfenninger Laminarprofil

Der Segelflieger Fritz Wanzenried erwarb die Elfe MN HB-736 (Flick). Die seiner Ansicht nach blöde Kante „T“ auf der Unterseitevor der Wölbklappe sei doch für die Füchse. Kurzerhand überspachtelte er das „Unding“ und gab der Oberfläche mit viel Aufwand einen perfekten Finish. Damit aber zerstörte er Werner Pfenningers Werk! Gott straft sofort! Fritz musste feststellen, dass das Flugzeug seine Leistungen nicht mehr brachte. Jemand klärte ihn auf. In vielen Flügen fand er schliesslich die geignete Stelle für ein Zackenband als Turbulator…. Nun war er wieder gleich gescheit wie zuvor…

René kam also schon früh mit fortschrittlichen Ideen und Knstruktionen in Kontakt. Man war „dabei“! Beruflich schlug es ihn nach einer Lehre als Feinmechaniker bei der Firma Amsler, Prüfmaschinenbau in Schaffhausen (Industriegebiet Ebnat mit CMC, GF usw.) ins Birrfeld, wo er sich 1958 als Segelfluglehrer bewarb und bei der FSB, (Fliegerschule Birrfeld AG)  angestellt wurde.

FSB, die Crew von einst: Hans Steinmann, Betriebsleiter, René Vetterli, Cheffluglehrer Segelflug, Hans Hochstrasser, Werkstattleiter, Hansueli Bütschi, Allrounder; Foto: René Vetterli

Renés Segelfluglehrerfreund Fredi weiss zu bericheten:

 „(…) 1956 legten wir die Segelfluglehrer Theorie – Eignungsprüfung beim
Luftamt ab, im Bundeshaus – Nord. Am 21. Aug. 1956 war Flugprüfung auf dem Belpmoos auf Kranich II und Grunau Baby II. Wir hatten damals eine Total – Flugerfahrung von um die 60 Stunden. René Vetterli und Fredi Simmler hatten gerade das Mindestalter für Fluglehrer, von 21 Jahren erreicht.

Der Fluglehrerkurs fand vom 10. bis 15. Sept. 1956 auf dem Birrfeld statt. Erstmals wurde die Rhöhnlerche eingesetzt.
Kursleiter : Werner Ledermann (1912 – 1987) Segelfluginspektor L+A (Eid. Luftamt).
Instruktor : Ruedi Lüthi(1920 – 1991), Cheffluglehrer FSB, später Fluglehrer an der Schweiz. Luftverkehrsschule SLS/ Swissair in Hausen am Albis
Teilnehmer:

  • Fritz Bigler (1931), später Segelfluginspektor L+A
  • Werner Christinat (1931), beendete seine fliegerischen Aktivitäten 1974
  • Fredi Simmler (1935), wurde Cheffluglehrer der SG Schaffhausen, Prüfungsexperte und Flugunfall-Untersuchungsleiter BFU/SUST
  • Fritz Strobel (1926 – 1917), langjähriger Fluglehrer bei der SG Olten u. Lenzburg und an der FSB
  • René Vetterli (1935), Cheffluglehrer / Betriebsleiter FSB, Prüfungsexperte L+A

Zum 20 – Jahr Jubiläum trafen sich die Teilnehmer am 11. Sept. 1976 auf dem Birrfeld. Am Sonntag Besuch des NOK Pavillons in Böttstein.

Zum 25 – Jahr Treffen am 31. Okt. 1981 wieder auf dem Birrfeld. Am Sonntag Besuch des Schuhmuseums in Schönenwerd (Fritz Strobel).

Zum 30 – Jahr Treffen wieder auf dem Birrfeld. Am Sonntag Besuch des
Vidonissa – Museum in Brugg. –
Nachher trafen sich die Teilnehmer jedes Jahr auf dem Birrfeld.

Das 40 – Jahr Treffen war auf dem Belpmoos. Der Grund: die SG Bern hatte noch eine Rhönlerche, auf der dann eine Ziellande – Konkurrenz geflogen wurde. – Nachher fanden die Treffen wieder auf dem Birrfeld statt.

Rné Vetterli, Fritz Bigler, ….,Fredi Simmler, Birrfeld 2014

Am 30. Juni 2000 verabschiedete die FSB René Vetterli nach 42 Jahren Einsatz auf dem Birrfeld in die wohlverdiente Pension. René wurde mit einem VW-Käfer nach Buochs gefahren. Der VW-Käfer war sein erstes Auto. Nachher wurde er mit einer PC-7 Mk II ins Birrfeld geflogen (sinnigerweise war der Pilot der einstige Mitarbeiter des Birrfelds, Hansueli Bütschi*), zu jener Zeit Mitglied des Werkpilotenteams der Pilatus Flugzeugwerke AG in Stans). René durfte da mal den Steuerknüppel mit einem „2-Händer“ bedienen, was für Segelflieger ungewöhnlich ist! Zum Fest waren waren Vertreter des AeCS, AeC Aargau, FSB, Luftwaffe (FVS) und auch die Teilnehmer des L+A-Segelfluglehrerkurses von 1956 eingeladen. 2017 starb Kollege Fritz Strobel.

Da Fritz Bigler nicht mehr so mobil ist, machten René Vetterli und Fredi Simmler, am 13. Okt. 2017, einen Besuch in Bolligen mit Mittagessen in Bern. Weiterhin bleibt der Kontakt via Telefon oder Mail bestehen. Es gibt vermutlich sonst keine Fluglehrer – Kollegen, die über 60 Jahre lang regelmässig Kontakte pflegen. )“

Der eiserne Kern des Segelfluglehrerkurses von 1956: v. Li: Fredi Simmler, Fritz Bigler, René Vetterli und Fritz Strobel +, anlässlich eines Treffens mit Ziellandungskonkurrenz in Bern Belp. (Foto: René Vetterli)

René war ein Förderer des Segelfluges. Als das Birrfeld grösser wurde und der „Commerz“ Einzug hielt, setzte er sich immer unterstützend dafür ein, dass dem Pionier des Birrfelds, dem Segelflug, stets der nötige Respekt abgekauft wurde.

Ich hatte das Glück, die vier Herren Fluglehrer persönlich kennen zu lernen. René wie schon gesagt, Fritz Strobel wies mich in die Dimona ein, Fredi Simler gegnete ich als Prüfungsexperte unserer angehenden Segelflieger und einmal als Untersuchungsleiter nach einem Flugunfall. Fritz Bigler war Kursleiter und Prüfer an den Weieterbildungskursen für Segelfluglehrer. Sie waren alle vier geradlinig, konsequent, direkt und offen. Nebst gelegentlich erhobenem Zeigfinger waren sie überzeugte Förderer. Und sie waren mit Leib und Seele dabei, dem Segelflug ihr Label aufzudrücken! Sie liefen der „bösen Fee“, der Naturselektion, die dich ab dem ersten Flug stets verfolgt um ihre Fänge um dich zu wickeln, elegant aus dem Weg oder sind ihr geschickt entwischt.

In seiner Funktion als Segelfluglehrer und Betriebsleiter kam René mit aller Gattung „Pilotus“ in Kontakt. Solche, die man lieber vergessen würde und andere, mit denen er ein Leben lang in gutem Einvernehmen verbrachte. Gelauert wurde im Flugdienst nie. Die Zeit musste genutzt werden. So schuf René für sich einen seltsamen Rekord: 100 (einhundert) Starts im Doppelsitzer an einem Tag! Selbst verpflegt wurde fliegend…

Rigi 1956, S-19,HB-225 von Tüllè und S- 16 II,HB-418 von Rigi Suter

Der Bezug zur Gruppe Cumulus blieb stets intakt. So reiste er mit dem S-19, HB-225 von „Tüllè“, Ernst Dünner, auch auf die Rigi.

„Tüllè“, Ernst Dünner, hier an einem Oldtimer Treffen in Amlikon

René schrieb dazu: (…) Ich konnte ab der Rigi einen Start mit der HB -225 (Besitzer damals „Tülle“ , d.h. Dünner Ernst) starten. Nachdem uns der „Rigisuter“ alle 5 oder 10 Rigi-Föhne erklärt hatte, fanden wir um die Rigi herum weder einen der erwähnte Föhne noch sonst einen einen Aufwind. Landungen im Tal, meist am Aegerisee, waren die Regel. Meine Landung mit dem S-19, HB-225, erfolgte in Küssnacht, auf einer Wiese bei der „Holen Gasse“ mit Überflug einer Hochspannungsleitung und darnach beim Ausschweben noch unter einer Freileitung hindurch. Mehr Glück als Verstand! Das waren noch Zeiten!)“

Kari Suter und die Föhnarten auf der Rigi, die Foto Markus Inäbnit

René entwickelte sich an der Fliegerschule Birrfeld (FSB) zum Betriebsleiter. Ein Kenner (P.F.) charakterisiert ihn so:

(…) René ist aus dem Status SF-Segelfluglehrer mit der Entwicklung der FSB mit gewachsen. Er brachte Fachwissen und Erfahrung mit und zeigte Führungsqualitäten, was ihm intern, wie extern bzw. in Fachkreisen hohe Anerkennung einbrachte. Er bildete sich zielorientiert weiter, ging Problemen hartnäckig auf den Grund um sie zu meistern. Dank seiner Persönlichkeit und dem Überblick gelang es ihm, Aufgaben speditiv anzugehen und zu erledigen. Er pflegte einen angenehmen, menschlichen und direkten Umgang, der von Offenheit geprägt war. Seinen Mitarbeitenden liess er den nötigen Spielraum ohne die Kontrolle zu vernachlässigen. Er trug Verantwortung und war bereit die Konsequenzen zu tragen!

Der Verwaltungsrat schätzte ihn als Partner. Er vertrat dort seine Anliegen geradlinig und mit Herzblut. Seine klaren Vorstellungen prallten gelegentlich auf anderes Ansinnen. Dies endete jeweils nicht einfach auf einer weichen Tour. Es wurde auch hart gekämpft. Dabei stand die Sache stets im Vordergrund. Waren die Kämpfe ausgetragen, begegnet man sich respektvoll.

Die Zusammenarbeit mit René war angenehm. Man war gegenseitig zu Konzessionen bereit, wenn dies erforderlich war. Bei Differenzen schliesslich wurde stets ein Weg gesucht und meist auch gefunden. Persönlichen Reminiszenzen wurde bewusst aus dem Weg gegangen. Dies gestattete es, hin und wieder ein Fest zu bauen was letztlich zu „geistigen Befreiungen“ führte.)“

Und Hans G. erlebte den Chef so:

Ich habe 1968 im Birrfeld mein Fluglehrer-Praktikum unter Jack Rufli gemacht. Es war ein interessantes Jahr da in diesem Jahr der Rollweg erstellt wurde und der Klubraum im Aufbau war. Das Fluglehrer Büro, das ich mit Jack teilte war sage und schreibe bis zum letzten Sommer noch im Originalzustand. Als ich vor 3 Jahren mein ehemaliges Pult öffnete, fand ich noch die alte Mausefalle in einer Schublade! Nun dient das alte Büro noch als Sitzungszimmer.

Mit René Vetterli hatten wir einen hervorragenden Flugplatzleiter. Er war für alles DER Ansprechpartner. Er war konsequent und scheute sich nicht einzugreifen, wenn es um die Flugsicherheit ging. Er ermahnte selbst erfahrene Piloten gewisse Verfahren einzuhalten und auf irgendwelche „Kunststücklein“ zu verzichten, da unerfahrenere Piloten dies natürlich auch praktizieren wollten. (Extreme Kurzanflüge nach dem Schleppseilabwurf, Kavalierstarts etc.) Ich erinnere mich, dass ich einen ehemaligen FVS Absolventen noch zum PPL ausbilden sollte. Dabei wurde vorher ausgemacht, dass die Flugvorbereitungen erstellt sein
müssten. Der Kandidat erschien schon mal eine Stunde zu spät und hatte nichts dabei. Keine Karte, kein Flugbuch, keinen Ausweis; nichts. Ich liess meinem Unmut freien Lauf. Dies hörte Renè natürlich durch das offene Fenster. Er erschien in der Tür, räusperte sich und sagte:“Herr G., schicken sie diesen Jungen Mann wieder nach Hause und vergeuden sie nicht ihre Zeit“.

René möchte ich als kompetent, sicherheitsbewusst, sehr hilfsbereiten und zuverlässigen Mitarbeiter beschreiben. Er war mir
immer ein gutes Vorbild.

Sein Beruf erforderte viel Präsenzzeit und unregelmässigen Dienst. Ein Wohnsitz in der Nähe des Arbeitsortes drängte sich auf. So lebte René lange Zeit mit seiner Familie in Lupfig. Heute ist man wieder „zu Hause“, in der alten Heimat, in Stein a. Rhein.

***

*) Die Karriere des Fliegers Hansueli Bütschi

 


Eiger Nordwand – 1962

Eiger Mönch u. Jungfrau. Foto: Jungfraubahn

Majestätisch steht das Berner Urgestein auf festem Grund. Es zog Bergsteiger schon früh in seinen Bann. Die Eigernordwand war auch für vier Urner Bergsteiger ein ersehntes Ziel. Es waren dies: Josef Jauch, Josef Zurfluh aus Intschi, Franz Gnos aus Bristen und Franz Jauch sen. Die Vier waren ein gut eingespieltes Team, das sich auf unzähligen Bergtouren und Besteigungen zusammen fand. Sie waren nicht auf Publizität aus. Die Leidenschaft war ihr Fron. Freiheit, Berge und Kameradschaft waren, was sie suchten! Unter Wikipedia findet man keinen Eintrag über sie.

Franz Jauch sen. Jg. , erzählt:

Bergfahrten im Sommer und Winter – Franz Jauch

17. August 1962 kamen mein Bruder Josef und ich von Zermatt her, wo wir das Matterhorn bestiegen hatten, um 13 Uhr in Grindelwald ein. Der Eiger, das neue Ziel ist greifbar nahe. Es sollten noch Josef Zurfluh und Franz Gnos zu uns stossen. Dann war unser Quartett vollzählig.

Grindelwald – Da müssen wir Proviant einkaufen und zwar für 4-5 Tage. Brennstoff, Büchsenfleisch, Margarine und Brot. Schwer beladen steigen wir gegen Alpiglen. Dort, im Bergrestaurant, kehren wir jedoch nicht ein, denn wir wollen unbemerkt an unser Vorhaben gehen. Unter der Wand in einer Wiese lassen wir uns nieder. Es wird verpflegt. Der Nebel hängt bis ins erste Eisfeld hinunter. Immer wieder beobachten wir die mächtige „Mauer“ vor uns. Hie und da poltern Steine herunter. Auf Sepps Vorschlag wechseln wir zu einem Älpli, wo es Hütten hat. Dort wollen wir übernachten. Die Alphütten sind einfach. Einen „Obergaden“ gibt es nicht. Wir suchen daher einen geschützten Ort im Freien unter einer Arve. Schnell sind wir im Schlafsack. Doch um Mitternacht beginnt es zu regnen! Es folgt ein Wechsel in einen nahen Stall wo es etwas Heu hat. Es regnet und am Morgen hat es Nebel bis ins erste Eisfeld hinab. Etwas länger liegen bleiben schadet auch nicht! Nichts zu wollen! Dann also doch aus der Pfanne! Josef war vorübergehend weg. Er holte sich in Alpiglen Zigaretten. Eine Wegweite dauert eine halbe Stunde. Nun wird eine kräftige Suppe vorbereitet. Dann kommen zwei Sennen. Sie bedeuten uns, dass wir die Hütte verlassen sollen. Selbst gutes Zureden durch Josef half nichts. Wohin es denn gehen soll war die Frage an Josef. Er deutete hinauf, in die Wand. „Ja was weyt dièr jetzt hiè obsi, da chämèt èr niè ufi!“ Jetzt ging es darum, einen neuen Platz zu suchen und zu beobachten, ob die zwei Kollegen angekommen sind. Schliesslich treffen sie Zurfluh und Gnos. Sie bringen gute Wetternachrichten. Gemeinsam gehen sie hinab ins Bergrestaurant. Eine Rösti mit Schüblig wird bestellt und ein Liter Roten vom „Besseren“! Im Restaurant sind fast alle Plätze besetzt. Die nette und sehr freundliche Wirtin fragt, ob es etwa in die Wand gehe. „Keine Spur, wir sind nur stille Bergwanderer!“ bekam sie zur Antwort. Es wird gebechert und um 22 Uhr sind wir in sehr guter Laune. Niemand denkt mehr an die „Wand“ und deren Gefahren. Auch die Serviertochter ist ein nettes und freundliches Mädchen (träumen sei gestattet). Um Mitternacht verziehen wir uns singend und lachend in die „Gemächer“, ins Massenlager des Restaurants. Nachts sind noch keine Sterne zu sehen. Am schönen Wetter zweifeln wir darum noch. Tagwache ist für 3 Uhr vorgesehen. Doch Wein und wenig Schlaf verderben den Plan. Verschlafen! Ein strahlend schöner Tag begrüsst uns. Es packt uns die Eile. Um 7 Uhr sind wir bereits vor der Hütte und beeilen uns fürs Morgenessen. Schon etwas knapp, wenn man auf den Eiger will! Dieser zeigt sein ganzes Gesicht. Langsam steigen wir zur „Wand“ hinauf. Es ist sehr kühl, was ein gutes Zeichen für beständige Witterung ist. Am Einstieg werden die Packungen nochmals überprüft. Unnötiges Material wird unter einem grossen Stein deponiert. Wir wollen nicht zu viel Gewicht durch die Wand schleppen. Es stossen zwei Östereicher, sehr freundliche Alpinisten, zu uns. Sie mustern unsere Ausrüstung und fragen um Aschluss an unsere Gruppe. Vorerst willigen wir nicht ein. Wir kontrollieren auch ihre Ausrüstung. Beide sind sehr gut voebereitet. Sie haben sogar wasserdichte Anorackanzüge. Einer der beiden gibt uns eine 40 Meter lange Rebschnur mit. Wir sollen diese am Hinterstoisser Quergang einhängen. Dieses Seil lasse er hinten. Wir sollen voraus klettern, weil wir einen Teil schon kennen würden. Sie kämen hinten nach. Abgemacht: Um 11 Uhr steigen wir zum „Schwalbennest auf, biwakieren dort und morgen, je nach Wetter, gehts dann weiter, „ans Eingemachte“! Punkt 11 Uhr am 19. August beginnt der Aufstieg durch steile Geröllhalden in die gefährlichste Wand der Alpen. Wir waren gut vorbereitet was das Handwerkliche betrifft und die Route hatten wi gut studiert. Wir folgtem der Heckmair -Route.

Heckmair-Route

Das Wetter war wundervoll. Am Morgen war es sehr kühl, das verhiess, dass es mehrere Tage so bleiben würde. Aber die Meteorologen haben eine Störung über Frankreich gemeldet. Die beiden Österreicher folgen mit etwas Abstand. Es müssen zünftige Gänger sein. Die Ausrüstung bestand für beide Seilschaften aus 80 m Nylonseil 11 mm, 100 m Rebschnur, 7 mm, 20 Felshaken, 10 Eisröhren, 10 Eisschrauben, Eispickel, Biwaksack, gute Wäsche, gutes Schuhwerk und Steigeisen. Der Proviant war sehr einfach bemessen: 1 Kg Speck, 1 kg Brot und Margarine sowie Pflanzenfett, Dörrfrüchten und Tee. Ein Benzinvergaser und das nötige Reinbenzin dazu. Jeder hatt ein Gewicht von 15-18 kg bei sich.

Aufstieg, die ersten 600 m sind nicht so schwer und werden ohne Seil zurück gelegt. Es geht über einige Schneefelder hoch zum ersten Pfeiler. Einige Platten werden überklettert. Weiter geht es weiter zum Jerschrumen Pfeiler. Da, bei der ersten Biwakhöhle schalten wir einen kurzen Halt ein und stärken uns mit kaloriehaltiger Kost. Es wird angeseilt. Die Platten sind nämlich manchmal vereist und verlangen grosse Vorsicht. Es geht hinauf zum schwierigen Riss. Einer der Österreicher jammert. Ihm sei es ganz dämisch, d. h. schlecht. Vermutlich hat er Schneewasser getrunken. Beide sind jedoch hervorragende Kletterer. Es geht weiter zum schwierigen Riss, eine sehr schwierige Kletterei vom 25 Metern mit 5+ auf der Schwierigkeitsskala.

Grandios sieht die rote Fluh aus (überhängend)! Sie ist an die 500 m hoch und senkrecht. Ein Band führt vom Riss nach links zum Hinterstoisser Quergang. Hier hängen viele Seile drin. Der Quergang ist 40 Meter lang. Josef zieht das Seil ein, das ihm der Österreicher mitgegeben hat. Dieser Quergang wurde den vier ersten zum Verhängnis. Hinterstoisser zog das Quergangseil ein, als das Wetter umschlug und Schnee auf die Platten fiel, konnte er diese zum Rückzug nicht mehr bezwingen. Sie kamen alle ums Leben; Toni Kurz, Anderl Hinterstoisser, Willy Angerer und Edi Rainer.

Eine Schlüsselstelle: der Hinterstoisser Quergang; Bild: Bergsteiger => 70 Jahre Eiger Nordwand

Am Quergang hört man bereits Steine über dem Kopf in die Tiefe sausen. Um 16 Uhr 30 erreichen wir als die ersten das Schwalbennest. Zurfluh und Sepp kommen als zweite, am Schluss die beiden Östereicher. Wir hätten zeitlich noch weiter klettern können. Des mörderischen Steinschlages wegen müssen wir aber einstellen. Die Sonne scheint jetzt in die Wand und löst Steine und Eis die nach ein paar Mal aufschlagen zu kleinen Splitern zerfallen. Guter Humor herrscht unter uns sechs Bergesteigern. Josef kocht Tee. Der Durst macht sich bemerkbar, wahrhaft vom guten Wein, den wir letzte Nacht getrunken hatten. Wir anderen richten uns ein für die Nacht. Die beiden Österreicher richten sich links von uns einen Sitzplatz ein, den sie aus dem Eis herauspickeln und legen eine Art Kissen drauf. Dazwischen kommt ein weiterer Brocken. Jeder der sechs hat nun Platz zum Sitzen, nicht mehr! Von Schlafen in einer solchen Stellung kann kaum die Rede sein. Wir hätten in 20 m Entfernung genug Wasser bekommen, aber kein Mensch wollte es wagen, so heftig war der Steinschlag. Das Schwalbennest ist eine überdachte Nische. Da hat man Schutz genug vor Stein- und Eisschlag. Alle Tonarten hört man. Von der Bassgeige bis zur Violine. Das ist höchst interessant – richtige Eigermusik! Die Sonne sinkt langsam unter den Horizont und kündet uns für morgen einen wunderbaren Tag an. Das ist ein herrliches Naturschauspiel, das man nur in der Eigerwand erleben kann! Die Nacht sinkt herab. Unten sieht man die tausend Lichter von Grindelwald. Um 10 Uhr erstarrt alles zu Eis. Das Wasser hört man nicht mehr rauschen. Der Steinschlag hört auf, Gegen 11 Uhr geht der Mond auf. Gespenstisch wirkt die Landschaft bei Mondschein. Zwischen durch hört man die österreichischen Kollegen etwas murren. Gegen Morgen fällt die Temperatur weit unter den Gefrerpunkt. Ein kühler Wind weht aus der Wand. Der Tag bricht an. Wundervoll geht die Sonne an den Bergspitzen auf und vergoldet den Horizont. Josef schmilzt Schnee und kocht Tee. Die anderen essen nahrhafte Kost. Speck, Brot und Dörrfrüchte auch die Kollegen aus Austria verpflegen. Kollege Zurfluh hat sogar ein halbes Poulet dabei! Wir sind alle bei sehr guter Stimmung, trotz der kalten Nacht. Um 6 Uhr nehmen die österreichischen Kollegen als erste Seilschaft den Aufstieg. Die Route führt durch das erste Eisfeld zum Eisschlauch. Das ist der Übergang vom ersten zum zweiten Eisfeld und ist ziemlich schwierig. Josef und Zurfluh steigen nach. Gnos und ich bilden die letzte Seilschaft. Oben im Schlauch ist schon Warten angesagt. Was ist da los? Mit uns sind noch drei weitere Kameraden in der Wand. Baumann Nick vom akademischen Alpenclub Aarau und zwei Deutsche. Diese sind am späten Abend im Schwalbennest eingetroffen und da sie keinen Platz mehr hatten, stiegen sie noch 2 Seillängen hoch. Unter einem schmalen Felsvorsprung bezogen die drei ihr Biwak. Wir stellten fest, dass diese Lage viel die schlechtere als die unsere war. Zu neunt im zweiten Eisfeld, das ist zu viel. Es gibt bereits Verzögerungen. Voraus geht Nick als erste Seilschaft. Stufen werden geschlagen und Sicherungsplätze ausgehauen. Nach jedem Pickelschlag spritzt das Eis in tausend Stücke. Dem einen Österreicher wird es zu bunt, weil es ihm zu langsam vorwärts geht. Unglaublich, das ist ein Eisgänger wie ich noch keinen gesehen habe. Er klettert direkt hinauf zu den Randfelsen. Sofort steigen wir ihm nach. Alle zwanzig Meter ein Stand und ein Haken! Wie man so hinauf schaut, denkt man an zwei Seillängen. Aber oha, es sind acht mal vierzig Meter! Der moderne Eisgänger macht keine Stufen mehr ins Eis. Vorne an den Steigeisen befinden sich zwei Frontalzacken. Diese werden mit den Schuhen ins Eis hinein geschlagen. Mit dem Pickel und einem Eisrohr in der anderen Hand sind wir hoch gestiegen. Von den Standplätzen die ich aushauhe sausen Eisbrocken in die Tiefe und den Kameraden unten direkt auf den Helm. Sie jammern und fluchen deswegen. Nick quert das Eis in der Mitte schräg gegen die Bügeleisenkante. Dies erfordert mehr Zeit. Über uns kreist ein Adler! Um 13 Uhr erreichen wir die Bügeleisenkante. Schaum mal hinauf, dort oben sind noch weitere Vier! Welcher Nationaltät die wohl angehören? Hier an dieser Kante ist die Steinschlaggefahr sehr hoch weil die Steine im direkten Flug dreihundert Meter weit von der „Spinne“ herab sausen. Das dritte Eisfeld, fast senkrecht, sieht bös aus. Wir versuchen rasch zu queren und stehen unter Dauerbschuss von herab fallenden Steinen. Kollege Zurfluh hat es nicht leicht. Er muss hinter uns sämtliche Eis- und Felshaken ausreissen. Dies erfordert viel Kraft. Dann wollen, die österreichischen Kollegen, dass ich mal vorsteige. Die ersten Seillängen durch die Rampe gehen leicht von der Hand. Eine Verschneidung zieht sich bis zum Wasserfall hoch. Wir stossen wir auf zwei weitere Bergsteiger. Es sind Deutsche. Sie wollen hier nächtigen und das schwere Stück vor ihnen morgen in Angriff nehmen. Nebelschwaden schleichen umher.

Durch den Wasserfall müssen alle hindurch. Er besteht aus einem Halbkamin und ist oben überhängend. Ich schlage einen Standhaken. Der eine Österreicher traut der Sache nicht ganz, lässt sich aber überzeugen.

Sepp und Zurfluh erkundigen sich über die Situation. Es ist streng. Nach weiteren dreissig Metern gibt es ein guten Stand. Franz ist rasch da. Auch der österreichische Kollege klettert schnell nach. Oben hängt eine Eiszunge über uns, blank wie Glas. Wasser schiesst herunter. Es dringt in alles hinein , durch die Ärmel durch die Kleider bis in die Schuhe. Gnos Franz füllt eine Feldflasche ab, damit wir nacher ein Tee kochen können. Der österreichische Kollege erkundigt sich. Es geht hier, doch sollte man die Steigeisen einsetzen! Ich bin noch ohne Steigeisen drin und muss Stehschlingen einhängen. Gnos klettert zu mir nach und übernimmt die Führung für die nächsten vierzig Meter. Dann ist der obere Teil der Rampe erreicht. Es ist 18 Uhr. Es wird das Biwak eingerichtet. Josef und Zurfluh kommen nach. Das war aber happig! Sofort beginnen wir uns einzurichten. Die beiden aus Austria, drei Meter über uns, Zurfluh und Josef richten sich auf der Kante ein. Unter ihnen: 1400 Meter direkter Abgrund. Sie sind an nur einem Haken gesichert! Alle sichern sich. Ein schmaler Felsvorsprungschützt vor Steinschlag. Sepp, der Koch, bereitet uns einen heissen Tee zu. Wir stellen fest, dass wir viel zu wenig Brennstoff mit uns haben. Schlecht berechnet! Die Dämmerung fällt herein. Von Westwn ziehen Gwitterwolken auf. Es wird eine spannenden Nacht werden, wie wir sie noch nicht erlebten. Hoffentlich hält das Wetter bis zum nächsten Mittag! Dann kommt alles gut.

Das Spektakel beginnt mit Wetterleuchten. Wir schlüpfen in die Schlafsäcke. Gnos und ich haben eine sehr unbehagene Stelle ausgesucht. Das Seil welches um die Brust gewickelt ist, drückt heftig. Hie und da hört man die anderen wieder etwas murmeln. Die Zeit scheint still zu stehen. Nach Mitternacht donnert es dauernd. Und das Unwetter kommt näher. Ab und zu schaue ich aus dem Schlafsack hinaus. Sterne sind nicht mehr zu sehen. Die Temperatur ist zwar noch behaglich, liegt aber schon unter dem Nullpunkt. Kein gutes Zeichen! Ein Wetterumsturz bahnt sich an. Am Morgen hüllen uns dunkle Wolken ein. Die Sicht ist praktisch „Null“, der Vorhang „überoben“ hat sich geschlossen. Der Kocher schnurrt. Eis wird geschmolzen um Tee zuzubereiten. Der Apetit ist uns vergangen! Nur der Durst meldet sich. Trockene Kehlen! Wir rüsten uns und überlegen einen Rückweg. Nein, da steigt niemand hinab. Lieber fünf hundert Meter nach oben, als 1400 Meter hinunter! Wir offen, dass der Nebel verschwindet um freie Sicht zu bekommen. Oben am Anfang des Götterquergangs entdecken wir in Rufweite zwei weitere Kletterer in der Wand. Ob sie sich auf dem richtigen Band befänden, welches zur Spinne führe, wollte unser österreichischer Kamerad wissen. Als Antwort kam ein „Ja“ auf hochdeutsch. Der zweite antwortet etwas in unbekannter Sprache. Die Wand wird bereits wieder eingenebelt, wohl für immer! Um 6 Uhr 30 beginnen wir mit dem Aufstieg durch das steile Rampeneisfeld bis zu einem Riss. Reihenfolge: Gnos/Jauch, dann beiden österreichischen Kameraden und Zurfluh/Josef am Schluss.

Es beginnt zu schneien und zu stürmen, wie wir es im Sommer noch nie erlebten. Bei diesem Schnee steigt der Schwierigkeitsgrad mindesrens um einen Punkt an! Nach einer Stunde fahren bereits die ersten Lawinen zu Tal! Der Götterquergang an die dreihunder Meter lang, sieht warhaftig göttlich aus!

Einer der ersten Seilschafte muss uns entdeckt haben. Er ruft seinem Kumpel zu: „sie kommen, sie kommen!“ Von da an übernimmt der österreichische Kollege die Führung. Meisterhaft und sicher geht er vorwärts. Wir klettern sofort nach. Plötzlich wird der zweite Östereicher unsicher und redet von herunter fallen. Sein Kollege muntert ihn auf. Wir haben eben die „Spinne“ erreicht. Das ist ein Eisfeld, welches um 60° bis 65° steil ist und wie ein Trichter geformt ist, der alle Steine und Lawinen kanalisiert. Weiter führt der Vordermann durch die Spinne. Das Eisfeld ist um die einhundertzwanzig Meter lang. Der Sturm tobt unheimlich weiter. Etwa viertelstündlich geht eine Lawine durch die Spinne ab! Der Schneesturm ist so stark, dass die Sicht oft kaum einen Meter weit reicht! Josef wurde von einem Stein am Arm getroffen. Eine dukelblaue, von Blut unterlaufene Stelle ist das Ergebnis. Es hätte mich fast aus dem Stand geschlagen! Die Zeit drängt! Das obere Ende der Spinne ist erreicht! Die ersten Kletterer sind eingeholt. Jetzt sind wir acht Kletterer hier oben in den Ausstiegsrissen. Einer der beiden redet hochdeutsch, der andere englisch. Nun werde ich zum Führen aufgefordert. Wir bilden eine Achterseilschaft. Schneefall, Kälte und schwerer Fels lassen uns nur langsam Höhe gewinnen. Die Hoffnung, den Gipfel noch diesen Abend zu erreichen ist gross. Oben, in den Ausstiegsrissen ist es sehr schwierig und zudem stark vereist. Ich steige hinauf. Die Kräfte verlassen mich langsam, als ich den Karabinerhaken einhängen wollte. Verdammt, da stürze ich ab, ist mein Gedanke! Franz hält, ja er hält mich. Ich finde Halt. Die Beine zittern vor Schreck, Glück gehabt! Franz erkannte die Situation sofort und zog das Seil schnell ein. Nun geht unser östreichischer Kamerad voraus. Sicher und zuverlässig nimmt er die nächste Strecke in Angriff. Bald ist er oben. Er hat den Vorteil, dass er um einiges grösser ist. Gnos geht nach. Die Reihe ist an mir. Ich klettere unsicher wegen des Sturzes, von dem ich mich noch nicht erholt habe. Es ist bereits später Nachmittag. Nach dieser Seillänge ist ein Quergang nach links. Durch kurzes, schräges Abseilen gelangt man in eine Verschneidung. Jetzt übernehme ich wieder die Führung. Ich steige durch die Verschneidung und wie ich oben in der Mitte bin, kommt wieder Unsicherheit auf. Lawinen stürzen über und durch die Verschneidung hinab. Ich rufe, ich käme nicht mehr weiter. Der Österreicher klettert zu mir nach und fragt ob ich Stand hätte, was ich bestätigen kann auch wenn dieser eher eng ist. Er klettert vor und nimmt mich zu einem sicheren Stand. Von hier seile ich Gnos nach, der auch bald da oben ist. Der Österreicher steigt weiter. Gut sichern, sagt er noch. Dann entschwindet er meinen Blicken. Nach einer Weile ruft er, er habe Stand und sei oben. Der zweite Östereicher klettert zu unserem Stand nach und meldet, ein Schweizer sei verletzt, er glaube, er habe ein Bein gebrochen. Das hat uns gerade noch gefehlt und Gnos flucht. Die Hoffnung, den Gipfel heute noch zu erreichen schwindet. Von unten hört man Rufe, doch man kann nichts verstehen. Der Österreicher kommt zurück um sich zu erkundigen was passiert sei. Er seilt sich noch weiter ab kommt aber sofort wieder zurück. Dann ruft er, er soll nun nachkommen, denn wir wollten alle aus dem Loch hinaus. Ernut nehmen wir Rufe von unten wahr doch der Sturm übertönt diese Rufe. Man kann nichts verstehen. Gnos und ich wollen da w arten. Wir ermuntern den zweiten Österreicher, weiter zu steigen. Guter Rat teuer. Gnos kann mich gut sichern. Da werfe ich 40 Meter Seil aus und seile mich durch die Verschneidung ab. Von da steige ich durch durch den Quergang hoch. Der Deutsche und ein Kollege befinden sich über der schweren Stelle. „Was ist da nur los, wollt ihr nicht weiter?“ Zurfluh und Jauch sind noch ganz unten und unter dem Überhang. Und es herrscht ein Seilgewirr. Sie sitzne da unten. „Wollt ihr hierr biwakieren?“ Der deutsche Kollege ruft mir zu: „Seppel will gar nicht mehr nachsteigen!“ „Doch ich werde schon kommen!“ sagt Sepp. Von oben hätte jemand „Biwakieren“ gerufen. Sepp ist beim Überhang abgestüzt und hat sich ein Bein verstaucht. Ich will jetzt einfach helfen. Die Östereicher haben uns ein 60 Meter langes Seil zurück gelassen und sind nur mit einem Seil nach oben gestiegen!“ Das Seil wird so eingehängt, dass es leicht durch den Karabiner gleitet. Josef kommt als erster hoch und quert in die Verschneidung. Von da wird er von Franz nach oben gezogen. Das Gleiche geschieht mit Zurfluh. Die anderen zwei sind sehr aufgeregt und gar verängstigt. Sie glauben, wir würden sie verlassen. Seile links ab in die Verschneidung. Die Nacht bricht herein. Ein Biwak in derart nassen Kleidern und keinem trockenen Faden am Leib erscheint furchtbar zu werden. Beide sind bei mir unter einem Felsvorsprung an der Verschneidung. Ich schlage einen Standhaken ein. Hier wird biwakiert. Hochklettern bringt jetzt nichts. Wir lassen sie im Seil hinten und ziehen sie am Morgen hoch.

Da murmelt jemand etwas in Englisch. Ich verstehe es nicht. „Hochziehen!“, rufe ich. Wie ich oben bei den dreien bin, ist es schon dunkel. Das Biwak sieht bös aus. Sitzen ist unmöglich! Haken werden eingeschlagen. Die Steigeisen  dürfen wir nicht ausziehen! Der Magen knurrt, weil wir den ganzen Tag nichts gegessen hatten. Kochen geht auch nicht. Sepp stellt fest, dass der Brennstoff ausgegangen ist! Die Kehle ist so trocken, dass keine grobe Kost zu sich genmmen werden kann. Sepp begnügt sich mit Schnee und Zucker. Gnos und ich nehmen Schnee und Ovosport zu uns. Zurfluh meint, wenn er nach Alpiglen komme, werde er als erstes einen Liter Glühwein trinken… Es schneit unentwegt weiter. Ob die Östereicher den Mittelegigratt schon erreicht haben? Mich befällt leichtes Fieber. Gnos und Sepp stehen schüttelnd und frierend etwas unterhalb von uns. Zurfluh sagt zu mir, es stimme etwas mit seinen Füssen nicht. Erfrierungen! Ja, ich merke es auch! Zurfluh und ich schlüpfen in den anderen Schlafsack. Wir können ihn nur über den Kopf ziehen. Es entsteht „Kondenswärme“. Wir sind auch nicht sicher hier. In der Nacht rauschen einige Schneeabgänge über unsere Schlafsäcke hinab. Die Minuten werden zu Stunden! Die Nacht will kein Ende haben. Gegen drei Uhr hat sich die Kälte verschärft. Wie wir einmal den Sack abstülpen, funkeln Sterne am Himmel. Es ist wohl mehr als zehn Grad unter dem Gefrierpunkt. Der Morgen bricht an. Es ist heiter und klar. Doch die furchtbare Kälte wird uns zum Verhängnis. Die nassen Seile sind steif gefroren. Knoten lassen sich kaum öffnen. Die beiden unter uns regen sich. „Hochziehen!“ bitten sie. Sie müssen sich gedulden, bis wir bereit sind.  Sepp hat ziemlich starke Schmerzen im Bein. Ich beginne hoch zu klettern. Pulverschnee, Kälte, Hunger, Durst und Fieber machen mir zu schaffen. Es finden sich keine Haken und vorhandene kann man in diesem Eis nicht einschlagen. Vorsicht vor Stürzen ist angesagt! Trotzdem kommt man oft dem Stürzen nahe. Jeder Schritt und Tritt wird beschwerlich. Erschöpfungserscheinungen treten auf. Zurfluh klettert als zweiter, Gnos danach und Sepp zuletzt. Ganz hinten folgen der Deutsche und der Amerikaner. Sechs Berggänger, alle an einem Seil! Wie ich aus dem Riss heraus komme, sehe ich, wie die zwei Österreicher über das Gipfeleisfeld hoch klettern. Gestern erreichten sie den Grat nicht mehr. Einer der beiden winkt mir zu. Unten im Tal liegt eine weit ausgebreitete Nebeldecke. Die Menschen unten auf der Kleinen Scheidegg haben keine Nachricht von uns. „Leben sie noch, oder etwa schon nicht mehr?“… Jetzt sind wir glücklich aus der Wand. Gerettet! Um 11 Uhr erreiche ich als erster Urner den Mittelegigrat. Die Letzten sind noch fünfzig Meter tiefer im Gipfeleisfeld. Im Aufstieg im Gipfelfeld redete mich Zurfluh an. Er wollte, dass ich einen Standhaken einschlug. Ich reagierte nicht darauf! Nun sind wir alle glücklich da! Ein Händeschütteln unter Nationen! Auf der Südseite wärmt die Sonne. Wir müssen kämpfen, damit uns der Schlaf vor Müdigkeit nicht übernimmt. Der deutsche Kollege hilft uns mit Brennstoff aus. Jetzt können wir Tee kochen. Gierig trinken wir das köstliche Nass. Das Essen hingegen mundet nicht. Der Durst beherrscht die Szene!. Von da zum Eigergipfel sind es noch 20 Minuten. Wie wir über den Grat steigen, kommen uns die beiden österreichischen Kollegen entgegen – flotte Kameraden! Der Eiger Gipfel ist erreicht: P. 3970 m ü. M. Ein kühler Wind bläst hier oben, so dass wir uns nicht lange aufhalten. Gemeinsam zu acht steigen wir über die Westflanke ab. Der Abstieg ist sehr gefährlich und erfordert grosse Vorsicht. Es liegt Neuschnee auf blankem Eis! Wir gehen am Seil mit stetigem Sichern. Der Fels ist dachziegelartig geschichtet. Bei einem Sturz würde sich das Seil nirgends verhängen. Die beiden Östereicher gehen voraus. Es folgen der Amerikaner und der Deutsche. Zurfluh, Gnos und ich sind die letzten. Wir begnen zwei Bekannten die da hoch steigen. Es sind dies Martin Epp, bekannter aus dem Kanton Uri sowie sein Kollege Paul Etter. Beide sind Berufsbergführer. Paul Etter hat im vergangenen Winter zusammen mit Hilti von Almen die Matterhorn-Nordwand durchstiegen! Sie gratulieren uns herzlich und steigen aber schnell weiter. Etwas mit Abstand folgen Zurfluh und Sepp. Epp und Etter reden etwas mit ihnen. Unten gewinnen Gnos und ich etwas Vorsprung. Die Platten sind verschneit und nass. Da heisst es aufgepasst! Der Östereicher schlägt Haken ein. Er ist sehr vorsichtig. Etwas unterhalb geht Gnos auf ein steiles Schneefeld. Er rutscht aus und reisst mich mit hinab. Es gleitet rasch und nimmt einem fast die Haare zu Berg. Weiter unten kommen wir zum Stehen. zum Glück! Beinahe wären wir auf der Normalroute tödlich abgestürzt. Es hätte uns direkt in den steilen Eigekessel gespült!

Je wärmer es wird, desto mehr machen sich die Erfrierungen bemerkbar. Hände und Füsse sind aufgeschwollen und dunkelblau gefärbt. Um 17 Uhr haben wir das Ende der Westflanke erreicht. Bekannte Kameraden sind eingetroffen und kommen uns entgegen. Es sind dies:  Jauch Dolf, Zberg Melk, Frei Sepp und Frei Ernst. Sie nehmen uns sofort Rucksäke und Material ab und gratulieren uns. Martin Epp und Paul Etter sind auch schon wieder zurück vom Eiger. Es sind zwei schlanke Burschen, man sieht es ihnen an, richtige Bergtypen! Paul Etter gibt uns Ratschläge wegen den Erfrierungen. Wir sollen uns möglichst schnell in ärztliche Behandlung begeben, damit wir möglichst keine Nachteile davon tragen. Dafür sind wir sehr dankbar. Nun geht’s hinab zur Station Eigergletscher. Auf dem weiteren Abstieg, oh,  Überraschung! Onkel Adolf Jauch ist gekommen um zu gratulieren und auch Cousine Rosa Jauch ist hier! Sie sagt, man habe spannende Zeit erlebt. Keine Sicht, keine Nachrichten nur eine dichte Nebelschicht! Was sich abgespielt habe,  das wissen nur jene, die es erlebt und gesehen haben.

Um 18 Uhr sind wir bei der Station Eigergletscher eingetroffen. Der letzte Zug zur kleinen Scheidegg fährt ab. Wir sind durstig. Dolfi holt jedem eine Flasche Bier, die fast in einem Zug gelehrt wird! Josef Jauch und Sepp Zurfluh kommen mit etwas Abstand. Sepp kann kaum noch gehen. Wir müssen sofort nach Grindelwald in ärztliche Behandlung! Mit dem Österreicher müssen wir noch das Material teilen. Es sind dies ein Seil, einige Karabinerhaken und einige Haken. Die beiden Österreicher, der Deutsche und der Amerikaner gehen zur kleinen Schweidegg weiter. „Adio!“, wir verabschieden uns von diesen Kameraden. Eine Familie nimmt uns da sehr nett auf. Sie geben uns Kaffe oder Ovomaltine. Ein grandioses Entgegenkommen! Sepp Frei nimmt Josef auf den Rücken und trägt ihn nach der Scheidegg. Gnos und ich marschieren dem Bahntrassee entlang nach der Scheidegg. Das Gehen ist schwierig, Erschöpfungserscheinungen plagen mich. Und doch, der menschliche Wille ist stark! Gnos, er ist ein zäher Mann. Nebel liegt auf. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht Richtung Wengen abdriften. Schliesslich erreichen wir die kleine Scheidegg. Da kommt ein weiterer Bergsteiger aus der Wand. Zwei befinden sich noch in der gefürchteten Wand unterwegs. Ob sie durch gekommen sind, können wir nicht wissen. Wir müssen sofort weiter nach Grindelwald. Es fährt keine Bahn mehr! Es wird dunkel. Unterhalb der Schweidegg schauen wir nochmals hinauf. Die Wand ist verschneit wie im Winter. Wir treffen in Alpiglen ein und begeben uns ins Restaurant. „Schaut, da kommen die aus der Wand – wo sind ie beiden Kameraden?“ “ Sie sind oben auf der Scheidegg!“ Wir trinken ein „Eptinger“ und fragen nach einer Taschenlampe, die wir auch bekommen. Die freundliche Wirtin: „Wir waren in grosser Sorge um euch. Ihr habt wohl einiges mitgemacht dort oben!“ Wir bestellen noch das Nachtessen, nehmen es ein und auf gehts, nach Grindelwald zum Arzt. Gegen Mitternacht wollen wir zurück sein. Von Alpiglen bis Grindelwald beträgt eine Wegstrecke etwa 1 1/2 Std. An der ersten Adresse erfahren wir zwar freundliche Aufnahme, doch der Arzt ist noch zu lange abwesend. Wir sind ungeduldig und ziehen weiter. Wir werden wieder freundlich empfangen und angenommen. Der Arzt werde in ca. einer Stunde da sein. Die Wartezeit wird mit einem Tee etwas gelindert, dann erscheint der Arzt. Wir bekommen eine Spritze gegen die Schmerzen. Dann folgt eine Abfolge von Kalt- und Warmbädern. Das Gleiche an Händen und Füssen. Der Arzt erkundigt sich und ist erfreut, Urnern für den Triumpf über die „Wand“ gratulieren zu können. Dann ruft Dolfi Jauch aus Alpiglen an. Es komme nicht in Frage, dass wir heute noch nach oben koämen. Es sei mit dem Arzt, Dr. med. Kr… so abgemacht. Wir könnten beim Arzt übernachten. Morgen würden wir abgeholt und nach Hause geführt. „Schon recht so Dolfi, danke!“ Die Behandlung geht weiter. Gehalten werden wir hier wie zu Hause! Es wird uns sogar ein Nachtessen serviert! Danach dürfen wir in einem Nebenraum nächtigen. Der Arzt gibt uns noch jedem eine Flasche Bier. Wir sind ihm sehr zu Dank verpflichtet. „Ihr könnt morgen bis Mittag ruhen. Gute Nacht!“

1962, Urner Bergsteiger Quartett v.li.: Franz Jauch, Josef Jauch, Josef Zurfluh und Franz Gnos – nach der ärztlichen Erstversorgung vorerst wohlauf. Der Preis für die Leidenschaft, die auch Leiden schafft!

Am 23. August bringt uns Dolfi Jauch nach der Arztvisite nach Amsteg zurück. Um 17 Uhr sind wir soweit. Der Arzt schenkt uns Honorar und weitere Kosten! Wir hatten alles was erforderlich war, um sauber ins „Zivilleben“ zurück zu kehren. Wir sind sehr beeindruckt und entsprechend dankbar. Die Fahrt geht via Interlaken, Meiringen auf den Sustenpass, wo ein Halt eingeschaltet wird. Eine Ovomaltine wird bestellt. Dann geht es nach Hause.

Eiger Nordwand, der erhobeneZeigfinger der Eltern, nach der Rückkehr

Wie wir in Amsteg angekommen, wird es bereits dunkel. Onkel Dolfi und Melk Zberg tragen  mir die Rucksäcke heim. Die Mutter sagte, macht soche Sachen nicht mehr, sie habe schöne Angst ausgestanden. Der Vater meint, viel verdient habt ihr, glaub‘ ich nicht. Nachher gibt es für mich 5 Wochen Ruhe. Gnos Franz nimmt die Arbeit in einer Woche wieder auf. Zurfluh und Jauch können die Arbeit erst später wieder aufnehmen.

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Schon am 1. September will Franz Gnos nach der kleinen Scheidegg fahren. Er fragt, ob ich mitfahren wolle, was ich sofort annehme. Um die Mittagszeit treffen wir in Alpiglen ein, wo es frohes Wiedersehen mit der Wirtin gibt. Hier wird ein einfaches Mittagessen eingenommen. In der Wand sei wieder ein tödlicher Unfall passiert. Man wiss nichts Genaues. Später stellte es sich heraus, dass es sich um einen Östereicher und um einen Schotten handele. Wir betrachteten die Wand via Fernrohr. Und wir sahen den Abtransport der Verunglückten…

„(…)Wir zogen auch hinauf zum besagten Stein, wo wir einiges Material deponiert hatten, bevor wir in die Wand gestiegen sind. Aber was ist passiert? Gestohlen! Kein einziger Karabiner ist zu finden. Verflucht noch einmal, die soll der Teufel holen! Nur die Landkarten und die SAC-Ausweise sind noch da. Es soll ihnen gut tun, jenen die diese Sachen gestohlen haben!)“

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Urgrossdäädi mit Franz jun. und Urgrosskind Alena – die Last des Alters trägt der erprobte Alpinist noch „mit links“!

Franz Jauch ist alt geworden und er braucht Pflege. Spricht man ihn auf die Berge an, beginnen die Augen zu leuchten. Der einfache Mann der Tat brauchte nie viele Worte. Er schultert auch die letzte Last! 

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Beide, Franz senior und Franz junior, waren auf dem Flug zum Matterhorn dabei. Franz Jauch sen. fand sich in der Navigation auf der fliegenden Plattform erstaunlich gut zurecht!

Operation Matterhorn I

Der Rückflug von Meiringen nach Buochs zeigte auch Grenzen auf!

Operation Matterhorn II